Altstraßen im Bereich der TK 25 6843 Kötzting

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Baierische und slawische Siedler

Kötzting (seit 2005 Bad Kötzting) am Weißen Regen gelegen, ist einer der zahlreichen -ing-Orte im Umgriff der Cham-Further-Senke. Die Namensform der Orte verweist auf das frühe Siedlungsinteresse der bajuwarischen Agilolfinger an der Grenze zu Böhmen. Allerdings unterscheidet die Siedlungsforschung zwischen „echten“ und „unechten“ -ing-Orten. Die „echten“ -ing-Orte sind mit einem Personennamen gebildet.

Eine Sonderform bildet der Ortsname von Kötzting, das zwar mit einem Personennamen gebildet ist, aber nach Aussage des Sprachforschers Wolfgang Janka möglicherweise mit einem eingedeutschten slawischen Personennamen.

Die Ansammlung von Ortsnamen slawischen Ursprungs in diesem Raum, auch im Bereich von Bad Kötzting (Klobighof, Zeltendorf), sowie eine weitere Reihe deutsch-slawischer Mischnamen lassen eine dichtere Besiedlung durch Westslawen vermuten. Nicht zuletzt sollte die Gründung des Klosters Chammünster im 8. Jahrhundert von Regensburg aus, der Christianisierung der Slawen dienen. Schließlich erfolgte die Gründung des Bistums Prag ebenfalls von Regensburg aus.[1]

Das Tor zur Further Senke

Bad Kötzting, am westlichen Abhang des Keitersbergs gelegen, bildet am Zusammenfluss von Weißem und Schwarzem Regen bei Bleibach das östliche Tor zur Cham-Further-Senke. Die Further Senke in der Nordwestecke des späteren Landgerichts Kötzting war in frühester Zeit eine wichtige Völkerstraße, ein vielbefahrener Handelsweg und zugleich ein militärischer Sammel- und Aufmarschraum. Bereits der Merowingerkönig Dagobert führte seinen Truppen diesen Weg, als er im 7. Jahrhundert gegen Böhmen zog.

An der Grenze gegen Böhmen von Furth bis Eisenstein tobten bis ins 18. Jahrhundert immer wieder harte Auseinandersetzungen, bis schließlich in langwierigen Verhandlungen über den Grenzverlauf im Jahre 1764 ein entsprechender Vertrag geschlossen wurde.

Königsland seit 788

Die Agilolfinger waren nachweislich Grundherren in diesem Grenzland. Nach der Absetzung Tassilos III. im Jahre 788 wurde die Gegend um den Herzogshof Cham Besitz des ostfränkischen Reiches. Das Königtum schuf hier im 10. Jahrhundert eine neue staatliche wehrpolitische Organisation. Sie wird zunächst nur im „Marchfutter“ erkennbar, eine hauptsächlich als Hafer bestehende Abgabe, die die Bauern auf dem Königsland leisten mussten. Offensichtlich wurde hier zum Grenzschutz eine ständige Reiterei unterhalten.

Jenseits der Grenze dienten slawische Wehrbauern, die Choden, als Grenzmiliz (hoditi = patroulieren). Die Choden unterstanden dem Burggrafen von Taus und werden im Jahre 1004 erstmals erwähnt.

Zahlreiche Ministerialenburgen um Kötzting

Orte, in denen das Marchfutter gereicht werden musste, sind mit Ausnahme des erst später besiedelten Lames Winkels, über das ganze Gebiet des späteren Landgerichts Kötzting verteilt. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts wird die bisherige Wehrorganisation durch eine neue ersetzt.

Ihre Träger sind die Ministerialen (Dienstmannen), die im Kötztinger Gebiet auf zahlreichen neuerrichteten Burgen saßen. Alle Inhaber dieser Burgen unterstehen den Markgrafen von Cham, haben aber auch Verbindungen zum Königtum. Im Jahre 1050 schenkte Kaiser Heinrich III. z.B. seinem Königsdienstmann Azelin drei Königshuben in Weißenregen.

Lage in der „Mark Cham“

Im Jahre 1056 ist in einer Schenkungsurkunde Heinrichs III. erstmalig die Rede von der „marcha Champie“, ebenso wie von vier Königshuben in Grasfilzing. Im Jahre 1072 wird Rapoto III. erstmals als Markgraf von Cham erwähnt. Ihm folgt sein gleichnamige Sohn Rapoto IV., der mit der Witwe des Pfalzgrafen Kuno auch das Pfalzgrafenamt erheiratete.

