Altstraßen im Bereich der TK 25 6740 Neukirchen-Balbini

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Naturräumliche Gliederung

Die Altwegekarte Neukirchen-Balbini bildet mit ihrem Hügelland zwischen 500 und 600 m über NN den Übergang von der Bodenwöhrer Senke zur Regensenke und liegt im Naturpark Oberpfälzer Wald. Das Kartengebiet erstreckt sich über die Landkreise Schwandorf und Cham. Die Karte wird von einer geologischen Quarzstörung, dem Pfahl, durchzogen. Der Pfahl, auch „Teufelsmauer“ genannt, beginnt zwischen Schwarzenfeld und Nabburg, überquert die Naab und zieht sich über 150 km quer über den Oberpfälzer und Bayerischen Wald bis hinunter nach Viechtach. Verkehrsmäßig wird die TK 6740 heute von der Bundesstraße 16 und der Bundesstraße 85 durchzogen.

Zahlreiche Forstgebiete bis heute

Das Kartenbild weist eine dichte Bewaldung auf. Die zahlreichen noch vorhandenen Waldgebiete um Neukirchen-Balbini gehen auf frühmittelalterliche königliche Forsten um den früheren Pfalzort Roding zurück: Der Einsiedler Forst, der Neubäuer Forst, der Rodinger Forst, der Pentinger Forst, der Brucker Forst, der Taxölderner Forst. Die großen Waldflächen der Umgebung werden auch im Wappen des Marktortes Neukirchen-Balbini dokumentiert.

Siedlungsgeschichte

Im Jahre 1138 erfolgte die Erstnennung von Neukirchen-Balbini, als Bischof Otto von Bamberg in diesem Raum mehrere Orte dem Kloster Prüfening schenkte. Neben Neukirchen-Balbini waren dies Enzenried, Goppoltsried, Grottenthal, Lengfeld, Meigelsried, Thanried, Stocksried und Wirnetsried. Sie stellen nach Wilhelm Nutzinger Bamberger Gründungen zu Beginn des 12. Jahrhunderts dar. Sie gelten als Beweis für die Politik der letzten Sachsenkaiser, die Kirche in das politische Kalkül miteinzubeziehen und durch kirchliche Kolonisation zu durchdringen, während das Schwarzachtal bereits an der ersten Jahrhundertwende relativ dicht besiedelt war.

Rege Rodungstätigkeit der Klöster

Ortsnamen wie Bodenstein, Pottenhof, Pottenstetten und Bodenwöhr verweisen auf Botho von Pottenstein, der in der östlichen Oberpfalz auf dem Erbe der Schweinfurter Grafen im 11. Jahrhundert eine rege Siedlungstätigkeit entwickelte. Die zahlreichen -ried-Orte verweisen im Raum Neunburg v. W. auf Rodungsorte des 12. und 13. Jahrhunderts und auf die Rodungstätigkeit von Klöstern wie Prüfening, Schönthal, Ensdorf, Walderbach, St. Emmeram und Reichenbach in den einst königlichen Immunitätsbezirken. Das Kloster Prüfening besaß schließlich in Neukirchen-Balbini sogar eine eigene Propstei, die bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts bestand. Enge Verbindungen gab es außerdem zwischen den Schwarzenburgern, Neukirchen-Balbini und dem Kloster Schönthal, wie Urkunden aus der Zeit zwischen 1298 bis 1318 dokumentieren.[1]

Altwege um Neukirchen-Balbini

Der umfangreiche Besitz mehrerer Klöster der weiteren Umgebung im Bereich der TK Neukirchen-Balbini macht die zahlreichen Spuren des digitalen Geländemodells plausibel. Auch gab es offenbar Straßenverbindungen zwischen den königlichen Markorten Nabburg und Cham, die entlang der Höhen des Bergrückens zwischen Auerbachtal und Schwarzachtal verliefen. Eine gewisse Bedeutung scheint dabei Penting inne gehabt zu haben, das nach Nutzinger als Grenzort zwischen den Marken Nabburg und Cham fungierte.

Überregionaler Handelsweg

Die spätere Verleihung des Marktrechtes lässt außerdem die Lage an einem Handelsweg von überregionaler Bedeutung vermuten, ebenso wie das Nikolauspatrozinium in Penting und der Hinweis auf eine Einsiedelei im Einsiedler Forst. Wann dieser Weg benutzt wurde, ist nicht bekannt. Wie der genaue Trassenverlauf der offensichtlich aus dem Raum Regensburg kommenden Altstraße südlich von Neukirchen-Balbini ausgesehen hat, bedarf ebenso noch weiterer Erkundung, wie der Verlauf der Wegetrassen zwischen Nabburg und Cham. Wie sah die Verbindung von Bamberg nach Ostbayern aus? Weitgehend ungeklärt ist ebenso die Tatsache, wie die Wegeverbindung von Bamberg in die östliche Oberpfalz aussah. Das Bistum Bamberg hatte durch Kaiser Heinrich II. im Raum Neunburg/Rötz/Nittenau etliche Besitzungen aus seiner Gründungsausstattung aufzuweisen.

