Altstraßen im Bereich der TK 25 6135 Creußen

Aus OberpfalzWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Topographie

Die Stadt Creußen liegt im östlichen Teil der Fränkischen Schweiz am Fuße des Fichtelgebirges und ist den westlichen Ausläufern des Oberpfälzer Waldes benachbart. Der Ort wird von einer Reihe von Bergen umgeben, die teilweise eine Höhenlage von fast 650 m erreichen. Im Tal fließt der „Rote Main“, der zum Creußener Höhenzug einen landschaftlich reizvollen Kontrast bildet.

Der Name Creußen

Die Herkunft des Ortsnamens ist in der Ortsnamenforschung umstritten. In der Chronik des Thietmar, Bischofs von Merseburg (+ 1018) wird Creußen als „Crusni“ im Zusammenhang mit der „Schweinfurter Fehde“ von 1003 erstmals urkundlich genannt. Auf eine allgemeine Deutung des Ortsnamens konnte sich die Wissenschaft bislang nicht einigen. Die einen halten den Namen für Slawisch, andere für Germanisch. Auch ein Zusammenhang der archäologisch belegten Burg über dem Tal des Roten Mains mit dem nur wenige Kilometer entfernten Altencreußen und einer Wanderung des Namens an seine neue Stelle wird diskutiert. [1]

Verkehrssituation heute

Die Lage Creußen als mittelalterlicher Verkehrsknoten mit seinen Verbindungen in alle Himmelrichtungen (s. unten) dokumentiert sich bis heute in seiner Nähe Zur BAB A 9, die im Westen und im Norden das Stadtgebiet tangiert. Die B 2 führt nach Schnabelweid bzw. über Wolfsbach zur A 9. In der Nähe schließt die B 22 an die B 2 an. Die Staatsstraße St 2184 führt über Lindenhart (=früherer Marktort) ebenfalls zur BAB A 9 bei Trockau bzw. über Seidwitz und Windischlaibach nach Speichersdorf zur B 22. Die Staatsstraße 2120 führt über Engelmannsreuth nach Kirchenthumbach zur B 470.

Blick in die Geschichte

Bodenfunde aus karolingischer Zeit, und vorbambergische Dorfzehnte der Umgebung weisen auf eine frühe Besiedlung des Creußener Raumes hin. Als Besitzer erscheinen im 10. bzw. 11. Jahrhundert die Schweinfurter. Zahlreiche Ortsnamen um Creußen weisen auf slawische Siedler hin: Dabei sind die vordringenden fränkischen Siedler mit Slawen, den „Reichswenden“ oder den Main- und Rednitzwenden, zusammengetroffen, die bereits seit dem 7./8. Jahrhundert hier siedelten. Sichtbarer Ausdruck sind die -winden-Orte und die sog. „gemischten“ Ortsnamen, slawische Personennamen mit einem deutschen Grundwort, die sich vor allem in den Waldgebieten finden lassen und nicht im Altsiedelland Frankens. Im „Kleingau“ Creußen erscheinen folgende slawischen Orte: Ölschnitz, Prebitz, Prebitzmühle, Losau, Seidwitz, Groß- und Kleinkorbis, Voits, Leibarös, Nairitz, Windischlaibach, Schwürz, Zips. Lehm, Körbeldorf, Köttweinsdorf und Zappenberg.[2]

Die Schweinfurter Fehde von 1003

Die Grafen von Schweinfurt waren um die erste Jahrtausendwende eines der mächtigsten Geschlechter im Radenzgau und im benachbarten Nordgau. In den Frankenwald bis hinauf nach Kronach und bis hinunter in den Bayerischen Wald nach Cham reichte ihr Herrschaftsgebiet, das sie mit starken Burganlagen befestigt hatten. Der Schweinfurter Markgraf Heinrich (Hezilo) hatte den Aufstieg Heinrichs II. zum Königtum 1002 maßgeblich unterstützt und seinen Herrn auf den Wegen durch das Reich begleitet. Im „mittelalterlichen Koordinatensystem von Gehorsam und Huld“ (B. Schneidmüller) glaubte er, auf die bayerische Herzogswürde hoffen zu dürfen, die durch Heinrichs Aufstieg frei war. Heinrich brach sein Versprechen, um Hezilo auf seine Seite zu ziehen. Doch der neue König änderte seine Pläne mit seinem früheren Amt und überließ es schließlich im Jahre 1004 seinem Schwager Heinrich, dem Bruder seiner Gattin Kunigunde.

