Altstraßen im Bereich der TK 25 6940 Wörth (Donau)
Königsgut an der Donaustraße
Von Schwabelweis und Tegernheim bis Wörth reichte an der sogenannten „Donaustraße“ ein etwa vier Kilometer breiter Streifen entlang der Donau südöstlich von Regensburg, das nach Peter Schmid eindeutig als karolingisches Königsgut zu belegen ist. Die Produkte eines fruchtbaren Ackerbodens dienten vor allem der Versorgung karolingischer Herrscher für deren Aufenthalte in Regensburg wie Karls des Großen, der sich zwischen 788 und 803 mehrfach in Regensburg aufhielt, z.T. sogar über einen längeren Zeitraum. Zwischen Weihnachten 791 und Herbst 793 dauerte sein Aufenthalt fast zwei Jahre.“[1] Bereits unter Herzog Tassilo hatte hat ein gewisser „Opi“ um das Jahr 765 dem Kloster St. Emmeram die Hälfte seines Besitzes auf der bislang nicht identifizierten Insel „Opinesaldaha“ vermacht. Die Urkunde ist gegeben zu Wörth („Uuwerid“) bei der Kirche des Hl. Petrus.[2]
In Wörth an der Donau vermehrte Ludwig der Deutsche mit seiner Schenkung um das Jahre 874 den Besitz der Regensburger Kirche. Mit dieser Urkunde wird auch der umfangreiche Königsforst nördlich der Donau erkennbar, zu dem auch der Wörther Forst gehörte. Aus der Urkunde von 874 wird erkennbar, dass die Regensburger Kirche in dieser Zeit von Wörth aus rodend in den ehemaligen königlichen Forsten tätig wurde. Die Geschlossenheit der königlichen Wälder wurde auch von Norden aus entlang des Wenzenbachs aufgebrochen, wo die Regensburger Kirche ebenfalls Besitz aus herzoglichen bzw. königlichen Schenkungen aufweisen konnte. Insgesamt erhielt die Regensburger Kirche im Lauf der Zeit große Teile der Königsforste nördlich von Wörth und Donaustauf zum Geschenk.[3]
Konflikte um das Reichsgut in Wörth
Allerdings musste sich das Kloster später dieses Territorium mit dem Adel teilen, wie die Auseinandersetzungen des Klosters St. Emmeram mit Altmann von Eglofsheim und der Gemeinde Friesheim im Jahre 1179 belegen, als es um den Standort einer Mühle ging oder ein Jahr später im Streit mit Wernher von Laber. Nach Wörth nennt sich schließlich offenbar ein Ministeriale des Klosters St. Emmeram namens Heinrich („Hanricus de Werde“), der zwischen 1186 und 1190 als Zeuge bei einem Rechtsgeschäft des Klosters erscheint. [4] Kaiser Heinrich VI. hielt sich im Januar 1193 in Regenburg auf. Es ging offenbar um den Streit des Reichsklosters St. Emmeram mit dem Bayernherzog Ludwig um die Macht über die Stadt Regensburg. Auf der „Donaustraße“ reiste Kaiser Heinrich VI. im Januar 1193 von Regensburg nach Wörth Mit dem frühen Tod Kaiser Heinrichs VI. im Jahre 1197 brach die staufische Position im Regensburger Umland zusammen. Im folgenden Streit mit dem Bayernherzog Ludwig, gelang es dem Bischof von Regensburg, die Reichsherrschaften Donaustauf und Wörth zu behaupten. Die Bürgerschaft Regensburgs Regensburg nutzte den Zwist zwischen Kaiser und Herzog, um für sich die Reichsfreiheit zu erlangen. .[5] Ausführlich hat sich Diethard Schmid mit der Geschichte der Reichsherrschaft Wörth beschäftigt.[6]
Entlang der Donaustraße waren vier Kreuzzugsheere unterwegs
Neben Kaiser Heinrich VI. waren auf der Donaustraße nicht nur Römer und deutsche Könige unterwegs. Hier zogen sowohl auf dem Landweg als auch auf dem Fluss die Kreuzzugsheere über die Donau nach Südosten, um schließlich über den Bosporus das Heilige Land zu erreichen. Im Jahre 1096 hatte ein Kreuzzugsheer mit angeblich 15 000 fanatisierten „Gläubigen“ erstmalig Regensburg passiert, um das Heilige Land zu „befreien“.
