Fischzug

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Der Fischzug ist ein Heischebrauch aus dem 18. Jahrhundert, der alljährlich am Aschermittwoch in Schmidmühlen durchgeführt wird.

Geschichte

Die Ursprünge des Fischzugs werden im 18. Jahrhundert vermutet. Schriftliche Aufzeichnungen haben sich allerdings aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten.[1] Die Ursprünge des Fischzugs sind ebenfalls nicht sicher. Es gibt zwei Theorien. Die erste sieht im Fischzug einen Bettelbrauch, da nach der Faschingszeit die Geldbörsen der Narren strapaziert gewesen seien. Die zweite Theorie besagt, dass zu jener Zeit (also vor der Erfindung der Kältemaschine durch Linde) das zuerst eingebraute Winterbier an seine Haltbarkeitsgrenze gelangte und vor dem Verderben als Freibier ausgeschenkt wurde.[1]

Ablauf

Die Männer des Ortes treffen sich ein Uhr Mittags in schwarzebefrackt und mit Zylinder bekleidet beim Ochsenwirt. Dort entrichten sie einen geringen Obolus und ihnen wird hierfür vom Zeremonienmeister ein Fisch auf ihren Rücken gemalt. Anschließend setzt der Fischzug ein und zieht von Gaststätte zu Gaststätte. Angeführt wird der Zug von den Laternenträgern, gefolgt vom Faschingsprinzen, dem Zeremonienmeister sowie den Brot und Fischverkäufern.[2] Das Ende des Zuges wird durch eine rote Laterne markiert. Hierbei gelten strenge Regeln. Auf dem Weg zwischen den Wirtschaften sind Rauche, Reden, Lachen und überhaupt jede Unterhaltung verboten. In den Gasthäusern darf geredet werden, jedoch sind Schnaps, Pfeifen, Lieder und Witze bei Strafe untersagt. Als Speise sind nur Hering mit Brot erlaubt.[1] Während des Zuges laufen die Teilnehmer im Gänsemarsch immer auf der linken Straßenseite.

Gegen 22 Uhr erreicht der Zug, nach dem besuch aller Wirtschaften, sein Ziel - das Kirwabaumloch. Hier beginnt nun das sogenannte Geldbeuteleingraben, welches von den Teilnehmern durch großes Wehklagen begleitet wird. Während dieser Prozedur spricht der Zeremonienmeister seine Geldbeutellitanei, welche unter anderem eine totale Steuerbefreiung fordert.[1][2] Teilweise findet sich für den beschriebenen Abschluss auch der Begriff des Faschingeingrabens.[3]

Sobald die Kirchturmuhr Mitternacht schlägt und der Aschermittwoch endet, finden sich alle Fischzugteilnehmer zum sogenannten Geldbeutelschmaus ein. Hierbei gibt es traditionell frischen Leberkäs und einen Ausklang in Geselligkeit.

Der Versuch, den Fischzug in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufnehmen zu lassen, scheiterte bisher.[2]

Verbreitung

Der ursprünglich aus Schmidmühlen stammende Fischzug findet mittlerweile auch andernorts seine Freunde. So wird der Brauch auch in Sulzbach-Rosenberg, Hahnbach, Hohenburg und Kümmersbruck praktiziert, wobei es jedoch zu Abweichungen in der Durchführung kommen kann.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Markt Schmidmühlen: Fischzug - https://www.schmidmuehlen.de/freizeit-kultur/brauchtum-kultur/fischzug - Abgerufen am 04.08.2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Onetz: Paul Böhm - Fischzug am Aschermittwoch. Seit mehr als 120 Jahren Brauch in Schmidmühlen (05.03.2025) - https://www.onetz.de/oberpfalz/schmidmuehlen/fischzug-aschermittwoch-seit-mehr-120-jahren-brauch-schmidmuehlen-id5045722.html - Abgerufen am 04.08.2026.
  3. BR: Zwischen Spessart und Karwendel - Der Schmidmühlener Fischzug. Eine bierernste Angelegenheit. (06.02.2016) mit Video- https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/schmidmuehlener-fischzug-100.html - Abgerufen am 04.08.2026.