St. Josef (Burglengenfeld)

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Koordinaten: 49° 11' 55.10" N, 12° 3' 6.65" E

Pfarrkirche St. Josef
Der Kirchturm der Pfarrkirche
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benannt nach:Josef von Nazaret
Adresse:Johann-Baptist-Mayer-Straße 11-13
93133 Burglengenfeld
Q65245340   St._Josef_(Burglengenfeld)  St. Josef (Burglengenfeld)

Die Pfarrkirche St. Josef des Bistums Regensburg ist eine Kirche in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf.

Beschreibung

Grundriss

Der gesamte Baukomplex ist nach der Straßenlage ausgerichtet. Die Altarseite des querrechteckig angelegten Kirchenraums liegt daher im Norden. Von Zwischenwänden freigehalten, ist dieser anhand seiner Einrichtung klar in verschiedene liturgische Zonen eingeteilt. Einzig die auf halber Strecke in den Kirchenraum hineingezogene Südwand zur Abtrennung des Vorraums scheidet einen eigenen Nischenbereich aus. Eingangszone und Nische für Orgel und Sängerchor sind gegenüber dem Kircheninneren um eine Stufe erhöht. Der Hauptraum ist vom Kirchengestühl in drei großen Blöcken ausgefüllt, wobei die seitlichen Blöcke diagonal angeordnet sind. Längs der Nordwand reihen sich Taufstein, Altarinsel und Andachtsstele in einer liturgischen Achse. Die Türen der Ostwand führen in die Sakristei sowie zu Beichträumen, welche in die Wand zwischen Hauptraum und Sakristei integriert sind. An der Ostwand, zwischen Sakristei und Pfarrgebäude, findet sich ein mehrstufig abgesenkter Freiplatz für besondere Gottesdienstfeiern.[1]

Außenbau

Das Pfarrzentrum setzt sich aus freistehendem Glockenturm, Kirchenraum und Pfarrhaus zusammen, die einander im rechten Winkel zugeordnet sind. Zwischen den Gebäuden erstreckt sich ein Kirchhof, der zum Teil gepflastert ist, zum Teil einen lichten Baumbestand besitzt. Das Kirchengebäude ist mit einem zum Hof abfallenden Pultdach gedeckt, das in eine Flachdachstufe längs der Eingangsseite übergeht. Diese wiederum überdeckt einen offenen Säulengang, der dem eigentlichen Baukörper vorgelegt ist. Atriumartig folgt er dem rechten Winkel des Platzes. Ein Materialwechsel zwischen heller Kalksandsteinwand im Ziegelverbund und warmbraun patinierter Holzverkleidung aus amerikanischem Redwood – horizontal im Bereich des Säulengangs, vertikal an den Giebelseiten – differenziert zwischen der rundumlaufenden Sockelzone der Kirchenwände und der Dachzone. Diese bildet an der Hochfront der Altarseite mit den der Verglasung vorgelegten, quadratischen Lamellenfeldern aus Holz eine optische Einheit.

Der Glockenturm ist als Raumfachwerk im MERO-System aus Stahlrohren errichtet, die mittels sphärischer Knotenpunkte verbunden werden. Das Geläut befindet sich in dem oben eingehängten Holzgehäuse, dessen Material eine optische Verbindung zum Kirchengebäude schafft.[1] Das Geläut der Firma Rudolf Perner mit den Tönen g′, b′, c″ und d″ erhielt die Kirche 1978.[2]

Innenraum

Der Raum begegnet dem Eintretenden mit lichter Weite und naturverbundenen Materialien. Durch die großzügige, bodentief verglaste Eingangshalle ist auch der Zutritt zum seitlich angegliederten Foyer des Pfarrhauses möglich. Ein längs der Westseite verlaufendes Fensterband unterhalb des offenen Dachgestühls verbindet die Eingangshalle optisch mit der diagonal gegenüber liegenden, bodentief durchfensterten Taufzone sowie der von hölzernen Lamellen diffus durchlichteten, bis zur Decke verglasten Wand hinter dem Altar. Die Material- und Lichtwechsel verleihen der Raumarchitektur einen subtilen Rhythmus, der die verschiedenen liturgischen Bereiche akzentuiert. Das gen Norden ansteigende Dachniveau verweist zusammen mit dem besonders inszenierten Lichteinfall auf die sich dort über die gesamte Raumbreite aufspannende liturgische Achse. Den Bodenbelag bilden großformatige, quadratisch zugeschnittene Schieferplatten. Ein Wechsel in Tonigkeit und Format der Platten markiert den Übergang vom Gemeinderaum zur zweistufig erhöhten Altarinsel. Der Orgelprospekt ist mittig an der westlichen Kirchenwand angebracht.[1]

