Altstraßen im Bereich der TK 25 7040 Pfatter
Tor zum Gäuboden
Die Gemeinde Pfatter am Südrand des Landkreises Regensburg grenzt an Niederbayern. Sie gilt als „Tor zum Gäuboden“, der fruchtbaren Ebene entlang der Donau zwischen Regensburg und Straubing und liegt direkt an der Bundestraße 8. Die Paralleltrasse zur B 8, die Autobahn A 3, führt heute in 8 km Entfernung an Pfatter vorbei von Regensburg nach Passau. Pfatter, einst zentraler Ort im Gäuboden, hat damit seine einstige Verkehrs- und Mittelpunktfunktion eingebüßt. Wieder ein eindrücklicher Beleg dafür, wie wichtig die „richtige“ Lage an einer Verkehrsmagistrale für die weitere Entwicklung eines Ortes sein kann.
Königsgut an der „Donaustaße“ bis Pfatter?
In römischer Zeit führte die „Donaustaße“ entlang des „nassen Limes“ über Pfatter. Hier befand sich an der Mündung des Pfatterbaches ein römisches Kleinkastell. Von Schwabelweis und Tegernheim bis Wörth und vielleicht bis Pfatter reichte an der sogenannten „Donaustraße“ ein etwa vier Kilometer breiter Streifen entlang der Donau südöstlich von Regensburg, das nach Peter Schmid eindeutig als karolingisches Königsgut zu bezeichnen ist.
Die Produkte eines fruchtbaren Ackerbodens dienten vor allem der Versorgung karolingischer Herrscher für deren Aufenthalte in Regensburg wie Karls des Großen, der sich zwischen 788 und 803 mehrfach in Regensburg aufhielt, z.T. sogar über einen längeren Zeitraum. Zwischen Weihnachten 791 und Herbst 793 dauerte sein Aufenthalt fast zwei Jahre.[1]
Die Produkte des fruchtbaren Ackerbodens, wohl auch um Pfatter, dienten vor allem der Versorgung karolingischer Herrscher bei deren Aufenthalten in Regensburg. Pfatter wurde 773 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort war über Jahrhunderte herzoglicher Gerichtssitz. Das Regensburger Domkapitel und mehrere Regensburger Klöster waren hier begütert. Das Schloss Pfatter ist abgegangen, ebenso wie das benachbarte Schloss Geisling.
Königsforste im Norden von Pfatter
In Wörth an der Donau vermehrte Ludwig der Deutsche mit seiner Schenkung um das Jahre 874 den Besitz der Regensburger Kirche. Mit dieser Urkunde wird auch der umfangreiche Königsforst nördlich der Donau sichtbar, zu dem auch der Wörther Forst gehörte. Aus der Urkunde von 874 wird erkennbar, dass die Regensburger Kirche in dieser Zeit von Wörth aus rodend in den ehemaligen königlichen Forsten tätig wurde. Die Geschlossenheit der königlichen Wälder wurde auch von Norden aus entlang des Wenzenbachs aufgebrochen, wo die Regensburger Kirche ebenfalls Besitz aus herzoglichen bzw. königlichen Schenkungen aufweisen konnte. Insgesamt erhielt die Regensburger Kirche im Lauf der Zeit große Teile der Königsforste nördlich von Wörth und Donaustauf zum Geschenk.[2]
Nikolauskirche der Donauschiffer
Die Nebenkirche der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Pfatter, St. Nikola, wurde auf dem Rat- und Umschlagplatz der Donauschiffer erbaut und im Jahre 1468 erstmals urkundlich genannt. Seit Jahrhunderten verband Pfatter und die gegenüberliegenden Stadt Wörth eine Fähre. Sie stellte im Juni 1964, nach der Fertigstellung der damals „längsten Donaubrücke“ Deutschlands, ihren Betrieb ein. Bis dahin lagen die nächsten Donaubrücken in Donaustauf und Straubing.
Kreuzzugsheere auf der Donaustraße unterwegs
Entlang der Donaustraße reisten einst nicht nur die sagenhaften Nibelungen, sondern auch die mittelalterlichen Kreuzzugsheere. Auf der Donaustraße waren über mehrere Jahrzehnte hinweg vier Kreuzzugsheere unterwegs. Sie zogen sowohl auf dem Landweg als auch auf der Donau nach Südosten, um schließlich über den Bosporus das Heilige Land zu erreichen. Im Jahre 1096 hatte ein Kreuzzugsheer mit angeblich 15 000 fanatisierten „Gläubigen“ erstmalig Regensburg passiert, um das Heilige Land zu „befreien“.
