Altstraßen im Bereich der TK 25 6140 Tirschenreuth

Aus OberpfalzWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Topographische Karte 6140 weist zwei Städte aus: Tirschenreuth und das 13 km südlich gelegene Bärnau.

Geographische Lage von Tirschenreuth

Tirschenreuth liegt zwischen dem Fichtelgebirge im Norden und dem Oberpfälzer Wald im Süden und der Grenze zu Tschechien im Osten. Unweit der Grenze, am 901 m hohen Entenbühl, entspringt die Waldnaab. Südlich der Altstadt passiert die Waldnaab das Stadtgebiet von Osten nach Westen. Die Kernstadt liegt auf etwa 500 m auf einem Granitplateau.

Verkehrslage von Tirschenreuth

Die Bundesstraße 15, die in ihrem Verlauf von Raubling im Landkreis Rosenheim bis Hof ganz Bayern durchquert, passiert die Stadt Tirschenreuth und führte bis Anfang der 1990er Jahre mitten durch das Stadtzentrum über den Marktplatz. Der Bau der BAB A 93 entlastete die Stadt vom Durchgangsverkehr. Durch Tirschenreuth verlaufen zwei Staatsstraßen: Die St 2167 führt von Falkenberg nach Mähring und weiter zur tschechischen Grenze nach Plan und Marienbad. Die St 2173 beginnt im Süden der Stadt und verläuft anschließend über Bärnau ins tschechische Tachau.

Zur Geschichte von Tirschenreuth

Tirschenreuth ist der Hauptort des historischen Stiftlandes. Von Tirschenreuth aus begann die Besiedlung des Egerlandes. Als Mittelpunkt eines Rodungsgebietes gegründete Tirschenreuth wurde 1134 erstmals urkundlich erwähnt und seit 1217 zum wirtschaftlichen und administrativen Stützpunkt des Klosters Waldassen ausgebaut. In diesem Jahr tauschte das Kloster Waldsassen sein Gut in Seebarn bei Rötz gegen den Gutsbezirk Tirschenreuth.

Der rechteckige Marktplatz weist auf eine planmäßige Erweiterung des Ortes gegen Ende des 13. Jahrhunderts hin. Der Ort erhielt 1306 das Marktrecht und wurde 1364 zur Stadt erhoben. Seine wirtschaftliche Bedeutung erlangte Tirschenreuth schließlich im 14. Jahrhundert. Die Lage des Ortes an der Kreuzung der Handelswege von Regensburg und Nürnberg nach Eger begünstigte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Die Beckenlage Tirschenreuth sticht ins Auge, zahlreiche Weiher umgeben die Stadt in der sogenannten „Stiftländer Teichpfanne“ („Land der 1000 Teiche“). Die Mönche des Klosters Waldsassen förderten die Fischzucht. So ließ Abt Hermann zwischen 1217 und 1219 den unteren Stadtteich in Tirschenreuth anlegen.

Der Siedlungsschwerpunkt lag nach Gagel (1981) ursprünglich etwa 12 km weiter nördlich. Dort finden sich -bach-Orte wie Griesbach, Rödenbach und Lauterbach. Mit der Markt- bzw. Stadterhebung konnte Tirschenreuth Teile des West-Ost-Verkehrs bzw. des Verkehrs nach Eger an sich ziehen. Kaiser Karl IV. verlagerte allerdings den Fernverkehr um 1400 auf das weiter südlich gelegene Bärnau.

Altwege um Bärnau nach List und Christoph (S. 75 – 77) bzw. 108 - 116

Das „Kemnather Geleit“ von 1497 nennt zwar eine Straße nach Bärnau, nicht aber nach Tirschenreuth. Die Verbindung einer Altstraße über Falkenberg nach Erbendorf und Reuth mit ihren Wegespuren nördlich der St 2167 bei Forsthof kann List weiter östlich nicht mehr nachweisen. Offenbar wurden sie im Zuge des Baus der Staatsstraße verwischt. Die entlang der Staatsstraße ausgerichtete Ortsachse von Hohenwald spricht für diese Annahme.

