Altstraßen im Bereich der TK 25 6841 Roding
Am Regen und der an ihm entlanglaufenden Straße von Regensburg über Cham und Furth nach Pilsen und Prag ist das Zentrum des Königsgutes der fränkischen und seit dem 10. Jahrhundert der deutschen Könige, welches siedlungsgeschichtlich durch eine Anzahl von -ing-Orten, den ältesten bayerischen Siedlungen, gekennzeichnet wird. Diese Strecke bildet die Verbindungslinie zentraler Punkte, da an ihr die Krongüter Ramspau, Nittenau, Roding und Cham liegen, so dass der Zusammenhang einer in Ansätzen greifbar werdenden „Königsstraße“ sichtbar werden. Der Königshof Roding diente, zusammen mit Nittenau, ganz offensichtlich der Sicherung des nach Böhmen führenden Weges.[1]
Der Königshof Roding
Die erste urkundliche Nachricht von Roding stammt vom 15. September 844, als König Ludwig der Deutsche „ad Rotachin“ eine Urkunde ausstellte, wodurch Roding als Königsaufenthalt der Karolinger ausgewiesen ist. Die exponierte Lage des spätkarolingischen Königshofs am Westausgang des Chamer Beckens zum Schutz des Einfallstors nach Böhmen wird nach Bosl hier besonders evident.[2]
Das Königsgut zu Roding knüpft an das Herzogsgut zu Chammünster an, welches sich bereits unter Herzog Odilo, also schon vor 748, in den Händen der Agilolfinger befand, wie dem Umritt des Regensburger Bischofs Baturich vom 14. Dezember 819 zu entnehmen ist. Dies sprich für das große Interesse, das bereits die Agilolfinger für dieses Grenzgebiet an der Further Senke zeigten und die Bindung dieses Raumes an die herzogliche Pfalz in Regensburg.[3]
Am 2. August 896 dotierte de ostfränkische Kaiser Arnulf von Kärnten die von ihm zu Roding erbaute und St. Jakob d. J. und St. Pankraz geweihte königliche Kapelle mit zwei unbebauten Hufen (größeren landwirtschaftlichen Gütern) und sechs Mansen (kleineren Hofstellen) zu Pösing mit allen Zugehörungen. Hierdurch ist Roding als spätkarolingischer Königshof ausdrücklich bezeugt. Dieser lag am linken Regenufer, über den schließlich eine Brücke führte, die im Jahre 1301 erwähnt wird. Die Anlage des Königshofes lässt sich als fast rechteckiges Areal in der Form eines typischen Doppelquadrats bis heute erschließen.[2]
Im Besitz der Bistümer Freising und Bamberg
König Heinrich II. schenkte die mit Besitzungen zu Pösing ausgestattete königliche Kapelle wohl um 1002 an die Alte Kapelle zu Regensburg. Mit dieser ging auch die Kapelle in Roding und ihre Besitzungen am 1. Juni 1009 an das neugegründete Bistum Bamberg über.
Bereits am 9. September 1003 hatte Heinrich das ganze Dorf Roding und alles, was einer gewisser Megingoz dort in seinem Amtsbezirk zur Verwaltung innehatte, samt dem östlich von Roding gelegenen Wald Eisenhart dem Hochstift Freising überlassen. Außerdem hatte er ihm das ganze Dorf Dicherling und das ganze Dorf Zenzing geschenkt. Am gleichen Tag übergab Heinrich diesem Reichsstift drei weitere Orte: Hötzing, Scharlau, Pösing (ausgenommen der Rabenau, am Aubach zwischen Pösing und Frieding gelegenen und wohl weitgehend mit den oben erwähnten zwei Hufen identisch).
