Altstraßen im Bereich der TK 25 6234 Pottenstein
Geografie
Die Stadt Pottenstein liegt im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. In der Nähe des Gemeindeteils Hohenmirsberg liegt mit der Hohenmirsberger Platte (614 m) einer der höchsten Punkte der Fränkischen Schweiz. Durch den Ort selbst liegt auf 368 m und wird von der Püttlach durchflossen, in der Haselbrunnbach und der Weihersbach münden
Verkehrslage heute
Pottenstein liegt an der B 470, die die Stadt Forchheim mit Weiden in West-Ost-Richtung verbindet. Seit 1958 wird der Ort dabei umgangen. Über die Bundesstraße B 2 erfolgt ein Anschluss an die A9 bei Pegnitz.
Siedlungs- und Verkehrsgeschichte
Im ausgehenden Mittelalter erlebte Oberfranken, besonders in seinen östlichen Teilen eine Blütezeit. Grund war die gewinnbringende Ausbeutung der Bodenschätze und des Waldes, die Brückenlage zu den wettinischen, böhmischen und den wittelsbachischen Landen, die „Wechselwirkung“ mit Nürnberg und Eger und schließlich die politische Verklammerung Böhmens mit dem Reich zur Zeit der Luxemburger. Die Fernverkehrs- und Geleitstraßen jener Zeit liefen zwischen Erfurt – Nürnberg – Augsburg.[1]
Parallel dazu lief eine Trasse nach Nordosten über den Thüringer und Frankenwald, sowie durch das Fichtelgebirge und den Oberpfälzer Wald. Emmerich sieht die oberen Mainlande im 11. Jahrhundert als Durchgangsraum wichtiger Fernverbindungen von Würzburg über Bamberg und Eger nach Prag. Die Bedeutung dieser mittelalterlichen Trassen belegen die zahlreichen Burgen im Bereich dr Fränkischen Schweiz und des Oberpfälzer Waldes.[2]
Aus der Geschichte von Pottenstein
Die Geschichte Pottensteins lässt sich bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 918 nachvollziehen. Die Burg wurde um 1060 von Graf Boto von Pottenstein (1028 – 1104) erbaut. Die Stadt selbst erhielt 1323 die Stadtrechte und war Sitz eines Obervogtamts des Hochstifts Bamberg.
Boto von Pottenstein war der letzte männliche Vertreter der pfalzgräflichen Linie des hochadeligen Geschlechts der Aribonen und Bruder des 1055 abgesetzten Pfalzgrafen Aribo II. Die Aribonen hatten Besitzungen an der ungarischen Grenze, in der Steiermark und Kärnten, im Salzburggau, im Raum Freising, um Regensburg und auch im Nordgau. In den Jahren 1053/54 schlossen sich die Brüder Aribo und Boto dem Aufstand Herzog Konrads von Bayern gegen Kaiser Heinrich III. an. Beide verloren nach der Niederschlagung des Aufstands Güter und Lehen an die Bistümer Salzburg und Eichstätt, darunter waren Weinberge um Regensburg und Gebiete im Nordgau.
Boto heiratete schließlich Judith, eine Schweinfurter Erbin, die junge Witwe des verstorbenen bayerischen Herzogs, und kam durch sie zu Besitzungen im östlichen Franken, darunter auch das nach ihm benannte Pottenstein. Im Jahre 1074 nennt er sich in einer Kaiserurkunde ausdrücklich Graf „von Botenstein“. [3]
Die ehelichen Verbindungen der fünf Töchter des Otto von Schweinfurt in alle möglichen Teile des Reiches lassen neben den familiären Beziehungen auf die Existenz zahlreicher kommunikativer Verkehrswege innerhalb des Reiches und seiner Nachbarn im Hochmittelalter schließen.
Darunter waren auch Wege nach Osten, wie etwa die Straße nach Eger, die von Forchheim aus quer durch die Fränkische Schweiz über Kemnath nach Böhmen führte und bei der Verleihung eines größeren Gebietes an den Reichsadeligen Otnant von Eschenau im Jahre 1061 ausdrücklich als Grenze der Schenkung genannt wird („die Straße, die von Eger kommt“). [4]
Die „Eger-Straße“: Der Abschnitt zwischen Forchheim und Kemnath
Nach Manske entspricht der Verlauf der „Egerer Straße“ von Forchheim bis Kemnath entspricht in etwa dem heutigen Verlauf der Bundesstraße B 470. [5] Nach Kröll kommt die Altstraße aus Würzburg und führt über den Forchheimer Ortsteil Burk, Serlbach, Nieder-Weilersbach, Pretzfeld, Lützeldorf, Wannbach, Urspring, Morschreuth, Heidekreuz, Kleingesees, Regenthal, Kühlfels, Bronn, Horlach, Stein, Weidelwang nach Steinamwasser.