Im Gelände klarer nachzuweisen ist die Verbindung zwischen Windischeschenbach und Tirschenreuth. Diese Altstraße verlief zuerst mit der älteren Route über Beidl nach Mähring. Bei Schönficht zweigte die Trasse wohl am Nordwesthang des Galgenberges vorbei Richtung Nordosten ab. Am Lindenbühl ist die Trasse mit mehreren Wegespuren noch sichtbar. Nördlich von Lengenfeld folgte der Altweg der heutigen Straßenverbindung. An der Nordseite des „Weißen Berges“ führt die Altstraßen, die hier ebenfalls mit mehreren Spuren in Erscheinung tritt, nach Tirschenreuth.

Als „Alte Poststraße“ verließ sie Tirschenreuth über Zeidlweid nach Osten und folgte hier wieder dem Verlauf der St 2167 in Richtung Großkonreuth. Auf der Gerhardshöhe ist die Trasse mit 13 Spuren nachvollziehbar. Im Abschnitt zwischen Poppenreuth und Mähring führt die Altstraße über die Südflanke des Poppenreuther Berges nach Mähring hinein. Südlich der Bergkuppe erinnern deutliche Spuren an die mittelalterliche Route. Die heutige Waldstraße, die weiter östlich über eine Allee nach Mähring führt, wurde 1773 mit Natursteinen als Poststraße angelegt.

Im Bereich der Gerhardshöhe östlich Tirschenreuth trifft der „Böhmweg“ auf die beschriebene Trasse. Dieser lief nördlich an Tirschenreuth vorbei nach Großklenau und von da weiter über Waldsassen und Mähring nach Eger. Die Umgehung von Tirschenreuth, das erst später seine wirtschaftliche Bedeutung erlangte, spricht für das hohe Alter des „Böhmweges“.[1][2]

Altwege um Tirschenreuth nach Dollacker

Nach Dollacker kam die TK Nr. 47 von Nürnberg her und führte über Hersbruck nach Grafenwöhr. (s. TK Hersbruck) Weiterer Verlauf: Pressath, Hessenreuth, Erbendorf, Reuth, Falkenberg, Pirk, Hohenwald, Tirschenreuth, Großkonreuth, Poppenreuth, Mähring, Kuttenplan. Die Trasse von Hersbruck über Eschenfelden und Langenbruck nach Grafenwöhr s. Dollacker Nr. 98. Die Alternativtrasse von Hersbruck über Schlicht und Vilseck nach Grafenwöhr s. Dollacker Nr. 99. Zum Verlauf im Raum Hersbruck s. TK Herbruck.[3]

Ein Blick in die Geschichte Bärnaus

Die Verbindung Bärnaus zu Böhmen geht weit zurück. Bärnau, um 1296 als Reichsdorf erwähnt, wird zusammen mit der Stadt Eger am 11. Mai 1292 an den böhmischen Fürsten Wenzel I. verpfändet. Im Jahre 1322 verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer das Egerland an den Böhmerkönig Johann von Luxemburg.

Unter den Staufern war Bärnau Sitz eines Richters und dem Magistrat der Reichsstadt Eger unterworfen. Im Jahr seiner Erstnennung erfolgte die Verpfändung an das Kloster Waldsassen, das die spätere Stadt (seit 1343) im Jahre 1313 käuflich erwerben konnte. Wie zahlreiche weitere Orte des Stiftlandes war auch Bärnau diesem bedeutenden Kloster der Kolonisationszeit untertan. Mit dem Egerer Stadtrecht ausgestattet, kam Bärnau im Jahre 1351 unter die Regentschaft des späteren Kaisers Karl IV. und erhielt mit weiteren Privilegien auch die Rechte der Stadt Tachau. Der Überlieferung nach rastete der Reformator Jan Hus auf seinem Weg nach Konstanz aus Tachau kommend am 15. Oktober 1414 in Bärnau. Bärnau an der Grenze zum Chodenland und an einer alten Handelsstraße nach Pilsen gelegen, wurde Sitz eines Landgerichts und besaß zugleich ein Hammerwerk. Im Jahre 1405 kam Bärnau an die Kurpfalz. Die Stadtrechte wechselten mehrfach. Im Jahre 1628 kam Bärnau zum Kurfürstentum Bayern.

