Altstraßen im Bereich der TK 25 6138 Erbendorf
Geographie und Verkehr
Die Stadt Erbendorf liegt im Tal der Fichtelnaab, am südlichen Rand des Naturparks Steinwald und gehörte heute zum Landkreis Tirschenreuth. Die Gemeinde grenzt Osten an die Landkreisgemeinden Krummenaab, im Norden an Friedenfels und Pullenreuth, im Westen an Kemnath.
Im Jahre 1109 wird Erbendorf erstmals als „Herbindorf“ urkundlich genannt. Die Erhebung zur Stadt erfolgte erst im Jahre 1842. Ab 1714 gehörte der Ort zum Herzogtum Pfalz-Sulzbach, im Jahre 1777 kam er zu Kurbayern.
Zwei Bundesstraßen passieren das Gemeindegebiet: Die B 22 und die B 299. Die B 22 verbindet den Ort mit Bayreuth (40 km), der BAB Nürnberg-Berlin und mit der Stadt Weiden (je 25 km). Über die B 299 erreicht man nach zehn Kilometern die BAB A 93 Hof – Regensburg. Das Tal der Fichtelnaab öffnet sich südlich des Steinwaldes in Richtung Weidener Bucht. Im digitalen Geländemodell weist im Südwesten der TK 6138 zahlreiche Hohlwegspuren auf,, die von Südwesten nach Nordosten weisen. In die gleiche Richtung führen die Hohlwege nördlich Grötzschenreuth/Friedenfels.
Altwege um Erbendorf
Die Altwege um Erbendorf sind gut erforscht. Joachim Kröll (1973), Ulrich List (2006) und Dietrich Jürgen Manske (2008) haben sich mit dem örtlichen Trassenverlauf beschäftigt. Der oberfränkische Altwegeforscher Joachim Kröll hat sich in den 1960er und 1970er Jahren mehrfach mit dem Verlauf der Altstraßen zwischen dem Regnitzbecken im Westen und der böhmischen Grenze im Osten beschäftigt.[1] Der Historiker Ulrich List für seine Dissertation über das „System der Goldenen Straße“ intensiv das Altwegesystem sowohl westlich als auch östlich von Erbendorf begangen.[2]
Auch der historische Geograph Dietrich Jürgen Manske beschäftigt sich in seinem umfangreichen Beitrag in der Chronik zur 1000jährigen Erstnennung von Kemnath neben Kemnath auch intensiv mit den Altstraßenverhältnissen in und um Erbendorf.[3]
Altwege um Erbendorf nach Kröll und List
List dokumentiert eine Altstraße, die aus Nürnberg kommend, über Kirchenthumbach und Eschenbach nach Pressath führt. Von Pressath aus verlaufen zwei Arme in Richtung Osten. Die südliche Trasse geht in Richtung Windischeschenbach und verläuft weiter nach Mähring und zur Grenze.
Im Bereich des heutigen Truppenübungsplatzes führt der Weiterweg von Auerbach nach Kemnath über Zogenreuth und die Wüstung Luigenhof nach Kirchenthumbach. In Altzirkendorf trifft zu der hier angesprochenen alten Fernverbindung eine weitere Altstraße hinzu: Nach Kröll ist diese die frühe Altstraße von Forchheim nach Böhmen.
Betrachtet man tatsächlich den Ausgangspunkt Forchheim, so ist diese Trasse sehr alt und lässt sich südlich von Pegnitz, am Abstieg von der Weidelwanger Mühle mit zahlreichen Spuren nachweisen. Hauptsächlich folgen die Spuren nach Weidelwang, laut Kröll gibt es aber auch Hinweise auf eine abzweigende Trasse nach Südosten, die nach Aussage von Horlacher Bürgern gegenüber Köll (1973) nach Auerbach führte.
Von Weidelwang lief die Altstraße weiter nach Steinamwasser. Hier war nach Kröll am Anfang der 1960er Jahre noch ein wegbegleitender Turmhügel zu erkennen. (Flurbezeichnung: „Auf der Wacht“ bzw. „In der Wart“). Der Ort war im Jahre 1109 bereits in Teilen durch Bischof Otto den Stiftsherren von St. Jakob in Bamberg geschenkt worden. Am südlichen Ortsausgang von Gunzendorf vorbei und über den Höhenrücken verlief die Altstraßen nach Altzirkendorf, wo sie sich mit der Trasse aus Auerbach vereinigte. Ab hier verliefen die Trassen gemeinsam nach Kirchenthumbach.
