Dreifaltigkeitskirche Amberg

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Dreifaltigkeitskirche Amberg
Adresse:Dreifaltigkeitsstraße
92224 Amberg
Q139596180

Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit ist eine Kirche im Südosten der Stadt Amberg (Oberpfalz, Bayern) die der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht ist. Sie ist namensgebend für das Stadtviertel, das Anfang des 20. Jahrhunderts um die Baumannsche Emailwarenfabrik entstand. Erbaut wurde sie 1926 bis 1929, ihre Innenausstattung ist aus den 1930er Jahren. In einem einzigartigen Stilmix verbindet sie ein barockisierendes Äußeres, mit Anklängen an die Barockkirchen auf dem Mariahilfberg und St. Sebastian, mit einem schlichten Inneren im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Die alte Dreifaltigkeitskirche

Friedhofskircherl Dreifaltigkeit Amberg

Das Patrozinium zur Hl. Dreifaltigkeit wurde übernommen von der spätgotischen, teilweise barockisierten ersten Dreifaltigkeitskirche, heute als „Friedhofskircherl“ bezeichnet. Sie gehörte, wie auch der zwischen den beiden Kirchen befindliche Friedhof, zu einem der beiden Leprosenhäuser der Stadt („Mannsiechenhaus“). Von 1923 bis1929 diente sie als Pfarrkirche.[1]

Die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit

Grabplatte Pfarrer Andreas Drexler in der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Amberg

Sie entstand 1923 als Ausgliederung aus der Pfarrei St. Martin, gleichzeitig mit der Pfarrei St. Georg. Die Neugründungen wurden notwendig durch den starken Anstieg der Einwohnerzahl Ambergs vor dem 1. Weltkrieg. Die Pfarrei umfasst einen größeren Bereich im Süden und Osten der Stadt Amberg. Seit 01.09.2025 ist die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in die Pfarreiengemeinschaft „Am Mariahilfberg“ integriert, gemeinsam mit der Pfarrei Hl. Familie in Amberg und den Pfarreien in Raigering, Aschach und dem Kurat-Benefizium Paulsdorf.

Der erste Pfarrer von Hl. Dreifaltigkeit war Andreas Drexler (*1881, +1945). Unter ihm wurde die jetzige Pfarrkirche erbaut. Seine vielfältigen und fantasievollen Versuche, Geld für die Finanzierung des Kirchenbaus zu generieren, trugen ihm den Ehrennamen „Bettelpfarrer“ ein. Er liegt in „seiner“ Kirche neben dem Altarraum begraben. [2][3]

Die Dreifaltigkeitskirche - Das Bauwerk

Baugeschiche der Kirche [4]

Sieger eines Architektenwettbewerbs von 1925 war der Entwurf des Münchener evangelische Architekten Gustav Gsaenger (1900 – 1989). Die Dreifaltigkeitskirche ist sein Erstlingswerk und hat noch nicht den charakteristischen späteren „Gsaenger“-Stil wie die Matthäuskirche in München oder die Christuskirche in Sulzbach-Rosenberg. Erstmals in Amberg wurde ein Kirchenbau als Ensemble geplant, mit Pfarrhaus, Kirchplatz, Kindergarten und Schule (letztere wurde aus finanziellen und politischen Gründen nicht verwirklicht; am dafür vorgesehenen Platz steht heute das Haus der Caritas-Geschäftsstelle).

Gottesdienst zur Grundsteinlegung der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Amberg 30.05.1926

Grundsteinlegung für die Kirche war am 30. Mai1926, am Dreifaltigkeitssonntag.

Grundsteinplatte am Alter der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Amberg

Der Bau der Kirche erfolgte in Etappen, vor allem aus ständiger Geldnot heraus, mit immer wieder ungesicherter Finanzierung, auch wenn die kurze Phase zwischen der Hyperinflation 1923 und der Weltwirtschaftskrise 1929 genutzt werden konnte. Das Kirchenschiff wurde zuerst gebaut und konnte am 12. Mai 1929 eingeweiht werden, danach entstand die Apsis, erst 1934 wurde der Kirchturm fertiggestellt.  

