Altstraßen im Bereich der TK 25 6643 Furth im Wald

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Seit Jahrtausenden genutzt: Die Cham-Further-Senke

Die Cham-Further-Senke weist Siedlungsspuren seit der Stein-, Bronze- und Eisenzeit auf. Seit der Altsteinzeit sind entsprechende Lagerplätze bekannt und erste Siedlungen der Mittelsteinzeit lassen sich auf hochwassersicheren Terrassen von Chamb und Regen finden. Jungsteinzeitliche, bronze- und eisenzeitliche Siedlungen sesshafter Bauern sind als „Chamer Gruppe“ in der archäologischen Fachwelt bekannt. Auf den Flüssen, Naab Chamb, Schwarzach und Regen gelangte der „Stahl der Steinzeit“, wie der Feuerstein oder Flint auch bezeichnet wird, in der Jungsteinzeit aus dem niederbayerischen Feuersteinbergwerk Arnhofen im Landkreis Kelheim auf der sogenannten „Feuersteinstraße“ über die Cham-Further-Senke ins böhmische Becken bis in die Gegend von Prag.[1]

Schon in vorgeschichtlicher Zeit „Völkerpass“

Das Cham-Regental war schon in vorgeschichtlicher Zeit ein „Völkerpass“. Viele Heer zogen im Lauf der Zeit durch dieses Tal, so etwa Karl der Große, der in den Jahren 801 und 806 von Regensburg aus gegen die Awaren zog. Auf die Kelten verweisen die Viereckchancen bei Nößwartling und Traitsching sowie der Flußname „Chamb“. Keltischen Ursprungs sind die drei Ringwallanlagen auf dem Lamberg, deren Nutzung bis ins Frühmittelalter reicht. Auch in römischer Zeit führten Handelswege aus dem Donautal um Regensburg und Straubing nach Böhmen, wie der Fund zahlreicher römischer Münzen im Böhmischen Becken belegt. Weitgehend unbestritten ist inzwischen die These, dass ein elbgermanischer Stamm aus dem böhmischen Becken um 500 in Sippenverbänden während der germanischen Völkerwanderung entlang des Regen durch die Cham-Further-Senke und über die Stallwanger Senke ins Donautal einwanderten und als Hilfstruppen bei den Römern dienten. Schließlich machten die „Baibari“ nach dem Abzug der Römer Regensburg zu ihrer Hauptstadt. Sprachforscher und Archäologen gehen davon aus, dass etliche Ortschaften der Cham-Further-Senke noch aus der Zeit vor der Hauptphase bairischer Rodung stammen.[2]

Fränkischer Reichsbesitz

Der Fluss Cham gab nicht nur der heutigen Kreisstadt ihren Namen, sondern auch der Stadt Furth, wo sich ein Übergang über den 51 km langen Regenzufluss befand. Große Teile des Chambtals zwischen Furth und Cham wurden nach Absetzung des Bayernherzogs Tassilo im Jahre 788 zum fränkischen Reichsbesitz. Das Martinspatrozinium in Arnschwang verweist auf eine Gründung der Pfarrei nach diesem Datum.

Furth als Filiale von Arnschwang

Der einstige Umfang des Pfarrgebietes von Arnschwang verweist auf eine „Urpfarrei“ der Filiale unter anderem auch Furth war. Um 1800 weist Arnschwang sogar eine noch höhere Seelenzahl als Furth auf. Allerdings wurde der Umfang der Pfarrei mit der Zeit verkleinert, als mit einer höheren Bevölkerungsdichte immer mehr selbständige Pfarreien in der Umgebung von Anschwang entstanden, unter anderen war darunter auch Furth. Die historische Bedeutung des Ortes Arnschwang für den Raum zwischen Cham und Furth ist durch eine Festschrift aus dem Jahre 1995 ausführlich dokumentiert. [3]

Erste urkundliche Erwähnung von Furth i. W.

Im Jahre 1086 wird Furth („Vurte“) erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahe 1300 wird hier erstmals eine Zollstation genannt und 1332 erfolgt eine Bestätigung der Stadtrechte. Die Lage im Taleinschnitt, der den Oberpfälzer Wald und den Bayerischen Wald geographisch trennt, das sogenannte „Landestor“, förderte massiv die weitere Entwicklung der Stadt Furth und machte sie schließlich in der Zeit des „Eisernen Vorhangs“ mit der Grenzöffnung am 18. Juli 1964 zu einem der wichtigsten Grenzübergänge in die ehemalige CSSR. Wichtiger scheint allerdings im Mittelalter der Grenzübergang in Waldmünchen-Höll gewesen zu sein, da damit das nächste große Etappenziel auf dem Weg nach Prag, Pilsen ohne größere Umwege zu erreichen war. [4]

Altstraßen um Furth i. W. nach Dollacker

Anton Dollacker weist für Furth i. W. eine einzige Altstraßentrasse aus, nämlich die Nr. 61, die er allerdings „gepunktet“ zeichnet, d. h. nur vermutet. Die Trasse Nr. 61 verläuft demnach entlang der heutigen B 85 von Schwandorf über Bruck und Roding nach Cham. Dollacker setzt die Tasse Nr. 61 ab Cham über Altenstadt, Kammerdorf, Warmleiten, Grabitz nach Furth i. W. fort. Nach Dollackers Karte endet die Nummer 67 in Cham. Sie kommt aus Straubing und führt über Stallwang und Traitsching. Allerdings „knickte“ sie in Cham nicht in Richtung Furth i. W., sondern lief entgegen der Karte Dollackers weiter geradeaus nach Norden entlang der späteren Lokalbahntrasse nach Waldmünchen und überquerte bei Höll die Grenze.[5]

Mühlenwege oder Grenzübergänge?

Das digitale Geländemodell der Karte von Furth weist im Nordosten der Stadt mehrere Wegesysteme auf, die in Richtung Grenze führen. Ob sie als Alternativtrassen zum Grenzübergang zu sehen sind oder ob sie einem andren Zweck dienten, muss eine genauere Untersuchung erweisen. Theoretisch könnte sich dabei auch um Mühlenwege handeln, da sich im Einzugsbereich des Cham zwischen Arnschwang und Furth etliche Mühlen befanden: Wutzmühle, Wöhrmühle, Weihermühle, Eichmühle, Leinmühle, Bruckmühle, Rußmühle.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Joachim Zuber: Feuersteinstraße und Bernsteinstraße – Verkehrswege in vorgeschichtlicher Zeit. In: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner: Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. Hrsg.: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7917-3279-4, S. 20-33
  2. Helmut Quitterer: Die Besiedlung des Chamer Beckens. 1991, S. 11-20
  3. Arnschwang 1200 Jahre. Arnschwang 1995
  4. Veronika Hofinger: Die alte Salzstraße von Regensburg nach Böhmen – Verlauf, wirtschaftliche Bedeutung. Der Abschnitt von Rötz bis Pilsen, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 8 (2002), S. 93 - 205
  5. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186