Atzmannsricht
Koordinaten: 49° 33' 12.31" N, 11° 52' 23.39" E
| Atzmannsricht | |
|---|---|
Luftbild Atzmannsricht | |
| PLZ/Ort: | 92274 Gebenbach |
| Höchstgeschwindigkeit: | 100 |
| Belag: | Asphalt |
| Verkehrsbedeutung: | reine innerörtliche Erschließungsstraßen |
| Ortsvorwahl: | 09622 |
Atzmannsricht ist ein Ortsteil der Gemeinde Gebenbach im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Namensherkunft
Das Auftreten der Endung -richt bei Ortsnamen ist sehr selten und bezogen auf den deutschen Sprachraum lokal nur sehr begrenzt auf den Oberpfälzer Raum.[1] Dabei handelt es sich um eine jüngere Missform für Ried, was für eine Rodung steht.[2] Der Ortsname „Atzmannsricht“ ist also als „Rodung eines Azman“ zu verstehen.[3]
Die folgende Schreibweisen des Dorfnamens waren, in den Jahren 1348 Atzmannsreut auch 1510 Atzmansreut, 1625 Atzmannsried auch Azmannsried und Atzmannsriet, 1801 Atzmannsrith und 1825 Oser Ozamsriad gebräuchlich. Eine andere Deutung des Namens kommt aus der Volksmythologie und leitet sich von Atzmann einem Hausgeist oder Gespenst ab.[4]
Lage
Geographie
Das Kirchdorf Atzmannsricht liegt direkt an der Bundesstraße 299 (Amberg–Freihung). Außerdem ist Atzmannsricht über Gebenbach an der Bundesstraße 14 (Hirschau-Sulzbach-Rosenberg) erreichbar.
Topographie
Der Ortskern von Atzmannsricht befindet sich auf einer Höhe von Vorlage:Höhe.

Geschichte
Im Jahr 1348 findet sich eine erste urkundliche Erwähnung als atzmansreut zinspflichtig zum Bamberg gehörend.[5] Durch die enge Verknüpfung zum Erzbistum Bamberg, die schon von dessen Gründungszeit im 11. Jahrhundert herrührte, nahm Atzmannsricht lange Zeit in der Pfarrei Gebenbach eine gewisse Sonderstellung ein. Es gibt Grund zur Annahme, dass Atzmannsricht 1016 oder 1017 zum Bistum Bamberg kam und zur bambergischen Vogtei Vilseck gehörte. Nach dem Zinsbuch des Klosters Prüfening von 1431 zählte das Dorf 15 1/2 Huben. 1430 kam Atzmannsricht als Zugehörung des Pflegamts Vilseck durch Kauf an Ritter Heinrich v. Wernberg. Nach Rückkauf des Amtes Vilseck durch Bischof Georg III. im Jahre 1505 gehörte Vilseck bis zum Jahr 1802 zum Amt Vilseck.[6][7]
Nach Streitigkeiten zwischen der Pfalz und dem Bistum Bamberg wurde Atzmannsricht durch einen Vertrag vom 8. Juli 1510 dem Bischof von Bamberg mit Steuer, Reis, Frohnen, Zinsen und Gülten sowie aller bürgerlichen Gerichtsbarkeit zuerkannt. Die Halsgerichtsbarkeit wurde dem Landgericht Amberg zugeschlagen. Das herkömmliche Schutzgeld auch Schirmgeld genannt, sollten die Atzmannsrichter an die Pfalz bezahlen. Dafür übernahm die Pfalz den Schutz gegen jedermann mit Ausnahme des Bischofs. [8]
Durch das erste bayerische Gemeindeedikt wurde Atzmannsricht im Jahre 1808 dem Steuerdistrikt und Landgericht Amberg und damit dem Naabkreis zugeordnet.[9] Nach der Auflösung des Naabkreises zugunsten des Mainkreises und des Regenkreises wurde Atzmannsricht im Jahr 1810 zusammen mit dem Landgericht Amberg dem Regenkreis zugeordnet (ab 1838 Oberpfalz und Regensburg).
Durch das zweite bayerische Gemeindeedikt wurde Atzmannsricht zusammen mit Kainsricht der Gemeinde Gebenbach zugeordnet.
Zusammen mit der Gemeinde Gebenbach wurde Atzmannsricht 1838 aus dem Landgericht Amberg herausgelöst und dem neuen Landgericht Vilseck zugeordnet[10][11]
Im Jahr 1846 brannte das Dorf bis auf die Kirche und zwei Häuser nieder. Ursache des Brandes soll der fahrlässige Umgang mit einem sogenannten Schleißenlicht, einem getrockneten Buchenholzspan (Schleißen) der ca. 10 min in eine Halterung brannte, gewesen sein.[12][13] Diesem Ereignis wurde im Jahre 1996 mit einem historischen Feuerwehrfest gedacht.
Der Erste Weltkrieg forderte 18 Gefallene und Vermisste aus dem Dorf.
Im Jahr 1924 wurde Atzmannsricht an das überörtliche Stromnetz angeschlossen.
Am 20. April 1945 zogen die Amerikaner durch Atzmannsricht. Der Zweite Weltkrieg forderte 18 Gefallene und Vermisste aus dem Dorf.[14]
Im Jahre 1969 wurde in Atzmannsricht die Dorfverschönerung durchgeführt. Beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden erhielt Atzmannsricht das Prädikat Schönstes Dorf im Landkreis Amberg, die Goldmedaille des Bezirks Oberpfalz und des Freistaates Bayern und als höchste Auszeichnung die Silberplakette des Bundes.
Im 24. Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden konnte der Kreissieg sowie der Sieg auf Bezirksebene mit der Auszeichnung Gold gefeiert werden.