Architektur: Das Äußere [5]

Das Äußere der Kirche ist schlicht gehalten, mit glatten Wänden in Münchner Rauputz, es wirkt jedoch traditionell durch spätbarocke Elemente, z.B. die großen Oculi-Fenster oder die angedeuteten Baldachine über Hauptportal und Seitentüren. Der wuchtige Turm mit kupferner Zwiebelhaube und Laterne ist ein bewusster „Gruß“ an die Bergkirche. In die Amberger Stadtgeschichte ist der Dreifaltigkeitsturm am 22. April 1945 eingegangen, als mutige Pfarrangehörige mit weißen Tüchern den heranrückenden amerikanischen Truppen die kampflose Übergabe der Stadt signalisierten.

Die Inschrift auf dem Gedenkkreuz aus Beton beim Kirchenvorplatz (Eph 2.20) betont die Rolle jedes einzelnen Christen als ein lebendiger „Baustein“ der Kirche.

Architektur: Das Innere [6]

Kirchenschiff der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Amberg

Das Langschiff ist ein hoher (etwa 16m), lichter Raum in klarer geometrischer Gliederung, dem alles „Barocke“ fehlt und der mit seiner Kassettendecke aus Holz eher an romanische Kirchenbauten erinnert. Der Kontrast zwischen dunklem Holz und hellem Stein ist ein wesentliches Stilelement des Kircheninneren. Die massiven quadratischen Sandsteinpfeiler verdecken die Seitenschiffe und lenken den Blick des Eintretenden auf das monumentale Hochaltarbild von Andreas Schwarzkopf aus dem Jahr 1934/35. Die überlebensgroßen Kreuzwegfresken, von Ludwig Angerer 1937 geschaffen, werden erst vom Inneren des Langschiffs aus sichtbar.

Hochaltarbild und Kreuzwegfresken [7][8]

Hochaltarbild Dreifaltigkeitskirche Amberg Gnadenstuhl

An den beiden Hauptkunstwerken, dem Hochaltarbild und den Kreuzwegfresken, ist erkennbar, dass sie in der Zeit des „Dritten Reiches“ unter der Herrschaft des kirchenfeindlichen NS-Regimes, entstanden sind.

So blickt der Gottvater, der den gekreuzigten Christus in seinen übergroßen Händen hält und dem Betrachter präsentiert, sehr ernst drein. Die Dreifaltigkeit, dargestellt in der mittelalterlichen Bildtradition des „Gnadenstuhls“, ist umgeben von einer Figurengruppe, die dem Buch der „Geheime Offenbarung“ des Johannes, Kap. 4 und 5, entnommen ist. Man erkennt in ihr die vier „Wesen“, die „Ältesten“ und, ganz prominent im Vordergrund, das „Lamm“ und das „Buch mit den sieben Siegeln“.

Die Kreuzwegbilder enthalten manche offene oder versteckte Anspielung auf die Situation der Kirche in der Entstehungszeit. Aber schon ihre schiere Größe und die Tatsache, dass sie den gesamten Kirchenraum ausfüllen, signalisiert dem Besucher, dass er vom Leiden Christi vollständig umgeben ist.

Darstellung des Kreuzwegs in der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Amberg

Weitere Kunstwerke im Kircheninneren [9]

Nachdem die reichlich mit Skulpturen versehene Kanzel 1975 entfernt wurde, ist das steinerne Kanzelkreuz, 1935 von Max Roider geschaffen, das einzige Bildwerk im Mittelschiff der Kirche. Umso eindrucksvoller führt es dem Betrachter den Moment von Jesu Tod vor Augen, in dem er sich vor Schmerzen krümmt, aber zugleich tief hinunterbeugt zu den Menschen in den Kirchenbänken unter ihm.

In der Turmkapelle im Eingangsbereich befindet sich auf der rechten Seite eine Holz-Skulptur, die den Altöttinger Kapuzinermönch Konrad von Parzham darstellt, wie er sich einer bittenden Mutter und ihrem Kind zuwendet. Das Bildwerk wurde der Kirche im Jahr 1937 anlässlich eine „Volksmission“ gestiftet; der kurz zuvor heiliggesprochene Bruder Konrad war in Bayern zu der Zeit überaus populär, auch in seiner beispielhaften Demut und Nächstenliebe als Gegenentwurf zur NS-Ideologie.

