Altstraßen im Bereich der TK 25 6238 Parkstein

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Weithin sichtbar ragte der Basaltkegel des Parksteins aus der Weidener Bucht. Der Gipfel trug einst eine mächtige Burganlage, die eine Rundumsicht von 360 Grad bot und nahezu unangreifbar war. Am Fuß der Burg entstand eine Siedlung, der später das Marktrecht verliehen wurde.

Erste Erwähnung und Besitzer

Im Jahre 1053 wird die Burg am Ort erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Heinrich IV. ließ die im Reichsbesitz befindliche Burg nach ihrer Zerstörung durch Herzog Konrad von Bayern wieder aufbauen. Die Besitzer wechselten in der Folgezeit, Ort und Burg wurden mehrfach verpfändet. Die Edlen von Parkstein treten seit dem 12. Jahrhundert auf. Meinhard von Parkstein ist 1119 Zeuge bei der Gründung des Klosters Michelfeld. Heinrich von Parkstein war Zeuge von Güterschenkungen des Grafen Berengar von Sulzbach an die Propstei Berchtesgaden und Friedrich von Parkstein wird 1163 ausdrücklich als Ministeriale des Grafen von Gebhard von Sulzbach genannt. Zusammen mit Flossenbürg wird Parkstein 1251 an Herzog Otto von Bayern verpfändet und seitdem finden wir bei beide in der gleichen territorialen Zugehörigkeit. Herzog Rudolf von Sachsen verlieh schließlich allen, die sich bei der Burg ansiedelten, die Rechte des Marktes Erbendorf. Eine Verbindung in diese Richtung ist also offensichtlich (s. unten List)

Vom Gemeinschaftsamt zur Gemeinde

Von 1421 bis 1714 bestand das Gemeinschaftsamt Parkstein-Weiden („Kondominat“) mit dem Kurfürstentum Brandenburg und der Kurpfalz bzw. Pfalz-Neuburg. Als Pfalz-Neuburg im Jahre 1714 seinen Anteil an Pfalz-Sulzbach verkaufte war das „Kondominat“ beendet. Das Pflegamt Parkstein kam 1777 zu Kurbayern, der Sitz des Landgerichts wechselte im Jahre 1808 von Parkstein nach Neustadt a. d. Waldnaab. Mit der Verwaltungsreform am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Parkstein eigene Gemeinde, die im Zuge der Gebietsreform zwischen 1972 und 1978 Zuwachs aus den aufgelösten Gemeinden Schwand und Hammerles bekam. Im Lauf des 30jährigen Krieges war die Burganlage verfallen, schon im Jahre 1759 wurde damit begonnen, die Veste niederzulegen. Bald waren nur mehr die Grundmauern sichtbar.

Oberpfälzer Eisen für Nürnberg

In Unterparkstein bestand im 13. und 14. Jahrhundert ein Eisenhammer, der vom Wasser der Schweinnaab betrieben wurde. Das produzierte Eisen verkaufte man nach Nürnberg, das seinen wirtschaftlichen Aufschwung und seine handelspolitische Bedeutung im 15. und 16. Jahrhundert maßgeblich der Nähe zu den oberpfälzischen Hammerwerken zu verdanken hatte. Nicht wenige Patrizier in der Noris waren Eigentümer bzw. Miteigentümer von Hammerwerken in der Oberpfalz. In diesem Fall wird die spätmittelalterliche Verkehrsverbindung zur Reichsstadt Nürnberg offensichtlich. Heute ist Parkstein Sitz der international agierenden Firma Witron.

Aktuelle Verkehrswege um Parkstein: B 22 und B 470

Die TK Parkstein wird im Norden von der Bundesstraße B 22 berührt, die in Würzburg ihren Anfang hat, die oberfränkischen Städte Bamberg und Bayreuth mit Weiden verbindet und bis nach Cham führt. Zwischen Erbendorf und Cham ist die B 22 Teil der Ostmarkstraße, die während des 3. Reiches zwischen dem Fichtelgebirge und dem unteren Bayerischen Wald entlang der böhmischen Grenze gebaut wurde. Der Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, seit 1755 Bischof von Würzburg und ab 1757 auch Bischof von Bamberg förderte den Straßenbau zwischen den beiden Bistümern und ließ sie zu einer durchgehenden Chaussee ausbauen. Auch die Straße von Bamberg bis Bayreuth bekam in Teilen ebenfalls einen Ausbau als Chaussee. Um 1937 wurde die gut ausgebaute Landstraße als Reichsstraße 22 geführt. Sie führte vorerst nur bis Weiden. Auch die Bundesstraße 470 war in Teilen einst eine Chaussee. Kaiser Napoleon ließ Teile der heutigen Bundesstraße durch Camille des Tournon zwischen 1806 bis 1810 dazu ausbauen. Heute verbindet sie Baden-Württemberg mit der Oberpfalz und führt quer durch Nordbayern bis nach Weiden. Damit läuft sie auf ihrem Weg durch die Fränkische Schweiz nahezu parallel zu einstigen Königsstraße, die von der fränkischen Pfalz Forchheim nach Eger führte.

