Altstraßen im Bereich der TK 25 6233 Ebermannstadt

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Geographie und Verkehrslage von Ebermannstadt

Ebermannstadt liegt im Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst im Tal der Wiesent im „Herzen der Fränkischen Schweiz“. Sie liegt an der Bundesstraße 470, die Forchheim in östlicher Richtung mit Weiden verbindet.

Die B 470 beginnt in Bad Windsheim an der A 7, führt durch das Aischtal und Höchstadt/A. nach Forchheim. Im Tal der Wiesent führt sie durch die Fränkische Schweiz, passiert dabei Pottenstein und erreicht Weiden, wo sie in die A 93 mündet.

Aus der Geschichte von Ebermannstadt und seiner Umgebung

Die ehemalige Kreisstadt wurde bereits 981 als kaiserliche „villa Ebermarstad“ erstmals urkundlich erwähnt. Um 1200 besaßen die Herren von Schlüsselfeld den Ort. König Ludwig der Bayer erteilte seinem Gereuen Konrad II. von Schlüsselberg, der nach Waischenfeld auch Ebermannstadt ausbaute, im Jahre 1332 das Markt- und Stadtrecht. Im Jahre 1390 kam Ebermannstadt zum Hochstift Bamberg.

Nordwestlich von Ebermannstadt, am Rande der TK 6233, liegt als östlichste Gemeinde der heutigen Landkreises Bamberg die Gemeinde Königsfeld. Sie gilt als eine der ältesten und wichtigsten Orte der fränkischen Siedlungsgeschichte. Bereits im 8. Jahrhundert wurde unter König Karlmann der Zehent von „chunigeshofe“ der Würzburger Kirche geschenkt. Im 9. Jahrhundert ging „kunigeshofen in montanis contra Boemiam“, also in den „Bergen gegen Böhmen zu“, auf dem Kaufweg an das Kloster Fulda. Später saßen dort die Meranier, Truhendinger und Aufsess.

Die Kirche St. Jakobus und Kilian mit ihrer gut erhaltenen Ringmauer in Königsfeld weist zum einen als Lage an einem Pilgerweg hin, zum anderen belegt sie die enge Beziehung zum Bistum Würzburg für die Zeit vor 1007. Es könnte sich bei der Pfarrei um eine durch Kaiser Heinrich II. gegründeten „Slawenpfarreien“ handeln.

Moggast, Gunzendorf, Gößweinstein, Egloffstein

Im ehemaligen Landkreis Ebermannstadt, am östlichen Rand der TK 6233 liegt Pretzfeld, wahrscheinlich ebenfalls eine er 14 Slawenkirchen Heinrichs. Auch hier ist die Pfarrkirche St. Kilian geweiht und ist damit „vorbambergische“. Eine Martersäule bei Pretzfeld mit dem Abbild des Brückenheiligen „Johannes von Nepomuk“ verweist auf eine Verbindung nach Böhmen.

Moggast ist ebenfalls sehr alt, wie sich aus dem Patrozinium St. Stephan der Pfarrkirche erschließen lässt. Eine Stunde von Gößweinstein entfernt, war es früher eine Pfarrfiliale von Pretzfeld. An der Senftenbergkapelle bei Gunzendorf, auf der Westseite der Langen Meile, hat der Stephaniritt von Moggast eine ländliches Pendant im Georgiritt. Die Senftenbergkapelle in Gunzendorf weist in ihrem steilen Aufstieg in dem dortigen tiefen Hohlweg zahlreiche Felsenkeller im Sandstein aus und lässt eine wichtige Altstraßentrasse aus dem Raum Bamberg nach Südosten vermuten. Der steile Anstieg, der für die Fuhrwerke und ihre Pferde eine große Herausforderung und eine bedeutende Gefahrenstelle darstellt, lässt die Anlage der Kapelle und die Verehrung der „Pferdeheiligen“ bzw. Nothelfer (=Wegbegleiter) verständlich werden. Am östlichen Kartenrand der TK 6233 liegt der bekannte Wallfahrtsort Gößweinstein. Die dortige Burg, ursprünglich eine der ältesten Burgen der Bischöfe von Bamberg, wurde wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert gegründet.