Mit dieser ehelichen Verbindung gehörte er zugleich zur Stifterfamilie des Klosters Rott am Inn. Diese Verbindung sollte für das spätere Landgericht Kötzting noch von Bedeutung werden.

Grenzen der Mark Cham im Osten gegen die Grafschaft Bogen

Im Osten gegen Kötzting hat die Mark Cham den ganzen Bereich des späteren Landgerichts Kötzting umfasst. Die Grenzen der Mark lassen sich mühelos aus der Verbreitung der markgräflichen Dienstmannensitze sowie dem Umfang des Dekanats Cham von 1326 und verschiedenen Herzogsurbaren (Einkünfteverzeichnissen) des 13. Jahrhunderts erschließen. Die Pfarreien Eschlkam, Neukirchen, Rimbach, Kötzting, Moosbach, Lengau (=Chamerau) und Peilstein (=Sattelpeilnstein) bilden demnach in diesem Gebiet die Grenze der Mark Cham, besonders im Süden gegen die Grafschaft Bogen. Es steht damit fest, dass das spätere Landgericht Kötzting tatsächlich ein Teil der „Mark Cham“ gewesen ist.

Unter den Wittelsbachern

Nach dem kinderlosen Tod des diepoldingischen Markgrafen Berthold im Jahre1204 verleibte der Bayernherzog Ludwig die Mark Cham seinem Territorium ein. Im ersten Herzogsurbar erscheint der gesamte Bereich des späteren Landgerichts Kötzting unter den herzoglichen Urbarsgütern. Der Hauptteil des Gerichts ist dem Amt Cham angegliedert, das Gebiet zwischen Landesgrenze und Hohenbogen ist in einem gesonderten Amt Eschlkam zusammengefasst. Das niederbayerische Herzogsurbar, das nach Piendl kurz vor 1269 angelegt worden sein muss, zeigt bereits klare Verhältnisse: Das Gebiet vor dem Hohenbogen gehört zum Gericht Cham, in dem die Vogteien Miltach und Kötzting als besondere Einheiten hervortreten, der Bereich nördlich des Hohenbogen erscheint als selbständiges Gericht Eschlkam.

Folgen der Landesteilungen

Bei der ersten Landesteilung von 1255 kamen die beiden Gerichte an Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern. Als im Jahre 1340 die niederbayerische Linie ausstarb, vereinigte Ludwig der Bayer die beiden Landesteile wieder. Nach dessen Tod einigten sich die Söhne mit dem Pfalzgrafen. Gegen die Zusicherung der Zahlung von 6000 Gulden entsagten diese ihren Ansprüchen auf Niederbayern.

Da die Summe nicht sofort erlegt werden konnte, verpfändeten die Herzöge Stephan, Albrecht und Wilhelm die Stadt Cham samt Gerichtsbezirk und das Gericht Eschlkam mit dem „Winkel“. Für das Gebiet des Gerichts Eschlkam wird hier erstmals die Bezeichnung „Winkel“ genannt, die in der Folgezeit immer wieder in Erscheinung tritt.

Am 1. Juni 1352 weisen die Herzöge ihre Untertanen in beiden Gerichten zur Huldigung und zum Gehorsam an Pfalzgraf Rupprecht bis zur Einlösung des Gebietes an. Im Teilungsvertrag vom 3. Juni 1353 fiel das Lösungsrecht den Herzögen Albrecht und Wilhelm zu, den Begründern des Herzogtums Bayern-Straubing. Unter den dort beschriebenen Gebieten erscheint auch der Markt Kötzting „und was dazugehört“.

Neue Organisation des Gerichts

Als es am 28. April 1361 Herzog Albrecht gelang, die Pfandschaft Cham von den Pfälzer Vettern wieder einzulösen, ist darunter auch Kötzting „und die Pfarr daselbst“. Eingelöst wurde demnach das geschlossene Gericht Eschlkam, vom Gericht Cham dagegen nur der östliche Teil, der mit den Pfarreien Sattelpeilnstein, Kötzting, Rimbach, Chamerau, Miltach, Blaibach, Moosbach und einzelnen Dörfern der Pfarrei Runding abgegrenzt wird. Durch die Zerschlagung des Gerichts Cham wurde in dem von Bayern-Straubing eingelösten Teil die Organisation eines neuen Gerichtsbezirkes erforderlich.