Im Nordosten von Kirchenthumbach teilte sich die Altstraße wieder in zwei große Arme auf: Der südliche Zweig verlief über Fronlohe nach Eschenbach und von da weiter nach Pressath. In Eschenbach traf eine weitere alte Straßenverbindung, von Auerbach über die heutige Wüstung Hopfenlohe kommen, mit dieser Route zusammen.
Verlauf des Altwegs ab Kirchenthumbach
Kirchenthumbach war, auch das an der südlichen Route gelegene Beidl „Urpfarrei“ und besaß ebenfalls einen Turmhügel. Die Bergkapelle lag nach Kröll an der Altstraße, die von Altzirkendorf aus in den Ort führte. Von Kirchenthumbach aus verlief der Weiterweg in Richtung Nordost. Am Waldrand weist eine Nothelferkapelle auf den Verlauf des Altweges hin. Bis zur Holzmühle an der Creußen reichte einst das „Kemnather Geleit“ von 1497.
Sie führte weiter über Münchsreuth in Richtung Dobertshof, wo mehrere Altwegespuren den Verlauf dokumentieren. Der genaue Verlauf vom Rauhen Kulm aus in Richtung Kemnath ist laut List durch Geländespuren nicht mehr zu belegen.
Neben der Route, die von Auerbach kommend Kemnath erreicht, bzw. daran vorbeiläuft und schließlich über Marktredwitz nach Eger führt, verlief nach List eine weitere über Erbendorf nach Bärnau.[4]
Verlauf der Altwege ab Kemnath
Die nördliche Route läuft durch den Hessenreuther Forst in Richtung Erbendorf. List dokumentiert die Trasse an verschiedenen Stellen mit mehreren Hohlwegbündeln, mit zum Teil 25 und 30 Parallelspuren. Östlich Erbendorf fädelt sich in Reuth b. Erbendorf der weitere Verlauf der Trasse weiter auf. Ein Arm führt über Tirschenreuth weiter nach Waldsassen und Eger, der andere geht über Mähring und überquert dort die böhmische Grenze. Das Geleitrecht im Salbuch des Kastenamtes Kemnath von 1497 nimmt Bezug auf diese Trasse, indem es nach Süden von Kemnath aus das Geleitrecht in Richtung Auerbach bis zur Holzmühle an der Creussen gehen lässt und nach Norden in Richtung Marktredwitz bis an das Bächlein „Trebitz“ und von Marktredwitz aus über den „Kolewald“ nach Eger laufen lässt. Für das hohe Alter dieser Trasse spricht das Reihengräberfeld in Mockersdorf.
Verlauf östlich von Erbendorf nach List
Für List ist der weitere Verlauf der Altstraße zwischen Erbendorf und Reuth nicht mehr nachweisbar, aber durch das Kemnather Geleitrecht, das im Westen von Reuth endete, in diesem Bereich anzunehmen. Ihr weiterer Verlauf „gein Bernaw“ ist im Gelände nämlich nicht mehr erkennbar. So ist man auf das Ergebnis der Interpretation des Geländes angewiesen. Das tiefe Tal der Tirschenreuther Waldnaab musste umgangen werden. Für den weiteren Verlauf nördlich am Waldnaabtal vorbei in Richtung Falkenberg sprechen acht Flurrillen, die nördlich der B 299 im Osten von Forsthof in West-Ost-Richtung verlaufen.[5]
Weg weiter nach Osten nach Manske und List
Nach Manske findet sich noch eine ältere Trasse als die von List genannte, die von Kemnath ausgeht und nach Osten führt: Sie trennt sich in Kemnath beim „Halsgericht“ und führt über den Anzenhof nach Schönficht. Für die Fortsetzung der Route nach Waldeck sieht er drei Trassen. Die südlichste führt von Schönreuth zur B 22. Sie trennt sich von dieser, zog durch das „Zeiglholz“ (7 – 8 Fahrspuren), lief über den Nordhang des „Schlossberges“ in den Sattel zwischen dem alten Friedhof und dem Schlossberg. Die zweite Trasse folgte dem „Zeigl-Holz“ und erreichte den Marktplatz von Waldeck. Die dritte Trasse ordnet Manske dem 18./19. Jahrhundert zu: Sie zweigt nördlich der beiden anderen von der B 22 ab und erreicht den Straßenmarkt Waldeck bei der Pfarrkirche St. Nepomuk.