Am Südrand der TK 6233 liegt Egloffstein im Trubachtal, die Stammburg eines einflussreichen Adelsgeschlechts. Wahrscheinlich im Jahre 1184 errichtet, hat sich der Ostflügel im Kern bis heute erhalten. Anbauten und Turm stammen von 1482 und 1493. [1]

Altstraßen um Ebermannstadt

Ebermannstadt wies nach Emmerich von Forchheim aus den Weg über den Jura nach Osten. Er sieht die oberen Mainlande im 11. Jahrhundert als Durchgangsraum wichtiger Fernverbindungen[2]

Von Würzburg ausgehend sieht er Verbindungen der verschiedenen Diözesanorte wie Augsburg, Eichstätt, Freising sowie Regensburg und Passau. Von Merseburg führt eine Trasse nach Naumburg und über Saalfeld nach Hallstadt bzw. Bamberg sowie weiter über Nürnberg nach Eichstätt.

Ebenfalls von Hallstadt bzw. Bamberg ausgehend zog eine Trasse über Forchheim, Hersbruck nach Lauterhofen in die Oberpfalz und von da ging der Altweg weiter über den Königshof Premberg an der Naab in die spätere Reichsstadt Regensburg. Ebenfalls Regensburg war das Ziel einer Altstraße, die von Merseburg über das Fichtelgebirge und dem Naabtal entlang nach Süden führte. Eine andere Trasse sieht Emmerich im 11. Jahrhundert von Meissen über Zeitz, Eger und Nabburg nach Regensburg. Eine „Heerstraße“, die im Jahre 1003 im Zuge der „Schweinfurter Fehde“ zum Tragen kam, als der junge König Heinrich gegen den aufständischen Hezilo vorging, führte von der Schweinfurter Burgen Kronach über Creußen nach Ammerthal bei Amberg.

Nach der Niederschlagung des Schweinfurter Aufstandes widmete der Markgraf Hezilo verstärkt der Kolonisation und dem Landesausbau seiner Besitzungen am Obermain, im Frankenwald und im Nordgau, das in großen Teilen von Slawen besiedelt war, wie zahlreiche Ortsnamen belegen. Der Slawenmission sollten sich die 14 von Heinrich II. gegründeten „Slawenkirchen“ widmen, deren Standorte bis heute nur zu vermuten sind.[3]

Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen

Nach seinem missglückten Aufstand, der Bestrafung und Begnadigung scheint sich der Markgraf Hezilo aus der Reichspolitik zurückgezogen und sich verstärkt dem Landesausbau in den ausgedehnten Besitzungen um die Schweinfurter „Landesburgen“ Ammerthal, Creußen und Kronach sowie der weiteren sechs Eigenburgen zugewandt zu haben. Neben diesen Kleingauen um die Landesburgen hatten die Schweinfurter noch eine bedeutende Gütergruppe um Lichtenfels-Zapfendorf-Giech-Scheßlitz und Thurnau sowie einen Güterkomplex um Pottenstein-Tüchersfeld-Prüllsbirkig und am Nordjura die reiche Gütermasse um Kulmbach-Plassenberg-Weismain mit umfangreichen Waldungen sowie einen ähnlichen Besitzkomplex um Laineck-Bayreuth. Schließlich gehörte zum Schweinfurter Besitz noch die Burg Banz mit dem ausgedehnten Banzer Forst“.

Zahlreiche Argumente aus verschiedenen Forschungsdisziplinen deuten darauf hin, dass das Obermaingebiet im 10. Und 11. Jahrhundert im verstärkten Maße Binnenkolonisation und Landesausbau durchgeführt wurden. Träger der reichen Rodungstätigkeit im Obermainraum waren aber nicht das neugegründete Bistum Bamberg oder das bis 1007 zuständige Bistum Würzburg, sondern die Markgrafen von Schweinfurt und ihre Ministerialen. Auch im Egerland erscheinen die Schweinfurter als Rodungsherren im größeren Stil. Im heutigen Landkreis Schwandorf verweisen Ortsnamen wie Pottenstetten (östlich Burglengenfeld), Pottenhof (nördlich Neunburg v. W.) und Bodenstein (östlich Nittenau) auf Rodungstätigkeit durch die Schweinfurter bzw. Bodo von Pottenstein.

Besonders eindrucksvoll lässt sich die Rodungstätigkeit zudem in der Herrschaft Plassenberg aufzeigen und belegen.