Ein Blick auf die topographische Karte zeigt, dass es sich dabei um einen ausgesprochenen Höhenweg handelt, der nach einem Steilaufstieg zwischen Urspring und Morschreuth der Albabdachung zum Pegnitztal hin folgt.
Am Abstieg ins Pegnitztal zählt List (2006) zwischen Stein und Weidelwang 14 bis 16 Fahrspuren. Weitere Spurenreste zeigen sich am „Seidelloher Holz“ bei Altzirkendorf und bei Kirchenthumbach. Kröll vermutet weitere, parallel verlaufende Trassen des Südost-Nordwest-System mit dem Fernziel Böhmen.[6]
Verlauf der „Burgenstaße“ nach Kröll
Die sogenannte „Burgenstraße“ hängt nach Kröll mit der Gründung und Bedeutung Creußens zusammen und gehört daher in die ottonische Zeit. Sie führt durch folgende Orte: Forchheim, Gosberg, Schlaifhausen, Leutenbach, St. Moritz, Hundsboden, Hundshaupten, Schweinthal, Wichsenstein, Hartenreuth, Türkelsheim, Etzdorf, Gößweinstein, Tüchersfeld, Rackersberg, Haßlach, Hohenmirsberg, Vorderkloebach, Trockau, Lindenhart, Gottsfeld, Creußen.[7] Eine Verzweigung (bei Kröll 7 a) beginnt bei Türkelstein und führt über Stadelhofen, Sachsendorf, Pottenstein, Prüllsbirkig, Waren(Wart)berg, Büchenbach, Kaltenthal, Wolfslohe, Schnabelwaid, Hohenwarth nach Creußen.
Daneben besteht noch Verbindungsstraße von Pottenstein nach Hohenmirsberg. Von Creußen führt die Route an Künsberg vorbei (bei Kröll 7b) nach Tiefenthal – Birk - Wallenbrunn – Weidenberg, die andere (bei Kröll 7 c) nach Altenstadt – Erbendorf über Frankenberg, durch die Frankenberger Heide dann über die Ortschaften Kastl und Albenreuth.[8] Das digitale Geländemodell weist im Tal der Püttlach um Pottenstein nur bei Prüllsbirkig und südlich Elbergsberg und im Bereich Weidenhüll/Hüll im Gelände Altwegespuren auf. Sie gehören offensichtlich zu den von Joachim Kröll im Bereich Pottenstein festgestellten Altwegetrassen, die von Forchheim nach Eger führten. Vgl. dazu die Karten TK 6232 Forchheim, TK 6233 Ebermannstadt, TK 6235 Pegnitz, TK 6135 Creussen, TK 6136 Kirchenlaibach, TK 6036 Weidenberg
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6234: Pottenstein
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6234: Pottenstein
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6234: Pottenstein
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6234: Pottenstein
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6234: Pottenstein
Einzelnachweise
- ↑ Ernst Herrmann: Zur mittelalterlichen Siedlungsgeschichte Oberfrankens, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 39 (1979), S. 1 ff.
- ↑ W. Emmerich: Das Hauptwegenetz des 11. Jahrhunderts in den oberen Mainlanden und seine Grundlagen in karolingischer Zeit, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 15 (1955), Karte Abb.2, S. 261
- ↑ Angela Heller-Wolfsteiner: Adelheid, ein mittelalterliches Frauenleben im Spannungsfeld von Adel, Kirche und Königtum. 2010
- ↑ Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller, Schweinfurt 2004, S. 117 - 132
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 116
- ↑ J. Kröll: Eine Altstraße nach Böhmen (Forchheim – Prag), in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 53 (1973), S. 111 ff.
- ↑ Joachim Kröll: Geschichte der Stadt Creußen. Creußen 1958
- ↑ Joachim Kröll. Die Weinstraße. Ein Beitrag zur oberfränkischen Altstraßenforschung, in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 43 (1963), S. 33 – 75, hier S. 73 f.