Zeughaus
Koordinaten: 49° 26' 35.45" N, 11° 51' 29.18" E
| Zeughaus | |
|---|---|
Das Kurfürstliche Zeughaus - Nordflügel zur Zeughausstraße hin | |
| Adresse: | Zeughausstraße 2 92224 Amberg |
| BLfD-ID: | D-3-61-000-388 |
Das Zeughaus ist das ehemalige kurfürstliche Zeughaus in Amberg. Seit Anfang der 1990er Jahre nutzt Landkreis Amberg-Sulzbach das Zeughaus heute als Verwaltungsgebäude.
Geschichte
1476 - ungefähr zur selben Zeit wie das kurfürstliche Schloss - begann auf der anderen Vilsseite die erste Phase des Aufbau des Zeughauses. Unter der Herrschaft von Kurfürst Philipp wurden Ost- und Nordflügel um 1502 fertiggestellt. Ein kurfürstlicher Zeugmeister lässt sich erstmals 1512 nachweisen. Im Jahr 1607[Anm. 1] beendete man die Arbeiten am Südflügel unter der Herrschaft von Christian von Anhalt. Unter anderem fügte Baumeisters Johann Schoch einen Turm im südlichen Flügel hinzu. Bereits im Jahr 1743 verlor das Zeughaus seine eigentliche Funktion. Die gelagerten Waffen wurden nach Ingolstadt verlegt. Im Jahr 1778 löste man das Zeughaus Amberg dann schlussendlich auf.[1][2][3]
Die darauffolgenden Jahren prägten immer wieder kleine Veränderungen an den Gebäuden. Bedeutend war hier der Umbau des Südflügels zum Stallhof. Die Pferde der Kavallerie des Chevauleger-Regiments brachte man hier unter. Pferde wandelten sich Ende des 19. Jahrhunderts zu Soldaten einer Maschinengewehr-Kompanie.
19. Jahrhundert
Im März 1805 wollte eine Division des 2. Dragoner-Regiments Prinz Taxis in das Zeughaus einziehen. Es deutet einiges darauf hin, dass es nicht zum Einbau von Mannschaftsfräumen kam. Belegen lässt sich lediglich, dass die Stallungen im Ostflügel von den Dragonern genutzt wurden. Destouches berichtet in seiner 1809 herausgegebenen Chronik, dass im Zeughaus lediglich Dienstwohnungen und Stallräume der Kavallerie untergebracht seien. Als im Jahr 1816 die dritte Division des 6. Cheveulegers-Regiments nach Amberg verlegt werden sollte, gab es abermals Pläne, das Zeughaus als Kaserne zu nutzen. Da die vorhandenen Militärstallungen nicht ausreichten und ein Teil der Pferde sogar bei Privatpersonen eingemietet waren, wurde die Einrichtung weiterer Stallungen im Südflügel des Zeughaus angeordnet. Auf die Unterbringen von Mannschaften verzichtete man allerdings, lediglich die Schmiede wurde nach einer Verfügung des Kriegsministeriums renoviert und und mit den neuen Ställen den Cheveaulegers zugeteilt. Bereits 1820 waren die 94 Pferdeboxen wieder aufgegeben, weil die Division nach Neustadt. a. d. Aisch verlegt wurde.[4]
1845 stellte die Königlich Bayerische Gewehrfabrik den Antrag, das ganze Zeughaus übernehmen zu dürfen. Über die weitere Behandlung dieses Gesuchs wird in den Archivakten nichts weiteres bekannt. Uneingeschränkt entsprochen wurde dem Antrag aber nicht, denn der spätere Direktor der Gewehrfabrik Major Heiler teilte mit, dass die Gewehrfabrik 1845 aus Raumnot lediglich weitere Werkstätten im Zeughaus gepachtet habe. Außerdem befanden sich zu dieser Zeit auch ein Eismagazin und Speicher für Pferdefutter im Zeughaus. 1848 beantragte die Gewehrfabrik die Errichtung eines Bassins und einer Abflussleitung im Hof des Zeughauses. Das Bassin sollte zur Auslaugung der hölzernen Gewehrschäfte dienen, die Rohrleitung zum Ablassen der der Lauge in die Vils. 1851 war die Raumnot in der Gewehrfabrik so groß geworden, dass die Fertigung der Kürasse ins Zeughaus verlegt werden sollte. Die Einrichtung sollte im ehemaligen Stall für erkrankte Pferde vorgenommen werden. Der Einbau der Werkstätte für Kürasse erfolgte tatsächlich, da im folgenden Jahr die die Überschreitung der veranschlagten Baukosten vermerkt wurde. 1855 kam es zur Einrichtung eines weiteren Fabrikationsraums für die Gewehrschaftherstellung.[4]