Im Jahre 1147 begann der zweite Kreuzzug sogar in Regensburg. Beim romanischen Kirchlein in Barbing, es ist dem Kreuzfahrerpatron St. Ägidius geweiht, sammelten sich die Kreuzfahrer, um zu Fuß und zu Schiff nach Palästina zu gelangen. Kreuzfahrer aus Böhmen, Sachsen und der Pfalz hatten sich der Reisegruppe angeschlossen, wie die Chronisten berichten, die sich nicht allein aus religiöse Gründe, sondern auch die Erwartung großer Reichtümer auf die gefahrvolle Reise begaben. Zwei weitere Kreuzzüge sollten in der Folgezeit Regensburg passieren. [7]
Nach Südosten auf der Donau unterwegs waren schließlich Auswanderer aus der Oberpfalz, die auch in Regensburg von Agenten für die Kolonisation des Banats angeworben worden waren. „Die ersten der Tod, die zweiten die Not, die dritten das Brot“, so lautete das Schicksal, das die ersten drei Generationen von Auswanderern erwartete. [8]
Bischöfliche Ministerialen auf der Burg Brennberg
Im Bereich der Karte TK 6939 liegt Brennberg mit seiner Burg. Im Jahre 1171 wird mit Kuno von Brennberg erstmals die Burg erwähnt. Kuno war Ministeriale des Regensburger Bischofs, dem ebenfalls die Burg Wörth gehörte. Später sind die Brennberger zugleich im Gefolge des Staufer Kaisers Friedrich II. sowie Lehensträger der bayerischen Herzöge, doch konnten sie die Oberherrschaft des Bischofs von Regensburg nie ganz abschütteln. Reimar II. von Brennberg war ein berühmter Minnesänger. Mit Reimar IV. starb das Geschlecht im Jahre 1326 aus. Zuvor hatte Reimar noch das Kloster Frauenzell gegründet.[9]
Die Einsiedelei Frauenzell
Die Anfänge des Klosters Frauenzell, heute ein Ortsteil von Brennberg, liegen in einer Einsiedelei. Einsiedeleien sind in der Altwegeforschung weitgehend unbekannte Wegbegleiter von Altstraßen. Sie boten, wie etwa im Einsiedlerforst bei Nittenau, in großen unwegsamen Forstgebieten Reisenden die Möglichkeit zur Rast. Die Einsiedler boten müden Wanderern Unterkunft sowie Speise und Trank, wie es das Gebot der christlichen Nächstenliebe erforderte. So war Frauenzell mit großer Sicherheit eine Station auf dem Weg vom Donautal ins Chamer Becken.
Burg Falkenstein
Ebenfalls im Bereich der Topographischen Karte von Wörth an der Donau liegt die Burg Falkenstein. Auch hier bestanden offenbar enge Beziehungen zum Bischof von Regensburg. Der Bau der Burg Falkenstein erfolgte in einer Zeit, als die Grafen von Bogen die Domvogtei zu Regensburg innehatten. Falkenstein war damit ebenfalls Stützpunkt bei der Kolonisation der Reichsforste zwischen Regensburg, Cham und Straubing. Während mit dem bischöflichen Ministerialen Rudolph von Valckenstein der Ort im Jahre 1129 erstmals erwähnt wird, wurde ein Jahr später die Burg von Herzog Heinrich X. erobert. Auch in diesem Fall könnte die Altwegeforschung weitere Hinweise auf die kolonisatorische Erschließung des Raumes zwischen Donau und Regen liefern.
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6940: Wörth (Donau)
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6940: Wörth (Donau)
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6940: Wörth (Donau)
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6940: Wörth (Donau)
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6940: Wörth (Donau)
Einzelnachweise
- ↑ Peter Schmid: Regensburg – Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Kallmünz 1977, S. 457
- ↑ Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters St. Emmeram. Hrsg. von J. Widemann. München 1943, Nr. 2
- ↑ Peter Schmid: Regensburg – Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Kallmünz 1977, S. 113 - 116
- ↑ Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters St. Emmeram. Hrsg. von J. Widemann. München 1943, Nr. 931, Nr. 945, Nr. 988
- ↑ Peter Schmid: Regensburg – Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Kallmünz 1977, S. 44, S. 113 – 116; S. 504
- ↑ Diethard Schmid: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 41: Das Landgericht Stadtamhof, die Reichsherrschaften Donaustauf und Wörth. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1976, ISBN 3-7696-9904-1, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007675-4
- ↑ Alfred Wolfsteiner: Diese Zeit ist wie keine andere zuvor – In Regensburg versammelten sich die Kreuzritter, in: Alfred Wolfsteiner; Manfred Langer; Angela Heller-Wolfsteiner: Geschichte in Liedern – Eine Zeitreise durch die Oberpfalz. Regensburg 2004, S. 6 - 7
- ↑ Alfred Wolfsteiner: Hölle oder Paradies? – Oberpfälzer Auswanderer in Osteuropa und Nordamerika, in: Alfred Wolfsteiner; Manfred Langer; Angela Heller-Wolfsteiner: Geschichte in Liedern – Eine Zeitreise durch die Oberpfalz. Regensburg 2004, S. 51 - 55
- ↑ https://burgenseite.de/html/brennberg. Abgerufen am 03. September 2025