Altstraßen im Bereich der TK 25 6842 Miltach
Lage an zwei Bundesstraßen
Die Altwegekarte Miltach wird heute von zwei wichtigen Bundesstraßen durchzogen: Die B 20 und die B 85. Während sich die erstere von Südwesten nach Nordosten orientiert, verläuft die B 85 entlang des Pfahls von Nordwesten nach Südosten. Im nördlichen Bereich der TK 6842, bei Cham, kreuzen sich diese beiden Straßen von überregionaler Bedeutung. Sie orientieren sich bis heute an einstigen Altwegetrassen. Die B 20 verläuft entlang der Altstraße von Straubing über den Stallwanger Sattel nach Cham und weiter nach Furth. Sie führt der Altwegeforscher Anton Dollacker als Nr. 67. Die andere Altstraße, bei Anton Dollacker als Nr. 61 nur vermutet, verläuft von Schwandorf entlang der heutigen B 85 ebenfalls nach Cham und von da weiter entlang des Pfahls bzw. des Regen über Viechtach bis zum Endpunkt Passau und stellt damit die Verbindung in den unteren Bayerischen Wald her. Zum Teil ist die Trasse der B 20 identisch mit dem sogenannten „Baierweg“, der von Mariaposching an der Donau über Viechtach und Kötzting nach Furth i. W. bzw. Eschlkam führt.
-ing-Orte belegen frühe Siedlungstätigkeit
Das Gebiet zwischen Miltach und Cham fand bereits in der Zeit der Frühzeit der Agilolfinger das Interesse der bayerischen Herzöge wie die zahlreichen -ing-Orte dieses Raumes belegen.
Als schließlich Herzog Odilo im Bereich der späteren Markgrafschaft Cham das Kloster Chammünster gründete (es sollte wohl der Slawenmission dienen), stattete er dieses Kloster sehr großzügig mit einem rund 50 Quadratkilometer großen Gebiet aus, an dessen östlicher Grenze Miltach lag.[1]
Ausstattung für Chammünster
Fassbar wird dieses Ausstattungsgut im Jahre 819, als Teile des Gebietes von rodenden Bauern des Janahofes, jetzt Ortsteil der Stadt Cham, beansprucht wurden. Es kam zum Streit über die Grenzen und der Regensburger Bischof Baturich führte eine Bereisung entlang der Grenzen durch. Baturich war zugleich Abt des späteren Reichsklosters St. Emmeram und zugleich des Mutterklosters dieser bedeutenden Regensburger Abtei. Das Protokoll dieser Ortsbegehung im Dezember 819 hat sich als eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse der bayerischen Geschichte erhalten und ist damit ein wichtiges Dokument für den Raum um Miltach. Das vom Herzog geschenkte Gebiet liegt südlich des Regen zwischen den Bächen Janabach und dem Rettenbach, der bei Miltach in den Regen mündet.[2]
Nach der Absetzung des Bayernherzogs Tassilo durch Karl den Großen im Jahre 788 wird das Gebiet um Cham Königsland und dort im 10. Jahrhundert unter den Ottonen eine wehrpolitische Organisation, eine militärische Mark („marcha Camba versus Boemiam“) errichtet. Analog gilt das Gleiche auch für die Mark Nabburg. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts wird die bisherige Wehrorganisation durch eine neue ersetzt. Ursache waren die Konflikte Kaisers Heinrich III. mit Böhmen im Jahre 1050. Auf böhmischer Seite siedelten zur gleichen Zeit an der Grenze Wehrbauern, die Choden.[1]
Zahlreiche Ministerialenburgen um Cham
Um die Reichsburg Cham als Mittelpunkt des gesamten Befestigungsnetzes entstand ein dichter Gürtel von Burgen, auf denen Ministerialen (Dienstmannen) angesetzt werden. Im Kötztinger Gebiet liegen die Dienstmannenburgen Haidstein, Lengau-Chamerau, Sattelpeilnstein, Zandt, Miltach, Kötzting, Grafenwiesen, Hohenwarth, Zenching, Furth und Eschlkam. Die zahlreichen Hohlwegsysteme scheinen in einem direkten Bezug zu den zahlreichen Burgen zu stehen.[3]
Vom Schergenamt zur Hofmark
Über das Geschlecht der Rapotonen-Diepoldinger als Markgrafen (Rapoto III. ist im Jahre 1073 erstmals als „comes de Cambe“ bezeugt) kam die Mark Cham schließlich nach dem kinderlosen Tod von Markgraf Berthold im Jahre 1204, vermutlich auf dem Erbwege, an den bayerischen Herzog Ludwig. Im Traditionsbuch des Klosters Reichenbach ist ein Heinrich von Miltach (Heinricus de Miltha) als Zeuge bei einer Auflassung Bertholds II. von Vohburg genannt. Für das Kloster Reichenbach bezeugt Heinrich um 1180 noch eine weitere Übergabe Bertholds II. an das Kloster. Die Zeugenstellung Heinrichs von Miltach deutet in beiden Fällen auf eine Zugehörigkeit zum diepoldingischen Gefolgschaftsverband hin.[4]
Im ersten Herzogsurbar (Einkommensverzeichnis) erscheint der gesamte Bereich des späteren Landgerichts Kötzting unter den herzoglichen Urbarsgütern. Als Untergliederung des Amtes Cham werden später die herzoglichen Ämter Kötzting und Eschlkam genannt. Die kirchliche Organisation belegt, dass die Pfarrei Miltach, mit anderen Pfarreien, einst die östliche Grenze der Mark Cham bildete.