Frühzeitfunde
Im Jahr 1929 fand man 5 massive Bronzeringe auf einem Acker der Peterbauern im Mittleren Dorfholz (Dorfholzacker). Daher weiß man, dass hier bereits in der Späthallstattzeit (620–450 v. Chr.) Menschen lebten. Vier Jahre früher gab es bei Rodungsarbeiten im Mittleren Ödholz ähnliche Funde.[6][15][16][17]
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Vereine
- Freiwillige Feuerwehr Atzmannsricht (gegründet am 5. August 1900)
Innerhalb der Gemeinde Gebenbach konnte man sich nicht auf eine einheitliche Vereinsfeuerwehr einigen, so dass am 5. August 1900 für den Ort Atzmannsricht eine eigene Freiwillige Feuerwehr mit 28 Mitgliedern gegründet wurde. Am 6. September 1900 erfolgte die Aufnahme in den Landesverband. Zwei Jahre später kaufte man aus Spenden eine Hand- und Druckspritze und baute in der Dorfmitte ein Feuerwehrhaus. Zwischen den beiden Weltkriegen wurde eine Fahne beschafft und im Jahr 1923 geweiht. 1943 wurde die Atzmannsrichter Feuerwehr mit der Feuerwehr von Gebenbach vereinigt. Dies war notwendig, da wegen des Zweiten Weltkriegs nur noch wenige Feuerwehrmänner vor Ort waren. Die Selbstständigkeit beschloss man wieder am 28. Februar 1948. 1983 erwarb die Gemeinde für die Feuerwehr eine neue Tragkraftspritze TS 8.[18]
- KLJB Atzmannsricht
- Dorfgemeinschaft Atzmannsricht
- St. Wolfgang (Atzmannsricht)
Weblinks
- Atzmannsricht Video auf www.youtube.com (1:14 min)
- Alois Laumer: Atzmannsricht, Krickelsdorf, Luftbild Oberpfalz
- Chronik Gebenbach Ortschaft Atzmannsricht
Gebäude/Einrichtungen/Firmen
| Hausnummer | Gebäude |
|---|---|
| 8 | Thomas Stauber Steuerberater |
| 24 | St. Wolfgang Katholische Kirche |
| 50 | Wing Tsun Selbstverteidigungschule |
| 54 | Fischgrilltechnik Schilling Fachgeschäft für Grillgeräte |
Einzelnachweise
- ↑ Siedlungsnamenatlas, abgerufen am 21. März 2025
- ↑ Römisch-Lateinische Sprachrelikte im bayerischen Dialekt, Flurnamen, abgerufen am 21. März 2025
- ↑ Hans Frank: Historisches Ortsnamenbuch von Bayern Oberpfalz (Band 1). Stadt- und Landkreis Amberg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Hirschau 1975, ISBN 3-7696-9891-6, S. 12
- ↑
- ↑ Friedricbs von Hohenlohe: Friedricbs von Hohenlohe, Bischofs von Bamberg, Rechtsbuch 1348. Herausgegeben von Dr. C . Höfler. Redditus ecclesiae Babenbergensis pertinentes ad Officium seu Castrum vilsekke. XVIII. (PDF S. 63 Anhang II.). Dr. C. Höfler, vom 13. Juni 1348, abgerufen am 3. Oktober 2024
- ↑ 6,0 6,1 Simon Weiß, Chronik der Pfarrei Gebenbach, Josef Stauber, „Atzmannsricht und der Kounznhof“ aufbereitet von Albert Rösch: Chronik Gebenbach Ortschaft Atzmannsricht. www.gebenbach.de, vom 13. Juni 2014, abgerufen am 1. Oktober 2024
- ↑ Heribert Batzl: Aus der Ortsgeschichte des Landkreises. In: Der Landkreis Amberg. in Vergangenheit und Gegenwart. Kallmünz 1965, S. 257-306
- ↑ Georg Leingärtner: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 24: Landrichteramt Amberg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1971, ISBN 3-7696-9800-2, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007658-9, S. 38
- ↑ Georg Leingärtner: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 24: Landrichteramt Amberg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1971, ISBN 3-7696-9800-2, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007658-9, S. 141
- ↑ Vorlage:Webarchiv auf den Webseiten der Stadt VilseckVorlage:Abrufdatum
- ↑ Georg Leingärtner: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 24: Landrichteramt Amberg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1971, ISBN 3-7696-9800-2, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007658-9, S. 146
- ↑ Manz: Oberpfälzer Anzeiger. Manz, 1845, S. 470. Vorlage:Google Buch
- ↑
- ↑ Atzmannsricht im 20. Jahrhundert
- ↑
- ↑
- ↑
- ↑ Vorlage:Webarchiv In: feuerwehr-atzmannsricht.de
Am Kalvarienberg | Am Weingarten | Atzmannsrichter Straße | Bahnhofstraße | Dorfstraße | Dürrwiesen | Enzesbühl | Flurstraße | Gänswinkel | Hauptstraße | In der Lohe | Irlstraße | Lüßweg | Postweg | Raiffeisenstraße | Rohrleite | Roßteisling | Schafleite | Schulstraße | Urspringer Weg
Ortsteile ohne Straßennamen: Atzmannsricht | Kainsricht
Ehemalige Straßennamen:
Bogass |
Haue-Graben |
Hundsbirl |
Rumpelgasse |
Zufahrstraße
| Diese Seite basiert ursprünglich auf der Seite Atzmannsricht aus der freien deutschsprachigen Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons „Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ 4.0 International (CC BY-SA 4.0). In der deutschsprachigen Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren einsehbar. Seit ihrem Import wird die Seite kontinuierlich ergänzt. |