Altstraßen im Bereich der TK 25 6232 Forchheim

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Königspfalz Forchheim

Vom 9. bis zum frühen 11. Jahrhundert existiere in Forchheim ein karlingischer Königshof bzw. eine königliche Pfalz. Im Jahre 805 erscheint Forchheim im sogenannten „Diedenhofener Kapitulare“ Karls des Großen als „Foracheim“ und wird damit erstmals urkundlich erwähnt. Die genaue Lage der Pfalz konnte lange Zeit nur vermutetet werden. Archäologische Grabungen im Bereich des Rathauses und Funde frühmittelalterlicher Keramik sowie von Mauerresten der gleichen Zeitstellung bestärken die Vermutung, dass es sich hier um Relikte der königlichen Pfalz gehandelt haben könnte.

Das Diedenhofener Kapitulare

Die Reichsvorschrift (Kapitulare) von 805 erließ Karl in Diedenhofen, im heutigen Luxemburg gelegen. Es besagt, dass östlich einer Linie, die von der Ostsee bis an die Donau führte, der Waffenhandel mit den feindlich gesinnten Awaren verboten war. Das Netz der Kontrollstationen ist dabei in Franken und der heutigen Oberpfalz besonders dicht: Genannt werden dabei die Orte Hallstadt, Forchheim, Lauterhofen und Premberg an der Naab. Man kann davon ausgehen, dass die genannten Orte an wichtigen überregionalen Handelsstraßen lagen, die in Richtung Osten liefen. Auch die später genannte „Egerer Straße“, erwähnt in der Gebietsschenkung an Otnant von Eschenau im Jahre 1061, scheint ihren Ausgang in Forchheim genommen zu haben. Fundamente von hallenartigen, hölzernen Gebäudlichkeiten, die dem 8. Jahrhundert zugerechnet werden sowie zahlreiche Keramikfunde in diesem Bereich, belegen bereits die wichtige Funktion Forchheims als Handelsplatz, lange vor seiner urkundlichen Erwähnung.

Verkehrslage im Mittelalter

Zudem lag Forchheim an einer „Königsstraße“, die die einzelnen Pfalzen verband. Schließlich hatte das Deutsche Reich keine Hauptstadt, sondern die jeweiligen Könige regierten von ihren Pfalzen aus, die sie nach und nach bereisten. Die Reisetagebücher der Könige und Kaiser („Itinerare“) geben uns heute die Möglichkeit, die Reisewege und Aufenthalte mittelalterlicher Herrscher nachzuvollziehen. Die bedeutende Verkehrslage Forchheims belegen auch zahlreiche Reichstage und Fürstentage, die hier stattfanden. Der erste Aufenthalt eines ostfränkischen Königs ist für das Jahr 849 belegt. Den Höhepunkt seiner Bedeutung als Pfalzort erlebte Forchheim im Jahr 900, als hier der erst sechsjährige Ludwig das Kind zum König gekrönt wurde. Mit dem Tod des letzten Karolingers erfolgte im Jahre 911 die Wahl Konrads zum ostfränkischen König ebenfalls in Forchheim. Im Jahre 1007 schenkte König Heinrich II. das Königsgut Forchheim seinem neugegründeten Bistum Bamberg. Im März 1077 wählte der Reichadel in Forchheim Herzog Rudolf von Rheinfelden als Gegenkönig zu Kaiser Heinrich IV., der durch den Papst der Reichsacht verfallen war, die er mit seinem berühmten „Gang nach Canossa“ wieder lösen konnte.

Verkehrslage heute in langer Tradition

Die Bedeutung Forchheims als Kreuzungspunkt wichtiger Verkehrsverbindungen in karolingischer Zeit setzt sich 1200 Jahre später in der Gegenwart fort: Heute liegt Forchheim an der BAB 73 (bzw. B 4) als Nord-Süd-Verbindung. Die Bundesautobahn wird in Forchheim gekreuzt von Ost-West-Verbindung B 470. Außerdem passiert als Bahnstrecke die Trasse Nürnberg – Bamberg, mit der jeweiligen Verlängerung nach Norden und Süden sowie der Rhein-Main-Donaukanal als Wasserstraße, ebenfalls in die gleiche Richtung.