Kaiser Karl IV. war bestrebt eine durchgehende Landverbindung zwischen Prag und Nürnberg bzw. Frankfurt zu erstellen und erwarb zu diesem Zweck möglichst viele Territorien an dieser Trasse „Neuböhmen“. Die Straße wurde später „Goldene Straße“ genannt und im Jahre 1513 erstmals erwähnt. Sie führte über Bärnau.[4]

Bärnau im „Böhmischen Salbüchlein“

Im „Böhmischen Salbüchlein“ von 1366/68 werden die Einkünfte aus den Orten an der „Goldenen Straße“ erfasst, darunter auch die Einnahmen aus Bärnau, das damals 22 Huben aufweist und „übers Jahr“ 21 Pfund Pfennige zu zahlen hat. Das benachbarte Dorf Ellenfeld, 3 km nördlich von Bärnau gelegen, hat 11 Höfe und giltet fünf Pfund Pfennige. Dazu kommen Einnahmen aus den Fleisch- und Bortbänken. Insgesamt ergeben sich Einnahmen von 40 Pfunden Pfennigen. Hinzu kommen Einnahmen vom Abt von Reichenbach für die Vogteirechte über das Gut Högelstein, Großkonreuth und Grün aus den vier Höfen des Burgguts.

Abt Frank Kübel von Waldsassen (1339 – 1350) verkaufte und verpfändete viele Güter des Klosters. Karl IV. profitierte davon. So endete mit dem Kauf Bärnaus von 5. Jui 1354 nach 55 Jahren die Zugehörigkeit der Stadt zum Kloster Waldsassen. Bärnau sollte nach dieser Urkunde „auf ewig“ bei der Krone Böhmens bleiben. Die Prager Regierung setzte einen Burggrafen en, der für die Zollabfertigung zuständig war. [5]

Allerdings verlor die Straße in der Folgezeit an Bedeutung. Vergeblich waren die mehrfachen Bitten an die Landesfürsten, die Straße wieder zu beleben, letztmals 1580. Geblieben ist der Grenzübergang mit eigener Zollstation bis 1944. Als im August 1400 die Kurfürsten König Wenzel wegen Unfähigkeit absetzten, bemächtigte sich Rudolf, Wittelsbacher Pfalzgraf bei Rhein, des ehemaligen „Neuböhmen“, nicht aber Bärnaus. Diese verpfändete er der Krone Böhmens im März 1402, zusammen mit den Festen Hohenberg und Böhmstein.

Altwege um Bärnau

Nach Christoph ist der Verlauf der „Goldenen Straße“ im Gemeindegebiet von Bärnau gesichert: In Hohenthan verlief die Altstraße an der Südseite der Pfarrkirche St. Bartholmäus in Richtung „Urtl, einer früheren Richtstätte in Richtung Thanhausen. Zwar sind Spuren der Trasse in der Landschaft durch die Flurbereinigung verwischt, doch zeugen zahlreiche Wegbegleiter wie Marterstöcke und Feldkreuze von deren Existenz.