Diese Besitzungen waren zum Teil Zugehörungen des Königsgutsbezirkes Roding, zum Teil aber auch des Königshofes Cham. Infolge dieser Schenkungen gingen große Gebiete des Königsgutes Roding, zum Teil ganze Königsgutskomplexe, an die Reichskirche über. Aus diesen Schenkungen wird in etwa der Umfang des Königsgutes Roding ersichtlich. Das Siedlungsgebiet mit etlichen siedlungsleeren Forsten um Roding und entlang des Regen war um die erste Jahrtausendwende offensichtlich nur sehr dünn besiedelt.[4]
Königsforsten werden langsam besiedelt
Allerdings wurde wohl um das Jahr 1000 langsam damit begonnen die königlichen Forsten, die sich vom Regental mit den Zentren Cham, Roding und Nittenau nach Osten bis Österreich erstreckten, von den Rändern her aufzubrechen. Wie wir aus einer Urkunde Ludwigs des Deutschen wissen, drang die Regensburger Kirche von Wörth aus rodend in den Forst ein. Aus dem Tal des Wenzenbachs heraus bedrohten bischöfliche Dienstleute aufgrund königlicher bzw. herzoglicher Schenkungen die Geschlossenheit des Königsforstes zwischen Donau und Regen durch Rodung und Siedlung. Auch das dichte Waldgebiet zwischen Falkenstein und Roding dürfte nach 1000 langsam erschlossen worden sein.[5]
Im Besitz der Wittelsbacher
Das Reichskirchengut konnten die Wittelsbacher nach 1250 in ihren Besitz bringen. In der Folgezeit ging ebenfalls ehemaliges Reichskirchengut um Roding an verschiedene Klöster, wie etwa Reichenbach und Prüfening. Auch werden im 12. Jahrhundert verschiedene Reichsministerialen genannt, die sich nach Roding benennen, wie etwas ein gewisser Tagino oder ein Herbort de Rotingen.
Das herzogliche Amt Roding
Auf welchem Weg der einstige Königsbesitz um Roding im größeren Umfang in den Besitz der Wittelsbacher gekommen ist, ist nicht genau bekannt. Vermutet wird die Herkunft des Besitzes aus dem Erbfall der älteren Diepoldinger (1204) und mit dem Untergang des staufischen Hauses im Jahre 1268 und des Reiches, die durch Reichsministerialen zu Wetterfeld und Regenpeilstein in königliche Verwaltung genommen worden waren. An sie konnten die Wittelsbacher bei ihrer Ämterbildung anknüpfen. Im herzoglichen Urbar (Güterverzeichnis) von 1285 wird Wetterfeld als wittelsbachischer Amtssitz genannt, zu dem auch das inzwischen zum Markt erhobene Roding gehörte. Das gemeinsame Amt lag in dem im Jahre 1255 entstandenen Teilherzogtum Oberbayern. Im zweiten Urbar aus der Zeit 1326 erscheint zudem ein weiteres herzogliches Amt, ein kleineres Amt mit der Burg Regenpeilstein als Zentrum.
Der Umfang des Amtes Wetterfeld
Im Urbarium von 1285 umfasste im Amt Wetterfeld der herzogliche Besitz bzw. Rechte und Einkünfte daraus an folgenden Orten: Wetterfeld, Markt Roding, Thannhof, Angermühle, Fuchshof, Kollenzendorf, Saalhof, Hitzelsberg, Grub, Wenzenried, Gmünd, Flischbach, Regenpeilstein. Regenpeilstein wird im zweiten Urbar von 1326 als eigenes Amt geführt. Dazugehörig sind dabei: Ziehring, Wacherling, Wiesing, Oberlintach, Oberprombach, Unterprombach, Triftersberg, Hinterhaunried, Regenpeilstein, Rothenbirl, Unterlintach.[6]
Das Pflegamt Wetterfeld
Die Wittelsbacher bauten im 13. und 14. Jahrhundert im Verlauf von Zentralisierungsbestrebungen ihren Besitz um Roding und Wetterfeld aus. Um 1400 ist Wetterfeld der Sitz eines gleichnamigen wittelsbachischen Pflegamts und gehörte dabei zum Vitztumamt Burglengenfeld auf nächst höherer Verwaltungsebene, während auf unterer Ebene der Richter bzw. spätere Pfleger in Wetterfeld saß.