Das niederbayerische Herzogsurbar von 1269 zeigt bereits klare Verhältnisse. Dabei wird das Gebiet vor dem Hohenbogen ausdrücklich im Gericht Cham genannt. Als besondere Untergliederung wird ein eigener Amtsbezirk, das Schergenamt Miltach, mit einem eigenen Amtmann erwähnt. Ihm war ein größeres Hinterland am Regen zugehörigWährend im Urbar von 1269 noch von einer „Vogtei“ Miltach die Rede ist, taucht in den Urbaren kurz nach 1300 nur noch die „Hofmark Miltach“ auf.[5]
Bei der ersten bayerischen Landesteilung im Jahre 1255 kamen die Gerichte Cham und Eschlkam an Niederbayern. Bei einem Rechtsstreit nach der Landesteilung erhoben die Pfälzern ebenfalls Ansprüche auf das Gebiet und es kam zu Verpfändungen. Beim Rückkauf des an die Pfälzer Verwandtschaft verpfändeten Territoriums durch Herzog Albrecht im Jahre 1361 wird unter diesen ausdrücklich auch die Pfarrei Miltach genannt. Die im Vertrag von 1361 genannte Grenzführung hat sich bis ins 18. Jahrhundert erhalten.[6]
Die Hofmark Miltach
Die Hofmark Miltach war eine „geschlossene“ Hofmark. Die Hofmarksgerechtigkeit ist ein altes Recht auf die niedere Gerichtsbarkeit und sonstigen Rechten verbunden, wie etwa das Scharwerk, das Musterungsrecht, das Steuereinhebungsrecht oder die Ordnungspolizei. Der Hofmarksherr einer geschlossenen Hofmark besaß diese Gerichtsbarkeit ausdrücklich über sämtliche Einwohner einer Hofmark. Im Gegensatz zu einer offenen Hofmark, in der nicht alle Bewohner einer Hofmark untertänig waren.
Umfang der „Vogtei“ Miltach
Seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert treten die Miltacher als Ministerialen der Markgrafen von Cham auf. Zur „Vogtei Miltach“, im beginnenden 14. Jahrhundert erwähnt, gehören neben dem Dorf weitere Güter in Höhrenried, Staning, Oberndorf, Flammried, Kreuzbach, Anzenberg, Allmannsdorf, Gilling, Roßberg und Bärndorf. Alle diese Güter hatte zu diesem Zeitpunkt der Chamerauer inne. Eine Ausnahme bildeten nur Flammried und Bärndorf, die dem Sattelbogner gehörten.
In der Folgezeit kam die Hofmark Miltach immer wieder an neue Besitzer, meist aus dem niederen Adel. In einer Beschreibung von 1752 werden die einst unter der Hofmark Heitzelsberg genannten Güter unter der Hofmark Miltach und dabei im Besitz der Familie Schönbrunn geführt. Im 19. Jahrhundert ist Miltach ein Patrimonialgericht II. Klasse. Miltach gilt damit als eine der ältesten Hofmarken des Landgerichts Cham.[7]
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6842: Miltach
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6842: Miltach
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6842: Miltach
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6842: Miltach
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6842: Miltach
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 8: Das Landgericht Cham. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1955, ISBN 3-7696-9809-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007649-4, S. 2-11
- ↑ Stephan Freund: Von Ohr zu Ohr. In: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner: Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. Hrsg.: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7917-3279-4, S. 83-98
- ↑ Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 5: Das Landgericht Kötzting. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1953, ISBN 3-7696-9806-1, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007652-7, S. 2
- ↑ Tobias Küss: Die älteren Diepoldinger als Markgrafen in Bayern (1077 – 1204): Adelige Herrschaftsbildung im Hochmittelalter. München 2013, S. 304
- ↑ Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 5: Das Landgericht Kötzting. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1953, ISBN 3-7696-9806-1, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007652-7, S. 3
- ↑ Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 8: Das Landgericht Cham. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1955, ISBN 3-7696-9809-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007649-4, S. 10-12
- ↑ Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 5: Das Landgericht Kötzting. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1953, ISBN 3-7696-9806-1, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007652-7, S. 48-49