Im Jahre 1147 begann der zweite Kreuzzug sogar in Regensburg. Beim romanischen Kirchlein in Barbing, es ist dem Kreuzfahrerpatron St. Ägidius geweiht, sammelten sich die Kreuzfahrer, um zu Fuß und zu Schiff nach Palästina zu gelangen. Kreuzfahrer aus Böhmen, Sachsen und der Pfalz hatten sich der Reisegruppe angeschlossen, wie die Chronisten berichten, die sich nicht allein aus religiösen Gründen, sondern auch die Erwartung großer Reichtümer auf die gefahrvolle Reise begaben. Zwei weitere Kreuzzüge sollten in der Folgezeit Regensburg passieren.[3]
Auch Auswandererschiffe passierten Pfatter
Nach Südosten auf der Donau unterwegs waren schließlich Auswanderer aus der Oberpfalz, die auch in Regensburg von Agenten für die Kolonisation des Banats angeworben worden waren. „Die ersten der Tod, die zweiten die Not, die dritten das Brot“, so lautete das Schicksal, das die ersten drei Generationen von Auswanderern erwartete.[4]
Das Amt Pfatter-Haidau
Ausführlich hat sich Diethard Schmid mit der Geschichte der Reichsherrschaft Wörth und des Amtes Pfatter-Haidau beschäftigt.[5]
Altwege um Pfatter
In der flachen Donauebene um Pfatter, nördlich des Ortes liegt auch die Pfatterer Au, ein 359 Hekar großes Naturschutzgebiet. Hier finden sich keine Hohlwegstrukturen. Sie sind in der fruchtbaren Ebene des Gäubodens längst verackert. Nur nördlich der Donau lassen sich auf dem Kartengebiet bei Hofdorf und Zinzendorf Hohlwegtrassen erkennen, die in Richtung Norden in den ansteigenden Vorwald führen. Sie orientieren sich wohl in Richtung Brennberg und Frauenzell und sind Teil der Wegetrassen die zur Besiedlung des Bayerischen Waldes vom Donautal her führten. Aber auch Falkenstein war einer der Stützpunkte bei der Kolonisation der Reichsforste zwischen Regensburg, Cham und Straubing. Die Fortsetzung der Altwege im angrenzenden niederbayerischen Raum hat ausführlich Johann Auer beschrieben. [6] Siehe dazu auch: Kommentar zur TK 6939 (Wörth)
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 7040: Pfatter
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 7040: Pfatter
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 7040: Pfatter
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 7040: Pfatter
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 7040: Pfatter
Einzelnachweise
- ↑ Peter Schmid: Regensburg. Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Lassleben, Kallmünz 1977, ISBN 3-7847-4006-5, S. 457
- ↑ Peter Schmid: Regensburg. Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Lassleben, Kallmünz 1977, ISBN 3-7847-4006-5, S. 113-116
- ↑ Alfred Wolfsteiner: Diese Zeit ist wie keine andere zuvor – In Regensburg versammelten sich die Kreuzritter. In: Alfred Wolfsteiner, Manfred Langer, Angela Heller-Wolfsteiner: Geschichte in Liedern. Eine Zeitreise durch die Oberpfalz. Regensburg 2004, ISBN 3-934941-10-9, S. 6-7
- ↑ Alfred Wolfsteiner: Hölle oder Paradies? – Oberpfälzer Auswanderer in Osteuropa und Nordamerika. In: Alfred Wolfsteiner, Manfred Langer, Angela Heller-Wolfsteiner: Geschichte in Liedern. Eine Zeitreise durch die Oberpfalz. Regensburg 2004, ISBN 3-934941-10-9, S. 51-55
- ↑ Diethard Schmid: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 41: Das Landgericht Stadtamhof, die Reichsherrschaften Donaustauf und Wörth. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1976, ISBN 3-7696-9904-1, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007675-4
- ↑ Johann Auer: Altwege zwischen Abens, Donau und Isar. Kallmünz 1999 (=Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung; 5)