Brauhaus Parsberg


Die Herstellung von Bier war über viele Jahrhunderte hinweg nicht nur ein Handwerk, sondern auch ein zentraler Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Parsberg. Wie in vielen Orten Bayerns gab es auch hier eine eigene Braustätte, die tief mit der Stadtgeschichte verbunden ist.
Anfänge im 16. Jahrhundert

Die früheste bekannte Erwähnung einer Brauerei in Parsberg stammt aus dem Jahr 1543. Dieses Datum fällt mit der Erteilung der Braugenehmigung an die Herren von Parsberg zusammen. Der Bau des eigentlichen Brauhauses erfolgte im Jahr 1573. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lässt sich erstmals das formale Braurecht belegen.[1]
Im Jahr 1609 erhielt der Biersieder und Schankwirt Georg Ferstl durch einen kaiserlichen Wappenbrief offiziell das Recht, Bier zu brauen – ein bedeutender Beleg für die zentrale Rolle des Bieres in der städtischen Selbstversorgung und Gastronomie .[2]
Streit um die Brau- und Schankrechte
Im Jahr 1707 begann ein langwieriger Rechtsstreit zwischen Wolfgang von Parsberg und dem Herzog von Neuburg um die Reichsunmittelbarkeit Parsbergs. Bestandteil dieses Konflikts waren unter anderem die Brau- und Schankrechte, die eng mit der kommunalen Souveränität verknüpft waren.
Nach dem Tod Wolfgangs wurde die Reichsherrschaft Parsberg durch den Kaiser als Lehen an Fürstbischof Karl Friedrich von Schönborn vergeben. Dieser verpachtete das Brauhaus im Jahr 1739, womit die Kontrolle über die Bierproduktion in fremde Hände überging.[3]
Genossenschaft und Blütezeit im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert kam es zur Gründung einer Brauereigenossenschaft, an der sich sämtliche Wirte aus Parsberg sowie aus umliegenden Orten wie See und Darshofen beteiligten. Gemeinsam betrieben sie die Brauerei, teilten sich die Erträge und sorgten für die regionale Biervermarktung.[4]
Zu den beliebtesten Biersorten zählten:
- Vollbier hell
- Rittersporn Export
- Weihnachtsbock dunkel
- Festbier (speziell für das Parsberger Volksfest)
- Pilsner
Daneben produzierte das Brauhaus auch Limonaden in verschiedenen Geschmacksrichtungen, was auf eine Diversifizierung der Produktion hinweist
Schließung und Abriss
Am 25. September 1970 wurde das Brauhaus offiziell geschlossen. Damit endete eine über 427 Jahre währende Brautradition. Im Zuge der Stadtsanierung wurde das Gebäude 1982 abgerissen. Die dabei ausgebauten Balken und Jurasteinplatten wurden bei der Sanierung der Burg Parsberg wiederverwendet – ein symbolisches Weiterleben der Braugeschichte im regionalen Kulturerbe.[5]
-
Brauerei Diplom Mathias Aigner Parsberg (Bild:Burgmuseum Parsberg)
-
Bierkiste Brauhaus Parsberg (Bild:Burgmuseum Parsberg)
-
Etiketten Brauhaus Parsberg (Bild:Burgmuseum Parsberg)
-
Abriss Brauhaus Parsberg im Rahmen der Innenstadtsanierung (Bild:Burgmuseum Parsberg)
-
Brauhaus Parsberg Abriss (Burgmuseum Parsberg)
-
Brauhaus Parsberg Abriss (Burgmuseum Parsberg)
Historische Ansichten
-
Brauhausstrasse von Norden (Burgmuseum Parsberg)
-
Brauhausstrasse von Norden (Burgmuseum Parsberg)
-
Brauhausstrasse von Süden (Burgmuseum Parsberg)
Einzelnachweise
- ↑ Stadtarchiv Parsberg (Angaben zur Braugenehmigung 1543, Baujahr 1573)
- ↑ Wappenbrief von 1609 (Kopie lt. Chronik über Georg Ferstl)
- ↑ Fürstbistum Würzburg / Verwaltungsakten zur Verpachtung 1739
- ↑ Infotafel, "Brauhaus Parsberg", Burgmuseum Parsberg
- ↑ Stadt Parsberg: Stadtsanierungsbericht 1982 (Abriss Brauhaus, Wiederverwendung Baumaterialien)