Im Jahre1371 erscheint bereits ein Friedrich Zenger als Richter in Kötzting, das zugleich als Schrannenort Erwähnung findet. Allerdings wird die Kötztinger Schranne bereits im Marktprivileg von 1344 erwähnt. Als höhere Instanz ist die Chamer Schranne der Kötztinger Schranne übergeordnet.

Landgerichte Kötzting und Eschlkam

Als das Straubinger Erbe im Jahre 1429 geteilt wird, erscheint im Viertel des Erbteils von Herzog Wilhelm (Bayern-München) laut Vertragsurkunde auch Markt und Landgericht Kötzting. Es bestanden demnach zwei gleichwertige Landgerichte: Eschlkam für das Gebiet zwischen Hohenbogen und Landesgrenze und das Gericht Kötzting für den östlichen Teil des ehemaligen Gerichts Cham.

Anfangs hatte der Pfleger des neuorganisierten Gebietes Kötzting seinen Sitz auf der Burg Peilstein, Kötzting selbst aber war Sitz der Schranne und des Landrichters. So wechselte bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert die Gerichtsbezeichnung zwischen Kötzting und Peilnstein.

Über die tatsächlichen Verhältnisse informiert eine Nachricht aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, das Heinrich Nothafft zu Runding, künftig seinen Dienstsitz im Kirchhof zu Kötzing nehmen wolle und das Schloss Peilnstein künftig durch einen „Diener“ versehen werde.[2]

Kirchenburg Kötzting

Unter dem „Kirchhof“ in Kötzting ist nach Piendl eine Kirchenburg zu verstehen, wo vermutlich schon im ausgehenden 12. Jahrhundert Ministerialen der Markgrafen von Cham ihren Sitz hatten. Dieses System der Kirchenburg ist ebenfalls wieder nach Piendl als Besonderheit des Grenzgebietes anzusehen, da ähnliche Anlagen in Furth, Eschlkam und Neukirchen bezeugt sind. Sie könnten Teil einer Wehrverfassung sein, die von den Herzögen im 13. und 14. Jahrhundert eingeführt wurde. Außerdem ist anzunehmen, dass seit dem Teilungsvertrag von 1429 das „Gericht im Winkel“, also Eschlkam, zum Landgericht Kötzting gehörte. [3]

Flößereirecht der Kötztinger Bürger seit 1344

Nach der bereits oben genannten Urkunde von 1344 mit der Marktrechtsverleihung durch Ludwig den Bayern besaßen die Bürger Kötztings das uneingeschränkte Recht, auf dem Regen Holz flößen zu dürfen. Berechtigt nach dem Freiheitsbrief sind dabei drei Höfe, 36 Bürgerlehen und 12 Sölden (Kleinanwesen). Das Holz stammte offenbar aus dem Bereich des Hohenbogen, wo die Kötztinger umfangeiche Waldbesitzungen inklusive dem Jagdrecht besaßen. Ziel des auf dem Weißen Regen getrifteten Holzes war vor allem Cham, aber auch Regensburg.

Organisation der Flößerei und Trift auf dem Regen

Nach dem Fällen wurde der Stamm entastet und mit der Säge zu „Blöchern“ mit drei bis sechs Metern Länge zugeschnitten. Schwächere Hölzer zerteilte man in Stücke von einem Meter Länge. Aus den 60er und 70er Jahren des 16. Jahrhunderts liegen genau Aufzeichnungen über Abgaben für das „Fludern“ und „Triften“ auf dem Weißen Regen vor. Vor allem Müller scheinen für den Holztransport zuständig gewesen zu sein. Auch waren sie es, die in der Mehrzahl Schneidesägen betrieben.

Von den einst 46 triftberechtigten Bürgern Kötztings waren im Jahre 1769 noch neun übriggeblieben. Das wissen wir aus einem Rechtsstreit, als die kurfürstliche Hofkammer die Scheitholztrift auf dem Regen forcieren wollte. Im Jahre 1775 waren es mehrere tausend Klafter Holz, die den Lagerplatz bei Reinhausen, das über den Regen Regensburg erreichte.

Geschichte der Flößerei auf dem Regen

Mindestens seit der ersten Jahrtausendwende dürfte Flößerei auf dem Regen üblich gewesen zu sein. Mit der Abschrift eines Vertrages zwischen dem Regensburger Burgrafen Pabo und Abt Ramwold von St. Emmeram besitzen wir einen Beleg für Flößerei auf dem Regen. Im Jahre 990 überlässt der Burggraf dem Kloster am Ufer des Regen beim Ort Maganaspah (Untermainsbach) einen Holzlagerplatz sowie am Fluss eine Fläche, um dort Flöße zusammenzustellen.

