Altstraßen im Bereich der TK 25 6240 Flossenbürg
Die Lage
Die Flossenbürg gehört sicher zu den imposantesten Burgruinen der Oberpfalz, im Gegensatz zum wahrscheinlich noch älteren Parkstein, mit dem sie im Verlaufe der Zeit die gleichen Geschicke teilte, von dem sich aber nur wenige Spuren erhalten haben.
Auf dem 732 m hohen Bergrücken des Schlossberges, der sich von Südwesten nach Nordwesten oberhalb des Ortes Flossenbürg hinzieht, stand vor dem Hintergrund des Oberpfälzer Waldes „kahl und düster“ die Burg. Übersät von mächtigen Granitblöcken ist der Anstieg zur Burg, die Hänge fallen nach allen Seiten steil ab. Auf der höchsten Erhöhung des Bergrückens türmt sich überdieses eine schmale Granitwand mit einer Höhe von rund 20 Metern.
Die Lage der Burg folgt dem Bergkamm. Das erhaltene Mauerwerk weist auf eine Entstehung der Anlage in drei Bauphasen hin. Restaurierungsmaßnahme in den 1980er Jahren förderten neue Baubefunde zutage, unter anderem einen Keller. Die Lage der Burgkapelle, eine „Porkirche“ mit einer Empore für die adeligen Besitzer, bleibt unbekannt.
Weithin sichtbar wird die Flossenbürg nicht ohne Grund als das Wahrzeichen des Oberpfälzer Waldes bezeichnet.
Reichsburg mit wechselvoller Geschichte
Während wir für Parkstein mit seiner Erwähnung von 1052 im Besitz des Bischofs von Regensburg ein frühes Datum kennen, erscheint Flossenbürg erst im 12. Jahrhundert, als es zusammen mit Parkstein im gemeinsamen im Besitz der mächtigen Grafen von Sulzbach genannt wird. Das Mauerwerk weist auf eine Errichtung im frühen 12. Jahrhundert. In staufischer Zeit scheint um 1200 eine erste Erweiterung der Anlage mit einem Wohnturm erfolgt zu sein.
Flossenbürg unter den Sulzbachern
Gebhard II., der letzte Sulzbacher, wird auch vorzugsweise Graf von Floß genannt, wobei bei den mittelalterlichen Nennungen dieser Herrschaft immer Flossenbürg gemeint ist. Der Ort Floß hatte, neben einem befestigen Friedhof, keine eigentliche Wehranlage aufzuweisen.
Dass Floss bzw. Flossenbürg tatsächlich sulzbachisch war, wird aus dem Schenkungsbuch des Chorherrenstifts Berchtesgaden ersichtlich, das eine Sulzbacher Stiftung war. Der Stifter, Graf Gebhard I., schenkte im Jahre 1125 zwei Höfe bei seiner Burg Floß dem Stift. Bei einem davon dürfte es sich um einen Hof in Kalmreuth gehandelt haben, den das Stift im Jahre 1445 an einen Mathias Roschauer verkaufte.
Wieder kaiserlicher Besitz
Kaiser Friedrich II. Barbarossa kaufte noch vor 1189 von den Erben der Sulzbacher die Herrschaften Floß und Parkstein, wozu auch Weiden, Luhe und Mantel gehört haben sollten. Die Besitzer weiterer Herrschaften dieses Raumes waren neben den Altendorfern (Altenstadt) und den Stören (Störnstein) schließlich auch die Leuchtenberger. König Frierich II. schenkte 1212 die Herrschaft Floß dem Böhmerkönig Ottokar für geleistete Dienste, doch im Lauf der Zeit scheint Floß wieder an die Staufer gekommen zu sein, denn im Jahre 1251 verpfändete König Konrad IV. Floß und Parkstein seinem Schwiegervater Herzog Otto II. von Bayern. Allerdings waren Floß und Parkstein Reichsgut und gehörte nicht zum Hausgut der Staufer, was nach dem Tod des letzten Staufers Konradin im Jahre 1268 zur Rückforderung aus dem zwischenzeitlichen Besitz der Wittelsbacher führte.
Böhmisch, bayerisch, pfälzisch: häufiger Besitzwechsel
Unter Kaiser Karl IV. kamen Flossenbürg wie Parkstein unter böhmische Herrschaft, um schließlich wieder wittelsbachisch zu werden. Ab 1400 war der größte Teil des späteren Bezirksamts Neustadt/WN bei der Linie Wittelsbach-Ingolstadt bzw. Bayern-Landshut, wobei die Ämter Floß, Parkstein und Weiden unter den verschiedenen wittelsbachischen Linien jeweils zur Hälfte zwischen der bayerischen und pfälzischen Linie aufgeteilt war. Diese Teilung dauerte bis 1714.
