St. Johannes Baptist (Nabburg)
Koordinaten: 49° 27' 19.01" N, 12° 10' 48.22" E
| St. Johannes Baptist (Nabburg) | |
|---|---|
Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer (2022) | |
| Adresse: | Kirchplatz 1 92507 Nabburg |
| BLfD-ID: | D-3-76-144-20 |



Die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Nabburg gehört zu den bedeutendsten gotischen Kirchenbauten in Nordbayern. Sie ist unter der Nummer D-3-76-144-20 in die Liste der Baudenkmäler in Nabburg eingetragen.
Lage
Die Nabburger Pfarrkirche liegt auf dem höchsten Punkt des Stadtberges zwischen Markt und ehemaligen Schloss auf dem heutigen Kirchplatz. Das Bauwerk ist ein die Stadtsilhouette beherrschendes Kirchengebäude.
Aus der Kirchengeschichte
Die Kirche von Nabburg gehörte ursprünglich zu Perschen[1]. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Nabburg wahrscheinlich eine eigenständige Pfarrei, die von Perschen getrennt war. Spätestens seit 1419 mit der Auflösung des Perschener Pfarrsitzes wurde Nabburg eigenständige Pfarrei mit Pfarrkirche[2].
Aus der Baugeschichte
Der Bau der Kirche St. Johannes der Täufer, auch „Johannesdom“ oder „Nabburger Dom“ genannt, entstand unter dem Einfluss der Bauweise des Doms in Regensburg. Der Baubeginn dürfte vor 1300 liegen, als Fertigstellung wird die Zeit um 1350 angenommen. Die Anlage des Bauwerks als dreischiffige, doppelchörige Säulenbasilika mit ursprünglich zwei Türmen erinnert an mächtige Klosterkirchen wie St. Emmeram in Regensburg. In der Bauabfolge von Ost nach West sind mehrere Bauphasen und Planänderungen zu erkennen[3]. Der Anbau der Annakapelle und der Einbau der Westempore erfolgte im 15. Jahrhundert. Das Gotteshaus hatte 1474 insgesamt elf Altäre[4] (Hauptaltar St. Johannes, 12 Apostel, St. Erasmus, St. Achatius, St. Barbara, Hl. Kreuz, St. Sebastian, St. Leonhard, St. Antonius, St. Maria Magdalena und Unsere liebe Frau). Von diesen Altären ist außer der Madonna auf der Mondsichel im linken Seitenschiff (1470) leider mehr erhalten – einiges ist dem Bildersturm zum Opfer gefallen, manches war zuvor schon „modernisiert“ worden. Die Figuren, die heute am rechten Seitenaltar zu finden sind, waren ursprünglich in der Sebastianskapelle, die das Hauptportal überbaut[5].
1536 brannte der nördliche Turm nach einem Blitzschlag ab und stürzte ein[6]. Er wurde nicht wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert errichtete man die Sebastianskapelle vor dem Südportal, um 1860 folgte eine umfassende Renovierung des Bauwerks. Die Altäre, Kreuzwegstationen, Kirchenbänke, steinerne Emporenbrüstung und Kirchenfenster wurden 1898 entfernt und durch neugotische Elemente ersetzt[7]. 1962 bis 1964 kam es zu einer weiteren Innenrenovierung, bei der man die neugotische Ausstattung weitgehend entfernte. 1978 bis 1981 erfolgte eine nochmalige Innenrestaurierung.
Baubeschreibung
Die Kirche St. Johannes der Täufer ist eine gewölbte, dreischiffige Pfeilerbasilika mit Ost- und Westchor [8]. Von den ursprünglich zwei Westtürmen ist nur noch einer vollständig erhalten, da der andere infolge eines Blitzschlags im Jahre 1536 abgebrannt ist und nicht wieder aufgebaut wurde.
Im Langhaus werden die spitzen Scheidbögen von Bündelpfeilern getragen. Der Ostchor und der Westchor haben jeweils fünf Achteckseiten. Die Seitenschiffe sind etwa halb so hoch wie das Mittelschiff. Während der Westchor die gleiche Höhe wie das Mittelschiff hat, ist der Ostchor niedriger gebaut[9].
Im nördlich gelegenen Seitenschiff sind noch die drei originalen Glasfenster aus dem 14. Jahrhundert eingebaut, die ursprünglich im Ostchor ihren Platz hatten: Christus, das Kreuz tragend, Christi Himmelfahrt und die Erscheinung Christi vor Maria Magdalena an Ostern[10]. Die übrigen Kirchenfenster sind jüngeren Datums und stammen aus der Zeit von etwa 1880 bis 1905.
Der Hochaltar von 1868, der 1978 wiederaufgestellt wurde, ist ein neugotischer Flügelaltar mit Schnitzreliefs. Er zeigt die Verkündigung und Anbetung, Predigt des Johannes Baptist und die Taufe Christi. Auf den Seitenflügeln sind die Geißelung Christi und die Krönung mit Dornen dargestellt[11]. Über dem südlichen Altar sind Figuren der Heiligen Florian, Sebastian und Wendelin angebracht. Sie stammen aus der früheren Sebastianskapelle, der heutigen Vorhalle des Portals. Die Renaissancekanzel ist aus Sandstein gefertigt und trägt das Datum 1526.
Kirchenglocken
Im Südturm des Gotteshauses hängen insgesamt fünf Glocken: Große Glocke (1538, 1800 kg), Feuerglocke (1628, 1200 kg), Gebetsglocke (1537, 658 kg), Wandlungsglocke (1554, 180 kg) und Sterbeglocke (18. Jh., 90 kg). Die Türmerstube über der Glockenstube diente bis in das 20. Jahrhundert als Wohnraum[12].
Literatur
- Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, ISBN 3-422-03011-5
- Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XVIII Bezirksamt Nabburg, München 1910
- Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 50: Nabburg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7
Weblinks
- Homepage der Pfarrei Nabburg
- Kurze Pfarreigeschichte von Nabburg
- Bilder St. Johannes Baptist
- Kirchengebäude in der Oberpfalz
- Kirchengebäude im Landkreis Schwandorf
Einzelnachweise
- ↑ Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XVIII Bezirksamt Nabburg, S. 24
- ↑ Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, S. 320
- ↑ Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, S. 320
- ↑ Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XVIII Bezirksamt Nabburg, S. 25
- ↑ https://www.pfarrei-nabburg.de/kirchen-einrichtungen/geschichtliches/ Informationen auf der Hompage der Pfarrei Nabburg
- ↑ Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, S. 320
- ↑ Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, S. 320
- ↑ Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XVIII Bezirksamt Nabburg, S. 25
- ↑ Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XVIII Bezirksamt Nabburg, S. 28
- ↑ https://www.pfarrei-nabburg.de/kirchen-einrichtungen/geschichtliches/ Informationen auf der Hompage der Pfarrei Nabburg
- ↑ Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, S. 322
- ↑ https://www.pfarrei-nabburg.de/kirchen-einrichtungen/geschichtliches/ Informationen auf der Hompage der Pfarrei Nabburg