Brand 1945
Nachdem das Anwesen die Kriegszeit unbeschadet überstanden hatte, brach am 8. Juni 1845 im Heulager, das sich auf den Dachböden des Süd- und des Ostflügels befand, ein Brand aus. Dabei wurden die Dach- und die Obergeschosse weitgehend zerstört. Die Dachwerke und die Deckenkonstruktionen der Obergeschosse sollen auf einer Fläche von ca. 1.000 m2 vernichtet worden sein. Das eindringende Löschwasser fügte weitere Schäden hinzu, vor allem an den Fußböden. Die Staatsanwaltschaft konnte schon bald durch Zeugenaussagen Brandstiftung nachweisen. Als Verursacher wurden vier Kinder ermittelt, die aus Ressentiment gegenüber Kriegsflüchtlingen gehandelt haben wollten.[4]
Zunächst sollte das ausgebrannte Zeughaus möglichst schnell wiederhergestellt werden. Schon Anfang Juli 1945 genehmigte die Oberfinanzdirektion Nürnberg den Wiederaufbau, allerdings unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Militärregierung der Besatzungsmächte. Das Landbauamt sah sich jedoch angesichts der damaligen Verhältnisse nicht dazu in der Lage. Lediglich die Sicherung der zerstörten Bereiche mit Bindern aus Brettern und einer Eindeckung aus Pappe konnte wegen der damaligen Materialknappheit vorgenommen werden. Nachdem das Notdach angebracht worden war, beschränkte sich das Landbauamt mit der Fertigung von Bestandsplänen. Es wurden Aufmaße gemacht, da alle alten Pläne der Zeughausgebäude durch Kriegseinwirkung zerstört worden waren. Zu diesem Zeitpunkt erstellte man auch einen Kostenvoranschlag, der den Wiederherstellungsaufwand auf 199.000 Mark veranschlagte. Offenbar wurde der Wiederaufbau im Winter 1947 ermöglicht, denn im Frühjahr plante man bereits die Konstruktion des neuen Dachwerks. Im Laufe des Jahres 1948 wurden Baumaterialien abgerechnet, so dass wesentliche Arbeiten demnach schon ausgeführt waren.[4]
Nutzung nach dem Brand
Vermutlich war zum Zeitpunkt des Wiederaufbaus nach dem Brand die künftige Nutzung noch nicht geklärt, denn im Frühsommer 1948 lagen die Pläne für den Innenausbau in zwei Varianten vor. Die Behörden entschieden sich jedoch nicht für den zunächst geplanten Einbau von Sozialwohnungen, sondern für die Einrichtung der Landeszusatzversorgungsanstalt. Zu den Büroräumen kamen noch drei Wohnungen für Mitarbeiter der Behörde. Die Mietverträge wurden bereits im Sommer 1949 unterzeichnet. Das Erdgeschoss wurde weiterhin vom Landbauamt genutzt. Dort waren seit 1947 zwei Lastkraftwagen der Baubehörde untergestellt.[4]
Bald erfolgte die Umnutzung durch das Finanzamt Amberg. In den Jahren 1990 bis 1994 folgten dann die dringend benötigte Renovierungs- und Umbauarbeiten. Der Landkreis Amberg-Sulzbach nutzt das Zeughaus heute als Verwaltungsgebäude. Die Sitzungen des Kreistages hält man im König-Ruprecht-Saal ab.[1]
Literatur
- Mit dem Gestern in die Zukunft. Einweihung des Landratsamtes Amberg-Sulzbach am 19.09.2000. Hrsg.: Landkreis Amberg-Sulzbach, September 2000, S. 30-35
Anmerkungen
- ↑ Als Jahr des Abschlusses der Bauarbeiten nennt die Mehrzahl der Quellen das Jahr 1607. In einer Quelle wird das Jahr 1604 genannt.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Zeughaus Amberg / Oberpfalz, abgerufen am 18. Mai 2025
- ↑ Amberger Geschicht'n. Hrsg.: Stefan Helml, April 1984, S. 160
- ↑ Kurfürstliches Schloss und Zeughaus: Stadt Amberg, abgerufen am 18. Mai 2025
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Mit dem Gestern in die Zukunft. Einweihung des Landratsamtes Amberg-Sulzbach am 19.09.2000. Hrsg.: Landkreis Amberg-Sulzbach, September 2000, S. 30-35