Der Ausbau der B 22, nördlich vorbei an Guttenberg, hat bis zur Gemeindegrenze zwischen Waldeck und Erbendorf keine Spuren hinterlassen. Allerdings finden sich nach Überschreiten der Gemeindegrenze südlich der B 22 geringe Spurenreste, nördlich davon jedoch deutliche Fahrrinnen (7 – 8 Spuren) parallel zur B 22 in Richtung Kornhof. Die Route zog durch Kornhof, südlich davon mit vier bis fünf Fahrspuren erkennbar, und beim Kreuzfelsen in die ältere Zuführung durch Altenstadt in Erbendorf einmündete. Manske beschreibt mehrere Alternativen der Route, die aus den Bereichen Waldeck/Kastl/Pressath kommend Erbendorf erreichten und die er verschiedenen Straßensystemen zuordnete. Nach Manske passierte Erbendorf sowohl das Südost-Nordwest-System Forchheim – Eger als auch das Südwest-Nordost-System Kronach/Kulmbach – Parkstein/Weiden. (vgl. Karte S.151)[6]
Für List ist der weitere Verlauf der Altstraße zwischen Erbendorf und Reuth durch das Kemnather Geleitrecht, das im Westen von Reuth endete, in diesem Bereich belegt. Ihr weiterer Verlauf „gein Bernaw“ ist sie im Gelände nämlich nicht nachgewiesen. So ist man auf das Ergebnis der Interpretation des Geländes angewiesen. Das tiefe Tal der Tirschenreuther Waldnaab musste umgangen werden. Für den weiteren Verlauf nördlich am Waldnaabtal vorbei Richtung Falkenberg sprechen acht Flurrillen, die nördlich der B 299 im Osten von Forsthof in West-Ost-Richtung verlaufen.
Nach dem Beleg schriftlicher Quellen ging eine Altstraße von Nürnberg über Erbendorf und Reuth nach Eger, wo es heißt: „Von Eger gehet die straß nach Nürnberg, also uf Waldsachsen, Mitterteuch, Schönhaid auf die Reuth, alsdann uf Erbendorff, von dannen uber den Hesserberg uf Pressath, Gravenwerdt und Vilseck, verners nach Nürnberg.“ [7]
Verlauf nach Dollacker und List
Nördlich von Kleinsterz etwa bilden Flurnamen wie „Straßäcker“ noch Belege im Flurnamen. Nördlich von Kondrau liegen die „Kondrauer Strassäcker“. Die Ortsstraße in Kondrau heißt bis heute „Alte Straße“. Von Waldsassen aus war Eger nach List entweder über Münchenreuth und Pechtnersreuth oder über den heutigen Grenzübergang Waldsassen – Hl. Kreuz zu erreichen.
Nürnberg – Böhmen über Weidelwang und Mähring nach Kröll
Kröll sieht diesen Straßenabschnitt als Abschnitt einer alten Straßenverbindung der alten Kaiserpfalz Forchheim mit Prag mit einer Blütezeit im frühen Mittelalter. Allerdings kann die Benutzung durch die früh erreichte Wegefreiheit der Nürnberger Kaufleute in späterer Zeit nicht ausgeschlossen werden.
Der Verlauf wird hier ab Kirchenthumbach verfolgt. Dekanatssitz Kirchenthumbach war Urpfarrei, ebenso wie das benachbarte Dekanat mit Sitz in Beidl. Beide Orte besaßen Turmhügelanlagen. Der genaue Verlauf der Route zwischen Kirchenthumbach und Windischeschenbach lässt sich nach List im Gelände nicht mehr nachweisen.