Siedlungsgeschichte: Deutsche und Slawen um Forchheim

Kaiser Heinrich war es, der die Christianisierung der heidnischen Slawen einleitete und nach eigenem Bekunden 30 Taufkirchen im Raum des östlichen Bistums gründete. Zahlreiche Ortsnamen mit slawischen Wurzeln belegen eine dichte Besiedlung durch Mein- und Rednitz bzw. eine gemeinsame Siedlungstätigkeit von Deutschen und Slawen im Raum um Forchheim und östlich der Rednitzfurche. [1]

Vor allem die Markgrafen von Schweinfurt waren es, die mit ihrem reichen Grundbesitz zwischen Main, Frankenwald, Oberpfälzer Wald und oberem Bayerischen Wald eine rege Siedlungstätigkeit entwickelten, die sich entlang der Altstraßen zwischen dem Regnitztal und dem Egerland orientierte. Woher die Siedler kamen, wird weiter kontrovers diskutiert. [2]

Die Markgrafen von Schweinfurt hatten enge Verbindungen nach Polen und Böhmen, die sich auch in verwandtschaftlichen Beziehungen dokumentiert. Mit Sicherheit hat es auch entsprechende Verkehrsverbindungen gegeben haben. Heinrich II. sah die engen Verbindungen der Schweinfurter mit den mächtigen Nachbarn im Osten mit Skepsis, schließlich war der polnische Herzog Chrobry einer der Unterstützer des Markgrafen Hezilo bei seinem Aufstand gegen König Heinrich II. im Jahre 1003 gewesen. (s. TK Creussen). [3]

Altstraßen um Forchheim

Der Altwegeforscher Joachim Kröll hat sich in den 1950er und 1960 Jahren intensiv mit der Altwegesituation im östlichen Oberfranken aber auch in der nördlichen Oberpfalz beschäftigt und darüber mehrfach publiziert. Für seinen Artikel über die sogenannte „Weinstraße“ (1963) etwa hat er die damals vorliegende Altstraßenliteratur für die Region zwischen Forchheim und Auerbach herangezogen.[4]