Dichtes Hohlwegsystem

Die Wälder und Höhen um Neukirchen-Balbini werden nach dem digitalen Geländemodell von einem extrem dichten Netz von Hohlwegtrassen durchzogen, die offensichtlich überwiegend von Südwesten nach Nordosten führen. Es handelt sich dabei offenbar um ein Altwegesystem, das vom Donautal bzw. Regensburg aus in Richtung Böhmen lief. Nach Veronika Hofinger handelt es sich dabei um eine mittelalterliche Salzstraße, die wahrscheinlich schon seit der Vorzeit das salzarme Böhmen mit dem begehrten Würz- und Konservierungsmittel aus den bayerischen Alpen versorgte. Allerdings hat Hofinger den Verlauf der Salzstraße nur zwischen Rötz und Pilsen dokumentiert. Danach scheint die Salzstraße am Schwarzwihrberg vorbei von Rötz aus in Richtung Waldmünchen bzw. Treffelstein verlaufen zu sein.[2]

Altwege nach Dollacker

Anton Dollacker weist im Großraum der TK 6740 zwischen Bruck und Rötz vier Altstraßen auf. Die von Dollacker in diesem Raum vorgeschlagenen Trassenverläufe bedürfen aber einer Korrektur. Da nach dem „Gesetz der Altstraßen“, diese möglichst geradlinig zu verlaufen und keine großen Biegungen oder „Knicke“ aufweisen.

Verlauf der Trasse Nr. 66

Verlauf der Nr. 66 von Regensburg nach Rötz: Regensburg, Stadtamhof, Reinhausen, Sallern, Gallingkofen, Wutzlhofen, Gonnersdorf, Thonhausen, Unterharm, Kürn, Ödenhof, St. Martin, Nittenau. Sie vollführt in Bruck einen starken „Knick“ in Richtung Neunburg v. W. und lief ganz offensichtlich entlang der späteren Trasse der Sekundärbahn von Bodenwöhr nach Neunburg v. W. Nach Dollacker führt die Tasse Nr. 66 über Mappach, Neukirchen-Balbini, Hapassenried und Alletsried nach Rötz und lässt sie hier, quasi im rechten Winkel auf die Trasse Nr. 58 stoßen, die aus Schwarzenfeld kommend über Neunburg, Rötz und Schönthal ins Böhmische nach Ronsberg bzw. nach Klentsch führt. Nach Hofinger findet Dollackers Trasse Nr. 66 aber Rötz ihre Fortsetzung in gerader Linie nach Waldmünchen, um hier bei Höll die Grenze zu überqueren!

Neue Interpretation der Trasse Nr. 62

Die eigentliche Fortsetzung der Trasse Nr. 66 findet sich in der von Dollacker nur vermuteten Trasse Nr. 62, die von Bruck nach Südwesten über Fischbach nach Teublitz bzw. Premberg führt.

Vermutet hat Dollacker auch den Verlauf der Trasse Nr. 61, die er entlang der heutigen B 85 von Schwandorf aus über Bruck und Neubäu nach Roding verlaufen lässt.

Fazit: So „altstraßenleer“, wie Dollacker es in seiner Altstraßenkarte von 1938 ausweist, ist die Region zwischen Neunburg v. W. und Roding bzw. Cham keinesfalls gewesen. Ein Teil der Altwegspuren wurde durch den Bau der Sekundärbahnen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert überbaut, das sie die gleichen Anforderungen an den Verkehr stellten, wie zuvor die Pferdefuhrwerke.[3]

Fazit: Das digitale Geländemodell bietet künftig für die Altwegeforschung neue Möglichkeiten die vorhandenen Lücken alter Verkehrsverbindungen von überregionaler Bedeutung zu beheben.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Nutzinger: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 52: Neunburg vorm Wald. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1982, ISBN 3-7696-9928-9
  2. Veronika Hofinger: Die alte Salzstraße von Regensburg nach Böhmen – Verlauf, wirtschaftliche Bedeutung. Der Abschnitt von Rötz bis Pilsen, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 8 (2002), S. 93 - 205
  3. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186