Altwege um Parkstein

Die Burg Parkstein und deren jeweilige Besitzer gewährleisten offensichtlich die Sicherheit der unterhalb der Burganlage passierenden Altwege. Direkt auf Parkstein zuläuft bei Dollacker lediglich die Nr. 43 bzw. Nr. 103 (allerdings nur vermutet) mit ihren Verbindungen in den Raum Auerbach-Nürnberg bzw. Hersbruck-Nürnberg als Verbindung von Südwesten nach Nordosten sowie die Nr. 47, die aus dem Raum Amberg kommend über Grafenwöhr weiter nach Norden führt. Auch in diesem Fall hat der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ältere Trassenverläufe verwischt. Manske und List vermuten nördlich Parkstein eine ältere Fernwegetrasse, die im Frühmittelalter von der Königspfalz Forchheim zur Reichsburg Eger bzw. nach Prag führte und im Jahre 1061 bei der sogenannten „Otnant-Schenkung“ ausdrücklich als „Straße nach Eger“ genannt wird. (s. dazu TK 6137 Kemanth).

Altwege um Parkstein nach Dollacker

Dollackers Nr. 43: Dollackers (vermutete) Trasse führt von Freihung über Tanzfleck, Kaltenbrunn, Hütten, Bahnhof Parkstein, Parkstein, Buch, Altenstadt nach Neustadt a. d. WN. Dollackers Nr. 47 kommt aus Grafenwöhr und führt über Pressath, Hessenreuth, Erbendorf, Reuth, Falkenberg, Pirk, Hohenwald, Tirschenreuth, Großkonreuth, Poppenreuth, Mähring nach Kuttenplan in Böhmen.[1]

Bis zur Gegenwart verlaufen aktuelle Bundesstraßen wie die B 470, die B 299 und die B 22 entlang alter Wegeverbindungen und erhalten die Traditionen aufrecht.

Der Parkstein als „Wartberg“

Der Parkstein diente offensichtlich ob seiner weithin freien Sicht als „Wartberg“ zur Sicherung des Geleits auf den Reichsstraßen und als „Signalburg“ zur Übermittlung von Kommunikation. Die Sichtverbindungen vom Parkstein zu anderen Burganlagen bzw. weithin sichtbaren Signalbergen sollte überprüft werden.[2]

Altwege um Parkstein nach List

List schreibt dazu: „Obwohl Weiden erelativ spät im Zuge der Förderung der „Goldenen Straße“ durch Karl IV. eine höhere Verkehrsbedeutung erlangte, bestehen doch auch Wegeverbindungen mit den älteren, im Westen vorbeiziehenden und hauptsächlich auf Cheb/Eger hin ausgerichteten Altstraßen, die den Ort von Westen her erreichten.“ List beschreibt den Verlauf im Abschnitt Pressath – Weiden. Danach verließ diese Trasse Pressath nach Südosten. Sie verlief am linken Ufer der Haidenaab an der Haigamühle vorbei in den Berich östlich von Troschelhammer.

Bei einer alten Linde am nördlichen Straßenrand der Kreisstraße NEW 5 zweigte die Altstraße nach Südosten ab und führt auf die Hochfläche bei Eichelberg hinauf. Über die Feldfluren von Niedernhof und Hammerles erreichte die Altstraße schließlich Parkstein.[3][4]

Altstraße um Parkstein nach Hardt

Michel Hardt hat den weiteren Verlauf ab Parkstein bis Altenstadt geschildert, der nach Hardt in zwei Varianten erfolgte: Die nördliche Trasse führte über Buch nach Altenstadt. Allerdings hat List keine Spuren der von Hardt beschriebenen Altstraße gefunden. Für eine südliche Variante nach Weiden sprechen mehrere Geländefunde. Sie folgte weitgehend dem Verlauf der heutigen Straße zwischen Parkstein und Weiden. Eine zweite Verbindung, die Pressath und Weiden durch den Mantler Forst verband, lässt sich nach List aufgrund des flachen Geländes nicht durch Spurenreste belegen. Allerdings ermöglichen es die entsprechenden Uraufnahmen die Trasse nachzuvollziehen, die Pressath nach Südosten verließ und über Parkstein am „Strassacker“ und östlich Troschelhammer vorbei, nach Schwarzenbach führte. Sie verlief weiter entlang der heutigen Trasse der B 470 durch den Manteler Forst und erreicht Weiden von Nordwesten her.[5] Die in der Karte TK 6238 verzeichneten zahlreichen Hohlwegspuren sind offensichtlich Relikte der Altwegetrassen von Pressath nach Norden (Windischeschenbach) bzw. nach Osten in Richtung Altenstadt/Weiden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
  2. Vgl. dazu: Helmut Hennig: Warthen auff dem Gebirg. Bayreuth 1998 (=Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken; 256)
  3. Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 171-173
  4. Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 2: Kartenband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Kallmünz 2006, S. Karte Nr. 3, 4 und 5 mit Beschreibung S. 6 – 11, S. 39 - 44
  5. Michel Hardt: Die Altstraße Auerbach- Eslarn. In: Oberpfälzer Heimat, Band 4. 1959, S. 103-110