Waldbrand auf dem Johannisberg

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Waldbrand am Johannisberg
Der Waldbrand am Johannisberg bei Freudenberg am 31. Juli 2026 gegen 22 Uhr. Bild: Manfred Rogner

Am Freitag, 31. Juli 2026, geriet auf der Südwestseite des Johannisbergs aus ungeklärter Ursache der Waldboden in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und sorgte für einen Waldbrand, der die Feuerwehren aus der Region 13 Tage lang beschäftigte. Insgesamt brannte an dem steilen Berghang eine Waldfläche von 9,2 Hektar.[1] In den ersten drei Tagen waren insgesamt 1440 Einsatzkräfte von verschiedenen Hilfsorganisationen vor Ort. Ein Hubschrauber unterstützte die Einsatzkräfte am Boden. Die Löscharbeiten dauerten 13 Tage an.

Die ersten Minuten

Waldbrand am Johannisberg
Die Rauchsäule beim Waldbrand am Johannisberg kurz nach Ausbruch des Feuers. Bild: Alwin Märkl

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs herrschte die höchste Stufe 5 des Waldbrandgefahren-Index in Freudenberg. Die Oberpfalz hatte mit der dritten extremen Hitzewelle des Jahres zu kämpfen. Am 31. Juli 2026 wurde in Freudenberg eine Außentemperatur von 37 Grad gemessen. Der erste Notruf ging gegen 16.45 Uhr von einem Besucher des Freudenberger Freibads ein. Er meldete eine aufsteigende Rauchsäule auf der Südwestseite des Johannisbergs. Zuerst war die Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf am Einsatzort. Die Einsatzkräfte versuchten den Brand über den Forstweg zum Heimatkino von zwei Seiten aus in die Zange zu nehmen.

Trotz des schnellen und entschlossenen Eingreifens entwickelte sich der Waldbrand durch die starken Winde innerhalb kürzester Zeit zu einem dynamischen Großschadensereignis. Zur Unterstützung der ersten Kräfte wurden weitere wasserführende Fahrzeuge mit zusätzlichem Personal nachalarmiert. Angetrieben von starken Winden fraßen sich die Flammen durch das steile Gelände und breiteten sich innerhalb kürzester Zeit weiter aus.

Schließlich musste der Rückzug angeordnet werden, um die Sicherheit aller eingesetzten Kräfte zu gewährleisten. Besonders anspruchsvoll war dies für die Fahrzeuge auf der Seite der Heiligen Drei Kreuze. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten mussten die Einsatzkräfte ihre Fahrzeuge rund 1,2 Kilometer rückwärts aus dem Gefahrenbereich führen. Ausrüstung musste wegen des eiligen Rückzugs zum Teil liegengelassen werden.

Neue Taktik zur Eindämmung

Nach dem Rückzug der ersten Einsatzkräfte wurde in der Einsatzleitung eine neue Taktik für die weitere Brandbekämpfung erarbeitet. Da ein Vorgehen innerhalb der Brandfläche nicht mehr sicher möglich war, konzentrierten sich die Maßnahmen auf die äußeren Grenzen des Brandgebietes. Hierzu wurde die Brandfläche in vier Einsatzabschnitte eingeteilt. Im Bereich der Johannisbergkirche wurden mehrere Faltbehälter eingerichtet, die als zentrale Wasserpuffer für die Brandbekämpfung dienten. Von dort aus arbeiteten sich die Einsatzkräfte abschnittsweise von oben nach unten, von den Flanken sowie von der Talseite an die Brandränder heran.

Parallel dazu wurde entlang der rund 1,4 Kilometer langen Brandumrandung ein etwa drei Meter breiter Wundstreifen angelegt. Dadurch wurde dem Feuer an den Rändern die brennbare Vegetation entzogen und eine weitere Ausbreitung erschwert. Da sich durch Wind und herabfallendes Laub immer wieder neues Brennmaterial auf den Wundstreifen sammelte, mussten diese fortlaufend mit Laubbläsern freigehalten werden, um ein Überschlagen des Feuers zu verhindern. Ein Vorgehen innerhalb der eigentlichen Brandfläche war über weite Strecken nicht vertretbar. Durch die enorme Hitzeeinwirkung waren zahlreiche Bäume geschädigt und stürzten teilweise ohne Vorwarnung um. Das Risiko für die Einsatzkräfte war daher zu groß.