Im Fürstentum Pfalz-Neuburg, aber nur zur Hälfte
Neue Herrschaftsverhältnisse brachte der Landshuter Erbfolgekrieg von 1505, als mit dem Kölner Spruch das neue Fürstentum „Pfalz-Neuburg“ entstand. Der niederbayerische Halbteil der Herrschaften Floß und Parkstein kamen zum neuen Herzogtum mit seiner wechselhaften Geschichte. Unterschiedlich war auch die Geschichte der jeweiligen „Halbteile“ mit Verkäufen und Verpfändungen. Nach jahrhundertelanger Trennung wurden die Gebiete Floß und Parkstein im Jahre 1714 unter Herzog Theodor von Sulzbach wieder vereinigt. Sitz der Pflegämter wurden Parkstein und Floß.
Aus der Geschichte der Burganlage
Um 1449 wird im Rahmen eines der Teilungsverträge Schloss Flossenbürg als „paufällig“ bezeichnet. Mehrere Baumaßnahmen folgen zwischen 1505 und 1514. Als die Gutensteiner als zeitweilige Lehenherrn der Burg im Jahre 1514 diese wieder an das Reich zurückgeben müssen, wird der umfangreicher Geschütz- und Waffenbestand der Anlage aufgelistet: eine große Anzahl von Schlangen, Mörsern und Hackenbüchsen. Außerdem umfangreiche Munition im Turm sowie Pfeile und Pfeilschäfte, die in Fässern in der Schlosskapelle gelagert wurden. Bereits seit 1621 scheint Flossenbürg seine Bewohnbarkeit verloren zu haben, denn die jeweiligen Pfleger hatten ihren Sitz zwischenzeitlich auf die Friedrichsburg in Vohenstrauß verlegt zu haben. Der Verfall der Burg schritt seit dem 17. Jahrhundert ständig voran. Zur Burg gehörten als eigentlicher Besitz drei „Burghuten“: Kalmreuth, Floß und Flossenbürg sowie eine nicht mehr genau lokalisierbare weitere „Burghut“ mit acht Lehenhöfen. Eine Reihe von Gütern, die im Zusammenhang mit der Burg genannt werden, lagen im Ort Flossenbürg. Sie gehörten aber nicht direkt zum Burgbesitz, sondern zur „Pflege“, also zum Amt Flossenbürg.[1]
Verkehrslage und Altwege
Das digitale Geländemodell weist in Richtung zur Grenze nach Böhmen eine Masse von Altwegespuren auf, die entweder direkt nach Osten aber auch in Richtung Nordosten weisen. Auch wenn Flossenbürg und seine Umgebung zeitweilig im Besitz des Königs von Böhmen war, führte die „Goldene Straße“ Karls IV. im 14. Jahrhundert nicht über die Burgen Parkstein und Flossenbürg nach Böhmen, sondern lief nordwestlich daran vorbei über Plößberg nach Bärnau und weiter nach Tachau.
List vermutet allerdings eine Wegeverbindung Altenstadt (?) und Floß über Flossenbürg nach Böhmen, die beim Entenbühl den Kamm des Oberpfälzer Waldes überquerte und sich auf tschechischer Seite zwischen Ostruvec und Lesna in mehreren Wegespuren nachweisen lässt.[2][3]
Nach Anton Dollacker führen zwei Altwegetrassen nördlich und südlich an Flossenbürg vorbei, wobei eine weitere Trasse durch die Bahnlinie der Nebenbahn von Vohenstrauß über Floß nach Neustadt/WN überlagert worden und von Dollacker nicht erkannt zu sein scheint. Ein bei Dollacker öfter beobachtetes Phänomen.
- Dollacker Nr. 2: Verlauf ab Amberg über Schnaittenbach, Letzau, Floß, Plößberg nach Tirschenreuth, Waldsassen und Eger. Scheint nach Dollacker „uralt“ zu sein.
- Dollacker Nr. 31: Verlauf ab Sulzbach über Hahnbach, Luhe, Michldorf, Waldau, Waldthurn, Georgenberg und Schönwald nach Tachau. Nach Dollacker ebenfalls „uralt“.[4]
Wege im Amt Flossenbürg um 1600
Christoph Vogel und Matthäus Stang haben das Amt Flossenbürg im Zug ihrer pfalz-neuburgischen Landesaufnahme für Pfalzgraf Philipp Ludwig im Jahre 1600 aufgenommen und neben der Beschreibung des Amtes und seiner Wege auch eine Ansicht der Burganlage von Flossenbürg überliefert. Das Original ist verloren, doch liegt eine Abschrift des 17. Jahrhunderts vor. Die Beschreibung untergliedert sich
- In das Amt Flossenbürg mit Angaben zu dessen Obrigkeit, Richtern, Gerichtsschreibern, Untertanen Pflegern und Untertanen, Pfarreien, Dörfern, Höfen, Hölzern und Weihern sowie die Grenzen mit den anrainenden Ämtern und Herrschaften Störnstein, Tirschenreuth, Bärnau, Tachau, Waldthurn und Leuchtenberg sowie dem Gemeinschaftsamt Weiden-Parkstein und den dazu strittigen Grenzen.
