Rathaus (Amberg)
Koordinaten: 49° 26' 44.16" N, 11° 51' 31.68" E
| Rathaus (Amberg) | |
|---|---|
Westfassade des Amberger Rathauses | |
| Adresse: | Marktplatz 11 92224 Amberg |
| BLfD-ID: | D-3-61-000-229 |
Das Rathaus ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Amberg.
Lage
Das Rathaus schließt den Marktplatz gegen Osten ab, während der Vorgängerbau des 12./13. Jh. wohl in der Mitte des Marktplatzes lag (nach den Mauerresten im Keller zu schließen).[1]
Geschichte
Nach dem Brand von 1356 wurde an ortsbildprägender Stelle im Osten des Marktplatzes mit dem Bau begonnen. Die westliche Fassade mit dem reich verzierten Giebel ist Ausdruck dieser Bauphase. Bis ins 15. Jahrhundert hinein entstand ein Komplex aus separaten Einzelbauten, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch gemeinsames Dach und einheitliche Fassadengliederung zusammengefasst wurde.
Eine Balustrade mit vorgeschobenem Treppentürmchen wurde 1552 auf der Markseite zugefügt. Einst waren unter der Südfront Arkaden.
Zum Alten Rathaus gehört der westliche Teil mit dem flachen Erker. Der gesamte nördliche Komplex sowie der nach Osten folgende wurde in den Jahren 1571 bis 1573 als Neues Rathaus durch Hans Fuchs gebaut.
1761 erfolgte eine umfassende Renovierung, in derem Zuge der Balustradenvorbau und die Arkaden zugemauert wurden.
Im Lauf des 19. Jahrhunderts Umbau des Inneren, 1873–74 Veränderung der Westfassade. 1880 Abbruch des Obergeschosses des Altans, an der Nordecke Errichtung eines offenen Wendelsteins nach dem Entwurf von Gnath aus Nürnberg. 1901/02 kam es zum Ankauf der beiden letzten, östlich ans Rathaus grenzenden Bürgerhäuser. An der Ostseite weist eine Tafel über drei neuromanischen Fensterbögen auf den Anbau von 1910/11 hin. Schwer zu entziffern ist der Hinweis auf „Princ Reg. Luitpoldo“. 1920 bis 1924 Erweiterungsbau nach Osten und gründliche Wiederherstellung unter Anton Dollacker: annähernde Rückführung der Westfassade in den Originalzustand, Abriss und Wiederaufbau des Altans mit offenen Arkaden, auf der Südseite wurden die Rundbogenöffnungen des Erd- und die Rechteckfenster des Mezzaningeschosses zu hohen Spitzbogen zusammengefasst. 1982–89 Restaurierung innen und außen, Wiederherstellung der Fassung von 1573.[2][1]
Beschreibung
Beim Rathaus handelt es sich um einen zweigeschossigen, langgestreckten Giebelbau. Giebel- und Südseite bis zur fünften Fensterachse gegen Osten geben den Kernbau der zweiten Hälfte 14. Jahrhunderts zu erkennen. Der auf den nördlichen Annexbau übergreifende Altan der Marktplatzfront erhebt sich mit steinerner Maßwerkbrüstung über Rundpfeilerarkaden – ein Motiv der italienischen Renaissance, Vorhalle von Kreuzrippengewölben mit hängenden Schlusssteinen unterwölbt. Im Hauptgeschoss hohe Spitzbogenfenster mit Maßwerkfüllung, der Steilgiebel durch hohe Blendbogen belebt und von einem Dachreiter (1920) bekrönt. Bauplastischer Schmuck von 1883 bzw. 1920, nördlich Wasserspeier mit der Büste des Apothekers Karl Ebert. An der Südfront große Maßwerkfenster, beim Erweiterungsbau das Gliederungsschema adaptiert (Rechteckfenster mit vorgeblendeten Spitzbogen). Am Zusammenschluss Kastenerker mit Maßwerkverzierung, wohl ursprünglich Gerichtserker (vgl. Erker im Nürnberger Kleinen Rathaushof von Hans Beheim d. Ä. 1514/15). Im großen Innenhof rechtwinkelige, von Arkaden getragene Treppe mit Maßwerkbrüstung, südöstlich Portal mit gedreht profiliertem Hausteingewände.[1]
Innenausstattung