Als die geänderten Absichten König Heinrichs bekannt wurden, kam es bereits im Jahre 1003 zur sogenannten „Schweinfurter Fehde“. Markgraf Hezilo rebellierte gegen den König und ging militärisch gegen Heinrich vor. [3]

Nach den Kämpfen um das Königtum erwuchs für den späteren Kaiser mit dem Krieg gegen den enttäuschten Hezilo bereits die zweite Krisenzeit des neuen Königtums. Und es sollte nicht der letzte Konflikt bleiben, den Heinrich auszukämpfen hatte.

Allerdings war Hezilo bei seinem Vorgehen gegen den jungen Heinrich kein Einzelkämpfer: Mit Brun, dem einzigen Bruder des Herrschers und dem polnischen Herzog Boleslaw Chrobry standen ihm zwei mächtige Verbündete zur Seite. Doch Hezilos Aufstand endete im militärischen Misserfolg.

Zerstörte Burgen, konfiszierter Besitz

Die Rache Heinrichs war für die Schweinfurter verheerend: König Heinrich zerstörte einen Teil von Hezilos Burgen und konfiszierte seinen Besitz. Der Chronist, Bischof Thiethmar von Merseburg, hat den Konflikt als „Insider“ geschildert und nennt neben den zerstörten Burgen namentlich Kronach und Ammerthal bei Amberg ausdrücklich auch Creußen (urbs crusni), das damit seine erste urkundliche Erwähnung fand.

Der Markgraf, der sich mit seiner Familie auf der Burg Creußen (castrum crusni) verschanzt hatte, konnte dem Belagerungsring entkommen, wurde aber im heutigen Creußener Ortsteil Tiefenthal gefasst. Dass sich Hezilo ausgerechnet in Creußen mit seiner Familie verschanzt hat, belegt die militärische und strategische Bedeutung der Burg.

Auf Vermittlung der adeligen Verwandtschaft und der gezeigten öffentlichen Reue im November 1004 bekam Hezilo einen großen Teil seines Besitzes wieder zurück. Heinrich wollte sich die Schweinfurter Markgrafen nicht auf ewig zum Feind machen. Schließlich standen sie an der Spitze des ostfränkischen Hochadels.

Wie es scheint, zog sich Hezilo aber weitgehend aus der Reichspolitik zurück und konzentrierte sich nach der Fehde mit dem jungen König verstärkt auf die Siedlungstätigkeit in den ihm verbliebenen Gebieten im Frankenwald, am Obermain und auf dem Nordgau.[4]

Markgraf Otto und seine Töchter

Hezilos ältester Sohn und Nachfolger, Markgraf Otto, erscheint mehrfach in Urkunden an der Spitze des ostfränkischen Adels. Er ist Graf in den zentralen Teilen des Nordgaus und Markgraf in der 1040 gegründeten böhmischen Mark und steigt sogar 1048 zum Herzog von Schwaben auf. Immer wieder kommt es zu familiären Verbindungen der Schweinfurter zu den führenden Adelsgeschlechtern in Polen, Böhmen und Mähren. Diese Verbindungen wurden seitens Heinrichs mit Argwohn beobachtet. So wurde die geplante Ehe von Hezilos Sohn Otto mit Mathilde, der Tochter des polnischen Herzogs Boleslaw Chrobry, im Jahre 1036 untersagt und Otto musste die Verlobung wieder lösen.

Markgraf Otto starb im Jahre 1057 ohne männlichen Erben. Sein Erbe wurde unter seinen fünf Töchtern aufgeteilt: Eilika war Äbtissin in Regensburg-Niedermünster. Beatrix war mit Graf Heinrich von Hildrizhausen verheiratet, der 1078 bei der Schlacht von Mellrichstadt an der Seite des Gegenkönigs Rudolf fiel. Ihr Sohn Eberhard übereignete als Bischof von Eichstätt 1112 seinen Schweinfurter Erbteil dem Bistum Eichstätt.

Tochter Judith heiratete in zweiter Ehe Graf Botho von Kärnten. Ihre Tochter aus dieser Ehe, Adelheid, war mit dem Grafen von Limburg vermählt, dem späteren Herzog von Lothringen. Alberada, auch Berta genannt, war mit Graf Hermann von Habsberg verheiratet und war damit Stammmutter der Grafen von Sulzbach-Habsberg-Kastl. Sie gründete aus ihrem Erbteil die Klöster Banz und Heidenfeld. Gisela, die jüngste Tochter heiratet den Grafen Arnold von Andechs und wurde zur Stammmutter der Andechs-Meranier, die Ostoberfranken mit Hof, Bayreuth, Kulmbach und Lichtenfels als Zentren erneut zu einem weitgehend geschlossenen Machtblock zusammenfügten. [5]

Allein diese weitreichenden familiären Verbindungen der fünf Töchter Ottos von Schweinfurt lassen auf ein dichtes Verkehrsnetz im 11. Jahrhundert schließen, in dessen Zentrum der Verkehrsknoten Creußen mit seinen Verbindungen in alle Himmelrichtungen lag.