Gegenüber befindet sich die barocke Statue einer „Madonna im Strahlenkranz“, der Kirche zur Bauzeit von einem Bäckermeister vermacht, der sie auf seinem Dachboden gefunden hatte. Die barocke Pracht dieses Bildwerks, das im Marienmonat Mai in den Altarraum gestellt wird, stellt einen Kontrapunkt zur modern-sachlichen Ausstattungsprinzip der Pfarrkirche dar, ebenso wie die Marien-Ikone im griechisch-orthodoxen Stil von Erwin Schöppl unter der Orgelempore.

Marienaltar Hl. Dreifaltigkeit im Mai 2026
Orgelempore der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Amberg

In den beiden Seitenaltären von Walter Bertram, 1930/31 als erste Bildwerke im Inneren der Dreifaltigkeitskirche entstanden, ist hingegen die vom Architekten Gsaenger intendierte Ästhetik der „Neuen Sachlichkeit“ noch am reinsten bewahrt. Der Marienaltar im linken Seitenschiff und der Josefsaltar auf der rechten Seite sind gleich aufgebaut, mit jeweils drei, in dunklem Holz gerahmten, rechteckigen Bildtafeln und einem Fresko darüber, dazwischen einem Spruchband einer kurzen Anrufung.

Der Hl. Josef ist zweimal dargestellt, einmal mit Maria und dem Baby Jesus, im Fresko als gealterter Mann mit dem Jesusknaben an der Hand. Ebenso Maria, die den Gottessohn im kleinen Bild im Stil einer Pietà trauernd im Schoß hält, im Fresko aber auf dem Arm trägt und den Betrachter in königlicher Würde anblickt. Beide, Maria wie Josef, werden vor einer Ziegelmauer mit einem Liliengefäß als Symbol der Reinheit dargestellt, hinter der Gottesmutter ist aber eine Tür in der Mauer, was auf die Formel in der Lauretanischen Litanei von der „Ianua caeli“, der Pforte des Himmels, verweist.

In der linken und rechten Bildtafel beider Altäre sind andere Heilige abgebildet: am Josefsaltar der Hl. Antonius von Padua mit dem Jesusknaben und der Hl. Judas Thaddäus mit seinem Brief, am Marienalter einmal die Hl. Anna mit ihrer jungen Tochter Maria, zum anderen die Hl. Elisabeth von Thüringen. In ihr, der Wohltäterin der Armen wie auch im Apostel Judas Thaddäus, der in seinem Brief vor falschen Propheten warnt, ist wieder der Zeitgeist der frühen 1930 Jahre erkennbar und die Tatsache, dass die Dreifaltigkeitskirche als Kirche der kleinen Leute in einem Armenviertel erbaut wurde.

Chorraum und Volksaltar [10]

Der jetzige Volksaltar, ein Werk von Friedrich Koller, wurde 2008 aufgestellt. Mit dem Ambo, dem Taufbecken und der Stele für die Osterkerze bildet er eine Einheit aus hellem Muschelkalk, die sich gut in das übrige modern-sachliche Interieur der Kirche einfügt. Auch der Altartisch ist als eine Einheit in drei Teilen gestaltet und variiert so das Thema „Dreieinigkeit“.

Literatur

Eine detailliertere Darstellung zu den Kunstwerken in der Kirche sowie zu deren Baugeschichte bietet der Kirchenführer „Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit. Ein Wegweiser“ von Peter Seidl (2022), der über die Pfarrei erhältlich ist und in der Kirche ausliegt.

Einzelnachweise

  1. 100 Jahre Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit - Eine Festschrift S. 34-40
  2. 100 Jahre Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit - Eine Festschrift S. 51-58
  3. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit Amberg - Ein Wegweiser S. 10-14
  4. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 16-22
  5. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 24-26
  6. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 22
  7. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 56-57
  8. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 66-71
  9. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 32-35
  10. Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit - Ein Wegweiser S. 52