Ob das Holz damals bereits aus dem Lamer Winkel und dem Hohenbogen kam, ist nicht eindeutig zu klären. Auf jeden Fall scheint St. Emmeram in Regensburg eine gewichtige Rolle im Holzhandel der damaligen Zeit und dem Warentransport auf den Flüssen besessen zu haben. Für den am Regen liegenden Adel war die „Fluttermaut“ im 15. und 16. Jahrhundert ebenfalls ein einträgliches Geschäft.[4]

Altstraßen um Kötzting

Neben dem Fluss Regen als „Wasserstraße“ gibt es zwei Landwege an die Donau, die durch diesen Raum führen: Neben dem Altweg von Taus über die Cham-Further Senke und den Stallwanger Sattel mit dem Ziel Straubing (Dollacker Nr. 67) existiert eine zweite Altstraße zu Donau, der sogenannte „Baierweg“.[5]

Der Baierweg

Der Baierweg führt von Mariaposching am nördlichen Ufer der Donau über Sankt Engelmar, Viechtach, Bad Kötzting und Furth im Wald nach Böhmen. Ziel war offenbar Taus. Der Baierweg führt von Kötzting aus weiter nach Norden. Hinter Thenried verzweigt sich die Trasse des Baierwegs, wobei eine Spur in Richtung Eschlkam führt, die andere über Furth nach Taus.

Im Bereich dieser Altstraße finden sich etliche deutsch-slawische Mischnamen mit der Integration slawischer Personennamen. Wolfgang Janka kommt bei den Ortnamen zu dem Ergebnis, dass der Baierweg im späten Frühmittelalter von Baiern und Slawen stark genutzt wurde und zugleich als Leitlinie der Besiedlung fungierte. Janka kommt bei der Deutung des Ortsnamens Kötzting zu dem Ergebnis, dass der Siedlungsname ein mit dem Suffix -ing abgeleiteter Mischname im Zusammenhang mit einer am Weißen Regen orienentierter baierischen Siedlungsbewegung gesehen werden kann, wobei die Einbeziehung von Slawen möglich sei.

Deutung des Namens „Baierweg“

Im benachbarten Niederbayern veranschaulicht der Siedlungsname Baierweg (Gemeinde Kollnburg, Lkr. Regen), dass Namen von alten Fernwegen auf Siedlungen übertragen werden konnte. Die Bedeutung „Weg der Baiern“ kann der Weg von Bayern in den Böhmerwald bzw. umgekehrt interpretieren.

Etwa 1,5 km südlich des Ortes Baierweg findet sich der Siedlungsname „Hochstraß“ als Hinweis auf eine Straße von überregionaler Bedeutung, die auf den Höhen fortzieht.[1]

Spuren im digitalen Geländemodell

Die Deutung der zahlreichen Spuren im digitalen Geländemodell am Kaitersberg und des Geländes zwischen Weißem und Schwarzem Regen kann nur durch Augenschein erfolgen. Allerdings scheinen aus dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft Bogen und dem späteren Landgericht Viechtach eine Reihe von Hohlwegetrassen von Südwesten nach Nordosten geführt zu haben.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Wolfgang Janka: Altstraßen und frühmittelalterliche Ortsnamen in der Oberpfalz. In: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner: Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. Hrsg.: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7917-3279-4, S. 34-44
  2. Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 5: Das Landgericht Kötzting. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1953, ISBN 3-7696-9806-1, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007652-7, S. 2-12
  3. Bernhard Ernst: Burgenbau in der südöstlichen Oberpfalz vom Frühmittelalter bis zur frühen Neuzeit. Teil 1. Büchenbach 2003, S. 131 - 138
  4. Alfred Wolfsteiner: Fluderer-Manner mit da langa Stanga. In: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner: Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. Hrsg.: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7917-3279-4, S. 120-131
  5. Dietrich J. Manske: Der Baierweg, seine Verzweigungen und die Zuordnung der einzelnen Abschnitte in den zeitgeschichtlichen Kontext. Eine interdisziplinäre Zusammenschau archäologischer, historischer, heimatgeschichtlicher Forschungsergebnisse, in: Ludwig Husty u.a. (Hg.): Zwischen Münchshöfen und Windberg. Rahden 2009, S. 457 - 474