Kritische Phase gegen 22 Uhr

In den späten Abendstunden gegen 22 Uhr zog eine starke Gewitterzelle über das Einsatzgebiet. Aufgrund der drohenden Gefahren durch Sturm, umstürzende Bäume und unberechenbaren Funkenflug mussten sämtliche Einsatzkräfte aus den vier Einsatzabschnitten zurückgezogen werden. Kurzzeitig war unklar, ob die zuvor aufgebaute Riegelstellung zum Schutz der Johannisbergkirche aufrechterhalten werden kann. Bei der Wallfahrtskirche waren Faltbehälter mit Wasser sowie mehrere wasserführende Fahrzeuge positioniert, um Kirche und umliegende Bereiche zu sichern. Selbst als der Wind direkt in den Hang hineinfuhr und der Funkenflug über die eingesetzten Fahrzeuge sowie die Johannisbergkirche hinwegzog, hielten die Einsatzkräfte die Riegelstellung aufrecht und verhinderten eine weitere Ausbreitung des Brandes. Die gewählte Taktik erwies sich letztlich als erfolgreich. Über drei Tage hinweg wurden die Brandränder konsequent gehalten, die Wundstreifen schrittweise erweitert und die Ausbreitung des Feuers schließlich gestoppt.[2]

Einsatz unter extremen Bedingungen

Waldbrand am Johannisberg
Einsatzbesprechung beim Waldbrand in Freudenberg mit Kreisbrandinspektor Armin Daubenmerkl.

Besonders herausfordernd waren die Bedingungen im Gelände. Innerhalb der Brandfläche mussten die Einsatzkräfte über 140 Höhenmeter bewältigen. Unter diesen Bedingungen wurden über viele Tage hinweg enorme körperliche Leistungen erbracht. Acht Feuerwehrleute wurde verletzt, blieben nach medizinischer Versorgung aber ohne bleibende Schäden. Bereits bis Montagabend standen rund 1440 Einsatzkräfte aller beteiligten Organisationen im Einsatz. Aufgrund der extremen Hitze mussten die Kräfte in den Brandabschnitten regelmäßig ausgetauscht werden, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte am Boden auch aus der Luft. Gemeinsam mit der Lufthelfergruppe der Feuerwehr Amberg kam ein Polizeihubschrauber zur Brandbekämpfung zum Einsatz. Insgesamt wurden 85 Löschwasserabwürfe durchgeführt. Dabei wurden mehr als 42.000 Liter Löschwasser auf die Brandfläche, zahlreiche Brandstellen sowie schwer zugängliche Glutnester ausgebracht.

46 Feuerwehren vor Ort

46 der 109 Feuerwehren des Landkreises Amberg-Sulzbach waren während der 13 Tage dauernden Waldbrandlage im Einsatz. Unterstützung kam zudem aus dem Landkreis Schwandorf und der Stadt Amberg. Zahlreiche Landwirte aus der Umgebung unterstützen die Löscharbeiten, indem sie Güllefässer mit Wasser befüllten und so die Wasserversorgung der Löschmannschaften kontinuierlich sicherstellten. Im Einsatz waren neben den Feuerwehren das Technische Hilfswerk, die Polizei, das Bayerisches Rote Kreuz, die Bergwacht, die Wasserwacht, die Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde Freudenberg und der Bayerischen Staatsforsten. Die Bevölkerung reagierte mit einer Welle der Solidarität. Zahlreiche Spenden von Kuchen, Obst, Getränken und Sonnencremes erreichten die Einsatzkräfte. Dazu kamen aufmunternde Worte und Gesten der Anerkennung am Straßenrand.[3]

Aufarbeitung und Folgen

Waldbrand am Johannisberg
Die Brandwunde an der Südwestseite des Johannisbergs Mitte September 2026. Bild: Markus Raum

Die Feuerwehren im Landkreis Amberg-Sulzbach evaluieren den Einsatz und wollen daraus Lehren für künftige Brände dieser Größenordnung ziehen. Dazu finden verschiedene Nachbesprechungen statt. Nachdem die Löscharbeiten durch die Feuerwehr 13 Tage nach Ausbruch des Brandes eingestellt worden waren, übernahm der Eigentümer des betroffenen Waldes, der Forstbetrieb Schnaittenbach als Außenstelle der Bayerischen Staatsforsten, die Brandwache.[4] Das Betreten des Joahnnisberges war bis 28. August 2026 wegen der Gefahr umstürzender Bäume untersagt. Ab 29. August 2026 wurde der Wald wieder für die Öffentlichkeit freigegeben, allerdings mit deutlichen Gefahrenhinweisen. Die Pfarreiengemeinschaft Johannisberg organisierte für 25. Oktober 2026 einen Gottesdienst unter freiem Himmel vor der Bergkirche, bei dem für den Ausgang des Waldbrandes gedankt und der Schutz der Einsatzkräfte erbeten werden sollte. Alle Blaulichtorganisationen waren zur Teilnahme eingeladen. Der Heimat- und Kulturverein Freudenberg stiftete eine Votivtafel für die Johannisbergkirche, mit der für den Schutz der Bergkirche gedankt werden soll. Geplant ist die Errichtung eines Waldbrand-Marterls mit einer Figur des Heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehren, an der Stelle, an der das Heimatkino stand. Das Heimatkino soll 2027 durch eine neue Aussichtsplattform ersetzt werden, die sich Keltenlauer nennt.

Einzelnachweise