Von Thanhausen geht es in Richtung der Kirche St. Elisabeth. Hier gab es offenbar zwei Alternativwege. An der Naabstraße finden sich noch Hohlwegspuren. Über den „Silberberg“ geht es zum Marktplatz und rechts der Pfarrkirche führt der Weg weiter über die Senestry-Straße und die alter Tachauer Straße. Noch in den 1950er Jahren führte ein tiefer Hohlweg, vorbei am Bildstock „Sieh dich für“ hinauf zum Steinberg in Richtung Grenze. Nach Ulrich List (2006, S. 75) kreuzte die „Goldene Straße“ auf dem Marktplatz von Plößberg (1121 erstmals genannt) die von Süden kommende „Letzauer Straße“, die weiter über Tirschenreuth nach Eger führte.

Über Geisleithen, der St 2172 folgend, verlässt die Altstraße die Stadt in Richtung Bärnau. Die Trasse der „Goldenen Straße“ verließ bei Rothhof die St 2172 und führt weiter nach Osten. Südlich des Nusserbühls in Richtung Hohenthann haben sich Spuren erhalten, während nördlich davon nichts mehr im Gelände auf den nördlichen Verlauf hinweist. Südlich von Zeimatshof finden sich allerdings mehrere Spurreste einer Trasse, die in die heutige St 2154 mündet und am Galgenberg vorbei nach Hohenthann führt. List übernimmt von Christoph den weiteren Verlauf der „Goldenen Straße“ im Stadtgebiet von Bärnau, deren südliche Zufahrt auf der Vogelkarte von 1600 noch deutlich zu erkennen ist.

Auf eine (ältere) Alternativtrasse weist Albert Busl hin: Sie verlief südlich der St 2173 aber noch nördlich des Stöberlhofes den Hang hinauf nach Osten, wo noch Spuren in West-Ost-Richtung erkennbar sind (oder waren). Im Bereich östlich Bärnau erreicht die Strecke die Scheitelhöhe von 767 Metern. Dies ist nach List im Vergleich zu anderen Übergängen die größte absolute Höhe, doch darf nicht übersehen werden, dass die Anstiege zum Passe von Nepomuk (710 m) und er Sattel bei Pfraumberg (698) weit beschwerlicher waren. Weiteres Ziel war nach dem Grenzübergang die Stadt Tachau. (List -S. 77)[1][2]

Bärnaus Verkehrslage heute

Bärnau liegt an der St 2172, einer wichtigen West-Ost-Verbindung in der nördlichen Oberpfalz. Sie führt von der BAB A 93 (Abfahrt Neustadt a. d. Waldnaab) über Plößberg zur tschechischen Grenze. Stationen: A 93 – Püchersreuth – Plößberg – Hohenthan – Asch – Bärnau. Auch die Staatsstraße 2173 führt ab der B 15 über Lodermühl – Grün – Schwarzenbach – Heimhof über Bärnau zur tschechischen Grenze. Der Raum Bärnau und Tirschenreuth im digitalen Geländemodell Die Tallage von Tirschenreuth und Bärnau weist nur im östlichen Teil der TK6140 hin zur Grenze nach Tschechien Spuren im digitalen Geländemodell auf. Bei Großkonreuth führen Spuren in Richtung Wondreb nach Norden. Am Ahornberg zeigen Spuren nach Nordosten und bei der Kellermühle kreuzt sich offensichtlich mehrere Trassen verschiedener Richtung, während die Hohlwegsituation östlich Bärnau eindeutig nach Osten weist.

Siehe auch

  • Dollacker Nr. 47, Nr. 98, Nr. 99, List Kt. 5,
  • List:Tirschenreuth 4.10 = S.143 – 146, ab 146 = Wondreb = zur TK Neualbenreuth.[6][2]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 74-77
  2. 2,0 2,1 2,2 Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 2: Kartenband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 2006
  3. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
  4. Rainer J. Christoph: Die Goldene Straße. Via Regia von Nürnberg nach Prag. 2025, ISBN 3-911515-07-3, S. 108-116
  5. Das „Böhmische Salbüchlein“ Kaiser Karls IV. über die Nördliche Oberpfalz 1366/68. Hrsg.: Fritz Schnelbögl, 1973, ISBN 3-486-47621-1, S. 79
  6. Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 145 - 147