Geschichte

Übergangskirche

In den 1950er Jahren wuchs die Bevölkerungszahl in Burglengenfeld aufgrund der Industrieansiedlung im unmittelbaren Umland stark an. 1958 besuchte der damalige Erzbischof von Regensburg Michael Buchberger die Stadt Burglengenfeld und nannte als Standort für eine mögliche zweite Pfarrkirche in der Stadt das Gebiet „Sand“. Zu Beginn der 1970er Jahre erwarb die bischöfliche Finanzkammer ein Grundstück im Stadtgebiet „Sand“ und bestellte den Präfekten im Studienseminar Straubing, Hans Preißl, als Expositus mit dem Auftrag, eine neue Pfarrei aufzubauen. 1974 wurden gemeinsam mit der Pfarrei St. Vitus die Pfarreigrenzen festgelegt. Am 1. Oktober 1974 wurde die eigenständige Pfarrei „Am Sand“ Burglengenfeld durch Bischof Rudolf Graber gegründet. Als Kirchenbau diente ein provisorisch in Fertigbauweise errichteter Übergangsbau. Hans Preißl wurde zum Pfarrkuraten bestellt.

Pfarrgemeindezentrum St. Josef

1976 wurde mit den Bauarbeiten zur Errichtung eines Pfarrgemeindezentrums begonnen. Zwei Jahre später konnte das Pfarrhaus als erster fertiggestellter Bauabschnitt durch die Pfarrgemeinde bezogen werden. Architekt des Ensembles war der Münchner Architekt Franz Kießling.[1] Zum Ende desselben Jahres wurde der Turmbau, ein Campanile ausgeführt als moderne Stahlkonstruktion mit hölzern verschalter Turmstube, fertiggestellt. Der komplett fertiggestellte Bau wurde am 6. Mai 1979 durch Weihbischof Karl Flügel zur Kirche geweiht.

Ausstattung

Altar, Ambo, Tabernakel und Taufstein sind nach Entwürfen des Architekten Franz Kießling gefertigt. Die Tabernakelstele ist einer aufrecht stehenden Schriftrolle nachempfunden. Der Goldschmied Hermann Jünger entwarf das Altarkreuz mit zugehörigem Sakramentsgehäuse und sieben Kerzenhaltern an der Wand hinter dem Altar. Über dem Altar hängt ein 1986 oder 1988 in die Kirche gekommenes, monumentales Triumphkreuz des Bildhauers Blasius Gerg. Der an den Seitenwänden des Kirchenraums aufgehängte Aquarellzyklus „Blaue Passion“ ist ein Spätwerk des Regensburger Grafikkünstlers Otto Baumann. Die leicht verblassten Bilder zeigen neben den 14 mit kleinen Stahlkreuzen gekennzeichneten Kreuzwegstationen vier weitere Szenen aus der Vita Christi. Vor den Glasfenstern um den Taufstein sind zwei großformatige Glasbilder Josef Oberbergers aufgestellt. Sie zeigen in kräftigen Gelb-Goldtönen den hl. Josef mit Christuskind (Titel: „St. Josef“) sowie eine abstrakte Kreisform (Titel: „Taufe“).[1][3]

Heribert Krotters Wandkreuz

An der Südwand zur Sakristei findet sich ein Wandkreuz Heribert Krotters aus dem Jahr 2000. Krotter stellte in jenem Jahr eine größere Anzahl seiner Werke im Pfarrzentrum St. Josef aus. Das der Gemeinde verbliebene, gleichschenklige Holzbalken-Kreuz mit fünf aufgenagelten Pfirsichkernen wird von vier dunkel grundierten Quadratfeldern eingefasst, auf die in je 12 Reihen je 144 Kirschkerne aufgebracht sind. Zahlensymbolik und Materialien erlauben vielschichtige exegetische wie intuitive Deutungen, die allesamt auf die christliche Ambivalenz zwischen Schuld und Erlösung verweisen.[1]

Auszeichnungen

  • 1981: Preis des Bundes Deutscher Architekten
  • 1982: Deutscher Holzpreis
  • 1983: Deutscher Architekturpreis
  • 1984: Mies van der Rohe Award for European Architecture (Sieger unter 114 Bewerbern)[4]

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Straße der Moderne - Burglengenfeld | St. Josef, abgerufen am 11. Oktober 2026
  2. ↑ Burglengenfeld, Pfarrkirche St. Josef, abgerufen am 11. Oktober 2026
  3. ↑ BURGLENGENFELD / Kath. Pfarrkirche St. Josef am Sand. (online verfügbar auf https://de.dehio.org/bauwerk/burglengenfeld-kath-pfarrkirche-st-josef-am-sand), in: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. 2. durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, 2008, ISBN 978-3-422-03118-0
  4. ↑ Burglengenfeld: Sehenswürdigkeiten, abgerufen am 11. Oktober 2026
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