Im Hauptgeschoss des Kernbaus liegt der sogenannte Große Rathaussaal mit rautenförmig kassettierter Decke aus dem späten 16. Jahrhundert. Nördlich angrenzend das sog. Gotische Zimmer, aufgrund der reichen architektonischen Gestaltung wohl urspr. Ratskapelle, Kreuzrippengewölbe mit Birnstabprofilen auf Bündelpfeilern mit Laubwerkkapitellen, figürliche Schlusssteine: Löwe, der seinen Jungen Leben einhaucht, drei ineinander verschlungene Jünglinge (wohl zahlensymbolisch zu deuten), Kopf eines bärtigen Mannes. Im Erweiterungsbau führt eine Wendeltreppe mit Hohlspindel zum Vorplatz des Obergeschosses, steinernes Treppengeländer mit alternierenden Rosetten und Pilastern in Renaissanceformen. Am Schlussstein des Gurtbogens die Jahreszahl 1573. Südöstlich führt ein Portal mit Gebälk und Inschrifttafel in den Kleinen Rathaussaal. Kassettendecke, edle Vertäfelung aus verschieden gemaserten Hölzern von dem Schreiner Balthasar Geisl, gegliedert durch gekuppelte, kannelierte Halbsäulen mit Kompositkapitellen und Muschelnischen auf rustizierten Sockeln. Zwei prächtige Portale mit von Löwen getragenen Stadtwappen im Gebälk. Neben dem nördlichen Portal hinter der Holzwand zinnerner Gießbehälter von 1579, wohl von Christoph Ranft. Im Mezzaningeschoss das Archiv, ein niedriger, mehrschiffiger Raum mit Kreuzgratgewölben auf ionisierenden Säulen.[1]

Uhr
Die Uhr am Giebel des Rathauses an der Marktplatzseite ist ein besonderes Schmuckstück, das 1920 vom Apotheker Karl Eberth, dessen Konterfei die Skulptur eines arg beschädigten bartlosen Mannes ersetzte, gestiftet wurde. Die Uhr zählt zu den 27 Mondphasenuhren, die es in Deutschland an historischen Bauwerken gibt. Oben ist eine Mondphasenkugel angebracht, die jeden Tag die aktuelle Mondphase anzeigt. Die Kugel ist umgeben von den Darstellungen der Sternzeichen. Darunter befindet sich das Zifferblatt, ein Sinnspruch und das in Stein gemeißelte Wappen der Stadt Amberg mit dem Pfälzer Löwen und den bayerischen Rauten. Der Spruch unter dem Zifferblatt lautet: „Keines Menschen Geist hält den Lauf von Sonne, Mond und Sternen auf.“[2][3]
Figuren
Die Figuren von Wirtschaft (Handel und Gewerbe) und Mildtätigkeit sind Werke des Amberger Bildhauers J. Pongratz aus dem Jahr 1883.[2]
Vorbau
Der Vorbau mit Treppentürmchen aus gelbem Sandstein stammt aus dem Jahr 1552, also - wenn auch nicht in allen Teilen - ein Bauwerk der Renissance. Das Kriegerdenkmal wurde am 19. August 1923 eingeweiht.[2]
Literatur
- Reclams Kunstführer Bayern, 3. Auflage, Stuttgart 1961.
- AMBERG / Rathaus. S. 37-38 In: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, 1991, ISBN 3-422-03011-5
- AMBERG / Rathaus. (online verfügbar auf https://de.dehio.org/bauwerk/amberg-rathaus), in: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. 2. durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, 2008, ISBN 978-3-422-03118-0
Einzelnachweis
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 AMBERG / Rathaus. (online verfügbar auf https://de.dehio.org/bauwerk/amberg-rathaus), in: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. 2. durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, 2008, ISBN 978-3-422-03118-0
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Hans Hummel: Amberg. Ein Stadtspaziergang. 2. veränderte Auflage. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2003, ISBN 978-3-935719-13-1, S. 24-25
- ↑ Uli Piehler: Amberger Rathausuhr nach Blackout-Übung defekt, in: onetz.de. Oberpfalz Medien GmbH, vom 22. März 2023, abgerufen am 12. Juni 2026
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