Mit Sicherheit waren die Schweinfurter als Rodungsherren großen Stils tätig, neben der Herrschaft Plassenberg auch im Frankenwald, im Jura und im Egerland. Es scheinen auch Bewohner des bayerischen Nordgaus zum Landesausbau eingesetzt worden zu sein, wie der Ortsname „bay-reuth“ belegt.

Dabei sind die vordringenden Siedler mit den dort bereits wohnenden Slawen, den „Reichswenden“ oder den Main- und Rednitzwenden, zusammengetroffen, die seit dem 7./8. Jahrhundert hier siedelten. Sichtbarer Ausdruck sind die -winden-Orte und die sog. „gemischten“ Ortsnamen, slawische Personennamen mit dem deutschen Grundwort, die sich vor allem in den Waldgebieten finden lassen und nicht im Altsiedelland Frankens.

Im Kleingau Creußen erscheinen z.B. folgende slawischen Orte: Ölschnitz, Prebitz, Prebitzmühle, Losau, Seidwitz, Groß- und Kleinkorbis, Voits, Leibarös, Nairitz, Windischlaibach, Schwürz, Zips. Lehm, Körbeldorf, Köttweinsdorf und Zappenberg. [4]

Zur Siedlungsgeschichte der Fränkische Schweiz

Edelmann formuliert bereits 1955: „Wir haben dies für die Rednitz-Main-Itz-Linie sowie für die Frankenalb schon getan und gesehen, wie hier in der Verbindung mit der Eingliederung des bonifizianischen Diözesansystems (739/741) eine die großen Kernlandschaften in Nord und Süd verbindender Verkehrsstrang ausgebaut und mit Königshöfen verstärkt wurde. Als vorgeschobenen Punkte im Osten treten heraus: Königsfeld, Velden.

Guttenberg geht davon aus. dass die Fundebereiche aus der „vorbambergischen Zeit“ von der Rednitzbasis her erschlossen wurden. Edelmann verweist zudem auf die Reihengräberfelder auf der Albhochfläche um Waischenfeld, Muggendorf, Gößweinstein, Pottenstein, am Nordostrand der Alb um im Umkreis der der bedeutenden fränkisch-karolingischen Befestigung auf dem Kasendorfer Turmberg und verstreute Einzelbelege auf bevorzugten Böden im Raum Creußen (Prebitz), um Kemnath (Mockersdorf) und Harsdorf-Lanzendorf (Schlömen, Oberlaitsch). Hier beginnen die Ortsnamen auf -dorf mit Personennamen im Bestimmungswort und Würzburger Altzehnte als Hinweis auf vorbambergisches Bestehen und Martinskirchen. Altzehnte, Martinspatrozinien und Reihengräberfelder liegen hauptsächlich an den im Gelände festgestellten Altstraßen. Diese gilt besonders von Verkehrsbahnen, die von Forchheim über Pretzfeld-Ebermannstadt und den Raum Stadelhofen-Türkelsten nach Oberailsfeld, in den Berich er Urpfarrei Nankendorf, weiter in den Mistelgau und über Bindlach (Urpfarrei) auf die Muschelkalkhöhen von Dressendorf-Deps und schließlich nach Marktschorgast in die nach Südosten weisende Paßlandschaft über den Frankenwald führen.

Die -feld-Orte als Belege zur Siedlung im 11. Jahrhundert

Die Umwandlung dieser Waldböden in bäuerliches Nutzungsland geschah übereinstimmend seit dem 11. Jahrhundert. Für Velden ist dies klar. Ein Hauptargument für die über die Jahrtausendwende zurückweisende Alter von Fortmittelpunkten scheint nach Edelmann die häufige Nennung auf -feld zu sein, eine Namensgebung, die ganz allgemein solche Plätze bezeichnete, die von Wald umgeben waren und das „freie Gefilde“ betonen sollten.

Bedeutsam ist nach Edelmann, dass der Namenstyp den Forstgürtel am Roten Main nicht nach Osten überschreitet. Auffällig ist die Kette von der Altmühl über Weißenburg herüber zur Vils mit dem „Nest“ nördlich des Königshofes Lauterhofen.