Das Vitzthumamt Burglengenfeld gehörte seit der Landesteilung von 1255 zu Oberbayern, kam aber mit dem Hausvertrag von 1329 zur pfälzischen Linie der Wittelsbacher. Von 1410 bis 1499 gehörte das Amt Wetterfeld zum Teilfürstentum Pfalz-Neunburg-Neumarkt und war anschließend Teil des Fürstentums der Kurpfalz, deren Hauptstadt Amberg war (bis 1621). ref>Ingrid Schmitz-Pesch: Roding. München 1986, S. 171 - 202 (=Historischer Atlas von Bayern/Altbayern; 44) </ref>
Der Richter zu Wetterfeld saß zunächst auf dem Schloss Wetterfeld. Für das Jahr 1326 wird hier ausdrücklich ein „castrum“, also eine Burg, genannt. In Wetterfeld waren im 15. Jahrhundert ausdrücklich vier Burggüter genannt, die sich im Lauf der Zeit auf zwei reduzierten. Das Schloss in Wetterfeld, ein Wasserschloss, wurde im 30jährigen Krieg zerstört. Im Jahre 1803 verlegt man den Sitz des Rentamts von Wetterfeld nach Roding. </ref>Roding, in: Georg Hager: Bezirksamt Roding. München 1905. Nachdruck 1981, S. 208 (Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg; 1) </ref>
Die Königsstraße durch das Regental
Nach Auskunft des Historikers Peter Schmid wird unter den Karolingern (und auch noch später) vor allem eine für die Kreuzzüge gegen Böhmen bedeutende Straße von Regensburg durch das Regental nach Cham und über Furth und Pilsen zur Herzogs- und Königsstadt Prag in Ansätzen als Königsstraße fassbar, als Ludwig der Deutsche im Jahre 844 von Regensburg nach Roding seinen Weg durch das Regental nahm. Zusammenfassend kann man behaupten, dass Regensburg unter den Karolingern einer der wichtigsten, wenn nicht gar der wichtigste Verkehrsknotenpunkt im Netz der Königsstraßen war.
Nach dem Tod Heinrichs II. entwickelte sich die Lage zu Böhmen zunehmend kritisch. Kaiser Heinrich III. unternahm zwischen 1039 und 1041 mehrere Feldzüge nach Böhmen. Erneut übernahm Regensburg die Funktion als Sammelplatz der Heere, die von Bayern nach Böhmen vorstießen und als Verhandlungsort vor und nach den Feldzügen diente. Sowohl als Aufmarsch- als auch als Rückzugsstraße fungierte die Trasse nach Prag, an der sich die Krongüter Ramspau, Nittenau, Roding und Cham aufreihten. Zur Sicherung dieser Trasse hatte Heinrich schließlich die kaiserliche Mark Cham gegründet und die Königsgüter um Cham zusammengefasst.
Nach Beendigung der Auseinandersetzungen mit Böhmen verlor die Straße durch das Regental wieder ihren Charakter als Königsstraße. Die Staufer bevorzugten die weiter nördlich liegende Linie von Nürnberg nach Eger, wo sich ein breiter Streifen Königsgut hinzog.[7]
Das dichte Wegenetz zwischen Falkenstein im Süden und Roding im Norden dürfte bereits aus der Zeit der Kolonisationsbestrebungen nach 1000 stammen, ebenso wie die von Südwesten nach Nordosten ausgerichteten Hohlwege nördlich Michelsneukirchen und westlich Traitsching an der B 20.
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6841: Roding
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6841: Roding
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6841: Roding
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6841: Roding
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6841: Roding
Einzelnachweise
- ↑ Ingrid Schmitz-Pesch: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 44: Roding, die Pflegämter Wetterfeld und Bruck. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1986, ISBN 3-7696-9907-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007676-9, S. 2-4
- ↑ 2,0 2,1 Ingrid Schmitz-Pesch: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 44: Roding, die Pflegämter Wetterfeld und Bruck. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1986, ISBN 3-7696-9907-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007676-9, S. 21-23
- ↑ Stephan Freund: Von Ohr zu Ohr: Einblicke in die pragmatische Kommunikation in Ostbayern, in: in: Auf alten Wegen durch die Oberpfalz, Hrsg. von Tobias Appl und Alfred Wolfsteiner. Regensburg 2022, S. 83 - 98
- ↑ Ingrid Schmitz-Pesch: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 44: Roding, die Pflegämter Wetterfeld und Bruck. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1986, ISBN 3-7696-9907-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007676-9, S. 21-22
- ↑ Peter Schmid: Regensburg. Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Kallmünz 1977, ISBN 3-7847-4006-5, S. 115
- ↑ Ingrid Schmitz-Pesch: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 44: Roding, die Pflegämter Wetterfeld und Bruck. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1986, ISBN 3-7696-9907-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007676-9, S. 52-58
- ↑ Peter Schmid: Regensburg. Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Kallmünz 1977, ISBN 3-7847-4006-5, S. 35