Kröll beschreibt die Route im Westen von Eschenbach nach der Überquerung der heutigen Bundesstraße B 470 westwärts von Klein-Kotzenreuth, Hotzaberg (mit weit orientierender Fernsicht) nach Eschenbach hinein. Die Altstraße verlässt Eschenbach über die Waldabteilung Birschling und erreicht das versumpfte Ufergebiet des Creußenbaches und überquert diesen über einen Knüppeldamm. Südlich am Judenberg vorbei führt heute eine Flurstraße an der Haigamühle vorbei nach Pressath. Von Grub aus führen an der Straße nach Feilersdorf zehn deutliche Spuren den Wald hinauf und wiederum zahlreiche Wegerillen nach Pressath hinunter.
Von Pressath nach Windischeschenbach
Pressath war ein Verkehrsknoten. Dollacker beschreibt bereits die Route über Hersbruck, Hirschbach, Sigars und Grafenwöhr. Nach Nordosten führte die Trasse, die aufgrund der Spurenfunde nach List als bedeutende Fernstraße einzuschätzen ist, über Hessenreuth weiter nach Erbendorf.
Die Altstraßentrasse führt nach Kröll von da ab in zwei Varianten weiter in Richtung Windischeschenbach mit eindrucksvollen Geländespuren, etwa an der Kreuzung der Straße Erbendorf – Weiden, die im Zug der Flurbereinigung aber verschwunden sind.
Von hier führt die Trasse über Pullenreuth in das heutige Windischeschenbach. Für die hier dargestellte Trassenführung sprechen weiter mehrere deutliche Wegespuren im Tal zwischen Riggau und Wollau. Eine Verbindung von Wildenreuth nach Windischeschenbach, die bestanden haben muss und am „nördlichen Kühberg“ noch erkennbar sind, ist sonst im Gelände nicht mehr nachvollziehbar.
Eine südliche Verbindung nach Windischeschenbach verlief über den Tannenberg nach Schwand auf einem Bergrücken in West-Ost-Richtung. Es handelt sich nach List um einen alten Saumpfad, der im Süden an Pressath vorbeiführte. Zwischen Schwand und Altenparkstein verläuft bis heute ein beide Orte verbindender Feld- und Waldweg, der den Ödhof im Westen passiert. [8]
TK 6138 im digitalen Geländemodell
Das digitale Geländemodell weist im Südwesten von Erbendorf eine Reihe von Hohlwegen in Richtung Pressath aus, wie sie bereits List auf seiner Trasse von Hessenreuth her eingezeichnet hat. Nördlich von Erbendorf im Anstieg vom Herrenreuther Forst zum Steinwald hin finden sich nördlich Gröthenreuth und östlich Beringersreuth ebenfalls zahlreiche Hohlwege, die nach Nordosten weisen. Östlich Erbendorf finden sich kaum Hohlwegspuren.
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6138: Erbendorf
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6138: Erbendorf
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6138: Erbendorf
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6138: Erbendorf
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6138: Erbendorf
Einzelnachweise
- ↑ J. Kröll: Eine Altstraße nach Böhmen (Forchheim – Prag), in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 53 (1973), S. 111 ff.
- ↑ Ulrich List: Untersuchungen zum Transportwesen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken, seine ökonomische Entwicklung und Bedeutung, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 11,1 (2006), S. 116 – 124; S. 128 – 129; S. 145 - 147; Bd. 11,2: Karte 3 bzw. Karte Nr. 5
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 112 – 160, hier besonders Karten S. 149 – 155, Kartenbeilage
- ↑ Ulrich List: Untersuchungen zum Transportwesen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken, seine ökonomische Entwicklung und Bedeutung, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 11,1 (2006), S. 128 – 129; S. 145 - 147; Bd. 11,2: Karte 3 bzw. Karte Nr. 5
- ↑ Ulrich List: Untersuchungen zum Transportwesen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken, seine ökonomische Entwicklung und Bedeutung, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 11,1 (2006), S.129 - 130; Bd. 11,2: Karte 3 bzw. Karte Nr. 5
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 112 – 160, hier besonders Karte S. 121 – 125; S. 149 – 155, Kartenbeilage
- ↑ Ulrich List: Untersuchungen zum Transportwesen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken, seine ökonomische Entwicklung und Bedeutung, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 11,1 (2006), S.145 - 147; Bd. 11,2: Karten
- ↑ Joachim Kröll. Die Weinstraße. Ein Beitrag zur oberfränkischen Altstraßenforschung, in: Archiv für die Geschichte von Oberfranken 43 (1963), S. 33 – 75, hier S. 73 f.