Josef Kehrer
| Josef Kehrer | |
|---|---|
| Geburtsdatum: | 14. Oktober 1909 |
| Sterbedatum: | 30. April 1945 |
Josef Kehrer (* 14. Oktober 1909 in Wernberg-Köblitz; † 30. April 1945 ebenda) war ein deutscher römisch-katholischer Landrat und Märtyrer.
Leben
Kindheit und Jugend
Josef Kehrer wurde am 14. Oktober 1909 als Sohn von Barbara, geb. Schön, und Christoph Kehrer in Wernberg geboren. Seine Eltern waren Inhaber einer akteingesessenen Kolonialwarenhandlung und einer Gastwirtschaft. Josef Kehrer hatte acht Geschwister. Am 1. Mai 1916 wurde er an der Volksschule Wernberg eingeschult. Seine Lehrer Justine Birkl (1916 bis 1919) und Josef Benz (1919 bis 1922) erkannten eine besondere Begabung des aufgeweckten Buben und empfahlen den Eltern den Übertritt an die Realschule Weiden. Aus der Realschule entstand 1927 die Oberrealschule, die seit 1965 die Bezeichnung „Kepler-Gymnasium“ führt. Er gehörte 1931 zum zweiten Jahrgang, dem die Reifezeugnisse verliehen wurden.[1]
Studium
Am 7. Mai 1932 immatrikulierte Josef Kehrer sich für sechs Semester an der juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Bereits am 1. Februar 1935 bestand er das Staatsexamen. Trotz der räumlichen Trennung pflegte er mit Eltern und Geschwistern engen Kontakt.[1]
Versetzung nach Altötting
Den entscheidenden Wendepunkt im kurzen Leben des unverheirateten Josef Kehrers bildete der Juli 1944, als er nach Altötting versetzt wurde. Dort übernahm der Regierungsrat die Funktion des Landrats und wurde bald in ein folgenschweres Kapitel des NS-Terrors verwickelt.[1]
Josef Kehrer war zusammen mit Monsignore Adalbert Vogl, Josef Bruckmayer, Hans Riehl, Ludwig Schön, Martin Seidel, Josef Stegmair, Max Storfinger und Adam Wehnert Ende April 1945 Opfer der zu den Endphaseverbrechen zählenden Bürgermorde von Altötting. Im Moment des Heranrückens der US-Truppen hatten sie versucht, ihre Heimatstadt von der NS-Herrschaft zu befreien, um damit eine Zerstörung zu verhindern.
Als Studienfreund von Rupprecht Gerngross hatte er Kenntnis von dessen Widerstandsgruppe Freiheitsaktion Bayern und führte (zeitgleich zu dem Münchener Aufstand) den Aufstand in Altötting. Beide misslangen. Das Landratsamt wurde am 28. April von der SS besetzt und Kehrer so schwer verletzt, dass er am 30. April 1945 starb.[2]
Gedenken
Die deutsche Römisch-katholische Kirche hat Josef Kehrer als Märtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. In seinem Geburtsort Wernberg-Köblitz wurde ihm zu Ehren die Gedenkstätte für Josef Kehrer errichtet.
Literatur
- Herbert W. Wurster, Art.: Josef Bruckmayer, in: Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz),Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a. 1999, 8., erweiterte und aktualisierte Auflage 2024, S. 615–620.
- Ulrich Völklein: Ein Tag im April. Die „Bürgermorde“ von Altötting. Aufklärung eines Kriegsverbrechens nach mehr als fünfzig Jahren. Steidl, Göttingen 1997.
- Josef Eimer: Gedenkstätte für Josef Kehrer aus Wernberg. In: Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz 2019. Marterln, Bildstöcke, Feldkreuze, Kapellen, Gedenksteine und andere Flurdenkmäler. Hrsg.: Arbeitskreis für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz e. V. in Zusammenarbeit mit dem Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, Eckhard Bodner, Speinshart 2019, ISBN 978-3-947247-27-1, S. 61-65
- Josef Eimer: Josef Kehrer aus Wernberg (1909-1945). In: Die Oberpfalz, 98. Eine Heimatzeitschrift für den ehemaligen Bayerischen Nordgau. Oberpfalz-Verlag Laßleben, 2010, S. 103-108
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Josef Eimer: Josef Kehrer aus Wernberg (1909-1945). In: Die Oberpfalz, 98. Eine Heimatzeitschrift für den ehemaligen Bayerischen Nordgau. Oberpfalz-Verlag Laßleben, 2010, S. 103-108
- ↑ Wurster S. 619
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