  1. Die Weinstraße: Die benannte Straße führt von der Urpfarrei Pretzfeld über die Alb bis zur Pegnitzaue. An ihr liegen die Ortschaften Lützelsdorf, Wannbach, Urspring, Morschreuth, Heidekreuz, Kleingesee, Regenthal, Waidach, Bronn, Horlach, Stein.
    Zufahrtswege:
    1. Hallstadt – Pretzfeld,
    2. Forchheim – Pretzfeld. Die Entfernung Forchheim – Kleingesee betägt ca. 22 km (=eine Tagestrecke), die Entfernung Hallstadt – Pretzfeld kann ebenfalls an einem Tag zurückgelegt werden, die Strecke Pretzfeld – Bronn beträgt etwa 21 km. Nur die beiden Orte Kleingesee und Bronn sind Rast- und Haltestellen an dieser Straße.
    Fortsetzung nach Osten:
    1. Weidlwang, Steinamwasser, Ortlesbrunn, Altzirkendorf, Eschenbach. Die Entziele liegen im böhmisch-mährischen Becken und dürften Pilsen, Eger und Prag gewesen sein.
    2. Horlach, Pferrach, Michelfeld, Auerbach, Mögliches Ziel: Regensburg
  2. Die „Alte Heerstraße“ führte von Bamberg nach Amberg über Scheßlitz, Heiligenstadt, Streitberg, Birkenreuth, Kanndorf, Moggast, Hartenreuth, Kleingesee, Suranger, Weidenhüll, Ottenberg, Weidensees, Michelfeld, Auerbach. Entfernung Kleingesee – Auerbach etwa 22 km = also die dritte Station von Hallstadt – Bamberg her. Fast alle Orte an dieser Straße fallen durch Urkundenbeleg in die „vorbambergische Zeit““, ihr dürfte somit ein „hohes Alter“ zuzusprechen sein. Eine Abzweigung bei Moggast (=Karte 2a): Der Weg lief an Wohlmuthshüll vorbei nach Ebermannstadt, von hier über Breitenbach auf die Albhochfläche („Rennweg“, „Bamberger Straße“). Der weitere Verlauf vermutlich: Eggolsheim oder Buttenheim mit dem Ziel Bamberg bzw. Hallstadt. Ein anderer Abweg führte von Moggast nach Pretzfeld und Forchheim.
  3. Die Straße vom Königshof Altdorf nach Königsfeld wir nur wegen des Kreuzungspunktes Kleingesee ausdrücklich erwähnt.
  4. Die Straße Forchheim – Kleingesee ist nur Zubringerweg zur Weinstraße und verläuft über Gosberg, Schlaifhausen, Leutenbach, St. Moritz (Abzweigung nach Ortspitz), Haidhof, Thuisbrunn (von hier gibt es verschiedene Möglichkeiten der Weiterführung), Egloffsteinerhüll, Egloffstein, Affalterthal, Rothenhof, Kleingesee.
  5. Die Straße Forchheim – Velden führte über Pinzlberg, Dobenreuth, Mittelehrenbach, Haidhof nach Thuisbrunn (=Wegespinne). Sie wandte sich nach Südosten und erreichte über Hohenschwärz Kemmathen (Herbergs- und Grenzort). Der weitere Verlauf vermutlich: Göring, Großengsee, Spies, Riegelheim, Eichenstrut, Viehhofen. Ab Viehhofen ist die Route bis Velden bekannt. Nach Norden führte ein Verbindungsweg von Thuisbrunn nach Hundshaupten über Egloffsteinerhüll (Kt. 5 a). Eine Wegeverbindung Pretzfeld – Velden (5 b) ist bis Gräfenberg – Lillig festgestellt: Hagenbach, Haidhof, Kasberg, Gräfenberg. Die verschiedenen Wege nach Velden dürften nach Kröll bereits ins 9. Jahrhundert gehören.
  6. Forchheim, Waidach, Büchenbach = Zubringerweg zur Weinstraße. Die Route stimmt bis Thuisbrunn mit der Straße nach Velden überein; von hier wendet sie sich über Dörnhof nach Untertrubach und erreicht Wolfsberg, Hunsdorf, Herzogweind, Graisch, Weidenhüll, Waidach, Elbersberg, Büchenbach.
  7. Die Burgenstraße hängt mit der Gründung und Bedeutung Creußens zusammen und gehört daher in die ottonische Zeit. Sie führt durch folgende Orte: Forchheim, Gosberg, Schlaifhausen, Leutenbach, St. Moritz, Hundsboden, Hundshaupten, Schweinthal, Wichsenstein, Hartenreuth, Türkelsheim, Etzdorf, Gößweinstein, Tüchersfeld, Rackersberg, Haßlach, Hohenmirsberg, Vorderkloebach, Trockau, Lindenhart, Gottsfeld, Creußen. Eine Verzweigung (7 a) beginnt bei Türkelstein: Stadelhofen, Sachsendorf, Pottenstein, Prüllsbirkig, Waren(Wart)berg, Büchenbach, Kaltenthal, Wolfslohe, Schnabelwaid, Hohenwarth, Creußen. Daneben besteht die Verbindungsstraße Pottenstein – Hohenmirsberg. Von Creußen führt die Route an Künsberg vorbei (7b) nach Tiefenthal – Birk - Wallenbrunn – Weidenberg, die andere (7 c) nach Altenstadt – Erbendorf über Frankenberg durch die Frankenberger Heide dann über die Ortschaften Kastl, Albenreuth.
  8. Die Straße Ammerthal – Kronach ist aus dem Jahre 1003 belegt und gehört in die ottonische Zeit. Teilstrecke durch das bearbeitete Gebiet: Unterfrankenohe - Ernstfeld – Burggrub – Creußen – Boden – Lankenreuth - Schreetz – Altenstadt b. Bayreuth.
    1. Diese Straße hat die gleiche Richtung wie Nr. 8. Sie kommt von Ammerthal über Auerbach, Degelsdorf, Thrundorf, Altencreußen, Schloßberg, Prebitz, Haghaus, Altenkünsberg, Emtmannsberg, Döhlau. Weitere Orte wahrscheinlich Berneck – Marktschorgast.
  9. Erlangen – Thuisbrunn mit verschiedenen Fortsetzungen von diesem Ausgangspunkt. Orte an dieser Altstraße: Neunkirchen, Rödlas, Ermreuth, Walkersbrunn, Kasberg, Neuses. Eine Zweigstraße erreichte die Orte Spardorf, Marloffstein, Ebersbach, Herzles, Walkersbrunn.
  10. Die Straße Gräfenberg – Bronn führt über die Orte Kemmathen, Kappel, Hiltpoltstein, Alos, Münchs, Stierberg; die beiden Orte gehören der „Sieben-Dörfer-Gemeinschaft an. Weitere Orte: Krottenhof, Hüll, Weidensees.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller. Schweinfurt 2004, hier besonders S. 124 - 131.
  2. Matthias Hardt: Slawen und Deutsche, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller. Schweinfurt 2004, S. 43 - 63.
  3. Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller. Schweinfurt 2004, hier besonders S. 130 - 131
  4. Joachim Kröll: Die Weinstraße. Ein Beitrag zur oberfränkischen Altstraßenforschung, in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 43 (1963), S. 33 – 75, hier S. sowie Kt. S. 35