Die dem Bairischen und Alamanischen fremde Namengebung hing zunächst am Königsgut, ja an den Königshöfen selbst wie Velden, Riedfeld, Saalfeld und zeigt sich dann in den schematischen Typennamen wie Steinsfeld, Waischenfeld, Schönfeld, Lengenfeld, Obristfeld, Tannfeld, Michelfeld, Sulzfeld, usw. den entlang der damaligen Höhenstraßen sich ausbreitenden fränkischen Vorstoß an. Sie markierten die damals gebräuchlichen „Überlandwege“.[5]

Verlauf der „Eger-Straße“ zwischen Forchheim und Kemnath

Südlich von Ebermannstadt verläuft über die Ebermannstädter Nachbargemeinden Pretzfeld und Gößweinstein die „Egerer Straße“ von Forchheim nach Kemnath. Ein Blick auf die topographische Karte zeigt, dass es sich um einen ausgesprochenen Höhenweg handelt, der nach einem Steilaufstieg zwischen Urspring und Morschreuth der Albabdachung zum Pegnitztal folgt. Am Abstieg ins Pegnitztal zählt List (2006) zwischen Stein und Weidelwang 14 bis 16 Fahrspuren. Weitere Spurenreste zeigen sich am „Seidelloher Holz“ bei Altzirkendorf und bei Kirchenthumbach. Kröll vermutet mehrere, parallel verlaufende Trassen eines Südost-Nordwest-System mit dem Fernziel Böhmen.[6]

Der Verlauf der „Egerer Straße“ von Forchheim bis Kemnath entspricht in etwa dem heutigen Verlauf der Bundesstraße B 470: Nach Kröll (1973) kommt sie aus Würzburg und führt über den Forchheimer Ortsteil Burk über Serlbach, Nieder-Weilersbach, Pretzfeld, Lützeldorf, Wannbach, Urspring, Morschreuth, Heidekreuz, Kleingesees, Regenthal, Kühlfels, Bronn, Horlach, Stein, Weidelwang nach Steinamwasser. [7]

Zufahrten zur Altstraße nach Böhmen

Die „Alte Heerstraße“ führte nach Kröll von Bamberg nach Amberg und führte über Scheßlitz, Heiligenstadt, Streitberg, Birkenreuth, Kanndorf, Moggast, Hartenreuth, Kleingesee, Suranger, Weidenhüll, Ottenberg, Weidensees, Michelfeld, Auerbach. Fast alle Orte an dieser Straße fallen durch Urkundenbeleg in die „vorbambergische Zeit““. Der Trasse dürfte somit ein „hohes Alter“ zuzusprechen sein.

Eine Abzweigung erfolgte bei Moggast (= Kröll 2a): Der Weg lief an Wohlmuthshüll vorbei nach Ebermannstadt, von hier über Breitenbach auf die Albhochfläche („Rennweg“, „Bamberger Straße“). Den weiteren Verlauf vermutet Kröll über: Eggolsheim oder Buttenheim nach Bamberg.

Ein anderer Abweg führte von Moggast aus über Pretzfeld nach Forchheim. [8]

Das digitale Geländemodell weist vor allem im Westen der TK südlich Pretzfeld, östlich und südlich Egloffstein und bei Gößweinstein auf zahlreiche Wegespuren im Gelände hin. (Vgl. dazu TK 6232 Forchheim, 6234 Pottenstein, 6235 Pegnitz, 6135 Creussen, 6136 Kirchenlaibach, 6036 Weidenberg)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Anton Sterzl; Emil Bauer: Fränkische Schweiz. Bamberg 1971
  2. Werner Emmerich: Das Hauptwegenetz des 11. Jahrhunderts in den oberen Mainlanden und seine Grundlagen in karolingischer Zeit, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 15 (1955), S. 255 – 283, besonders Karte S. 261, Abb. 2
  3. H. Edelmann: Oberfränkische Altstraßen, in: Die Plassenburg 8 (1955), S. 5 ff.
  4. Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen, S. 117 – 131, besonders S. 124 – 131
  5. H. Edelmann: Oberfränkische Altstraßen, in: Die Plassenburg 8 (1955), S. 5 ff.
  6. Joachim Kröll: Eine Altstraße nach Böhmen (Forchheim – Prag), in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 53 (1973), S. 111 ff.
  7. Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 112 – 160, besonders S. 116
  8. Joachim Kröll. Die Weinstraße. Ein Beitrag zur oberfränkischen Altstraßenforschung, in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 43 (1963), S. 33 – 75, hier S. 73 - 75