- Besitzungen anrainender Herrschaften im Amt.
- Die Vogtei Münchshof (abgegangen!) mit Angaben zu deren Obrigkeit, Untertanen, Feldern, Hölzern, Weihern und Grenzen
- Der Markt Floß mit Angaben zur dessen Obrigkeit, Untertanen, erkauften Besitzungen, Weiderechten, Privilegien und Grenzen
- Die Hofmarken und Landsassengüter Püchersreuth, Ilsenbach, Plößberg, Schönkirch, Wildenau, Kalmreuth, Wilchenreuth und Schlattein mit Angaben zu den Obrigkeiten, Untertanen und Grenzen.
- Die Pfarreien Floß, Wilchenreuth, Püchersreuth, Plößberg und Hohenthann mit Angaben zu Filialen, eingepfarrten, Pfarrern und Grabdenkmälern.
Die Teilkarten zum Pflegamt Flossenbürg weisen bei Vogel um 1600 und seinem Kopisten Carl von Flad aus der Zeit um 1800 eine ganze Reihe von Wegen auf.[5]
Erwähnt werden bei der Beschreibung des Amtes etliche Wege von nur lokaler Bedeutung: Kirchsteige, Mühlenweg, Triftweg.
Da Wege häufig auch Teil von Grenzverläufen waren bzw. zur Beschreibung von Grenzverläufen diente, erscheinen im Fall des Amtes Flossenbürg eine ganze Reihe von Straßentrassen, die wohl nur im geringen Ausmaß Teil eines überregionalen Altwegesystems gewesen sind. Sie belegen aber für das beginnende 17. Jahrhundert ein dichtes Straßennetz im Pflegamt Flossenbürg.
Dichtes Straßennetz im Amt um 1600
Ausdrücklich genannt werden in der Amtsbeschreibung folgende Straßen bzw. Wegeverbindungen:
- der Kirchsteig von Wilchenrieth nach Görnitz („Gurlitz“)
- der Fuhrweg zur „Viechtelmühl“
- der Fuhrweg auf den Hammer Roschau
- die Störnsteiner Straß
- die Straß von Plößberg nach Neustadt
- die Straß nach „Altenschöntann“ (Schönthan)
- die Straße nach Bärnau
- Holzweg bei „Metzlberg“
- Straße nach Schönthan
- alte Mühlstraß über den Mühlberg
- Tretlein (wohl Steig) entlang dem „Ahornbechlein“
- Weg von Flossenbürg nach Vohenstrauß
- Weg von Flossenbürg nach Spielberg
- Weg nach „Rodoltbrunn“ (wohl verschrieben, gemeint wohl „Goldbrunn“)
- Straß von Floß nach Vohenstrauß
- Straß von Witschau nach „Deuseul“ (Theisseil)
- Kirchstraß gegen Wilchenreuth
- Straß von Wilchenreuth nach Floß
- Weg nach Diebersreuth
- Flosser Straß nach Grafenreuth
- Straß von Flossenbürg nach Konradsreuth
- Straß von Flossenbürg nach Plößberg
- Trift (=wohl Triftweg) von Floß nach Kalmreuth
- Weg von Floß nach Sankt Ötzen
- Marter am Weg von Floß nach Boxdorf
- Kalmreuther Weg
- Straß von Schönkirch nach Plößberg
- Straße von Wilchenreuth nach Floß
- Theisseiler Kirchsteig[6]
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6240: Flossenbürg
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6240: Flossenbürg
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6240: Flossenbürg
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6240: Flossenbürg
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6240: Flossenbürg
Einzelnachweise
- ↑ Flossenbürg, in: Felix Mader: Neustadt a. W.-N. Nachdruck München 1981, S. 2 – 14, 32 - 51
- ↑ Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 171-173
- ↑ Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 2: Kartenband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 2006, S. Karte Nr. 5 mit Beschreibung S. 6 – 11, S. 39 - 44
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Günter Frank, Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig. April 2020, ISBN 978-3-88246-431-3, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-3074-7, S. 536-540
- ↑ Günter Frank, Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig. April 2020, ISBN 978-3-88246-431-3, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-3074-7, S. 536-576