Mit dem Aussterben der Schweinfurter Grafen im Jahe 1057 änderten sich die Besitzverhältnisse. Im Jahre 1251 erscheint Creußen erstmals im Besitz der Burggrafen von Nürnberg, durch Kaiser Karl IV. erhielt der Ort schließlich im Jahre 1358 Stadtrechte.

Altstraßen im Creußener Raum

Der Altwegeforscher Joachim Kröll datiert zwei Straßenzüge, die durch Creußen führen, als „spätkarolingisch“, wie archäologische Funde aus Prebitz, das Reihengräberfeld bei Mockersdorf und neuere Grabungen am Rauhen Kulm belegen. Die Marschroute des Heeres von Heinrich II. bei seinem Rachefeldzug gegen Markgraf Hezilo führte von Ammerthal über Creußen nach Kronach. Die von Ammerthal kommende Altstraße strebte direkt auf Creußen zu und von hier über den Galgenberg nach Boden und Lankenreuth, über den Schottenbaum nach Schreez, Bayreuth-Altenstadt und weiter nach Kronach. An dieser Straße befanden sich hin nächster Nähe zu Creußen zwei Turmhügel, in Boden und Lankenreuth und schließlich die große, für das Jahre 1000 anzusetzende Befestigungsanlage in Burggrub, Gemeinde Stockheim, nahe Kronach.

Frühmittelalterliche Straßenverbindung von Erfurt nach Regensburg?

Ein Blick auf die Karte lässt aber nicht nur die Trasse einer Heerstraße zwischen den Schweinfurter Burgen Kronach und Ammerthal vermuten, sondern eine Verlängerung, die nördlich geradewegs nach Erfurt führt und von Ammerthal nach Süden über Premberg Regensburg zum Ziel hat. Damit wären beide Bischofstädte, die zeitgleich urkundlich als Diözesanmittelpunkte erwähnt (739 bzw. 741) werden, bereits in karolingischer Zeit durch eine direkte Fernstraße miteinander verbunden gewesen. Ein weiteres Ziel von Regensburg aus wäre dann in gerader Fortsetzung eine Straßenverbindung nach Salzburg gewesen, das mit der Bistumsorganisation von 739/741 ebenfalls als kirchliches Zentrum Erwähnung findet. [6]

Reihengräber in Theuern/Vils in neuem Licht

Ergänzend sei dazu bemerkt, dass mit dieser Theorie einer frühmittelalterlichen Fernverbindung von Nord nach Süd neben dem Reihengräberfeld in Mockersdorf auch das große Reihengräberfeld in Theuern an der Vils mit seinen 62 Bestattungen (nur wenige Kilometer südlich von Ammerthal) eine neue Interpretation erfahren würde. Auch die Missionsbestrebungen des hl. Wunibald in einer an der Vils genannten Region („Nordfilusa“) bekämen dann eine neue Bedeutung.

Creußen als mittelalterlicher Kreuzungspunkt

Creußen wäre damit am Kreuzungspunkt zweier bedeutender frühmittelalterlicher Fernwege von Nord nach Süd und von West nach Ost gelegen und die Schweinfurter Burgen bekämen damit eine wichtige strategische Bedeutung.

Ein Verkehrsweg von Süden nach Norden verlief zwar durch den Creußener Raum, berührte aber die eigentliche Ortschaft nicht. Von Hersbruck über Velden, Auerbach, Degelsdorf und Thurndorf kommend, war diese Straße zunächst ein Teil jener Verbindung nach Eger, zweigte aber am Schlossberg bei Prebitz von dieser ab, führte nun am Turmhügel in der Nähe von Neuhof entlang und lief auf dem Muschelkalkrücken östlich von Creußen auf Emtmannsberg zu, wo wieder eine Turmhügelanlage nachweisbar ist. Weitere Orte an diesem Verkehrsweg sind Seulbitz und Döhlau. Die von Kronach herkommende Trasse erreichte bei Lettenhof, nahe Speichersdorf, die Egerer Straße. Sie dürfte im späten 10. oder im frühen 11. Jahrhundert benutzt worden sein. [7]

Altstraße von Südwesten nach Nordosten

Von Bedeutung war ein weiterer Straßenzug, der von Südwesten nach Nordosten über Creußen führte. Ausgangspunkt scheint die karolingische Pfalz Fürth gewesen zu sein. Der Weg verlief über Gräfenberg, Pottenstein, Prüllsbirkig, am Wartberg entlang, erreichte Kaltenthal (Büchenbach wurde umgangen), dann Schnabelwaid und schließlich Creußen. Von hier aus ging es über Tiefenthal und Birk (Würzburger Altzehent!), nach Wallenbrunn und Fenkensees. Eine weitere Station könnte Kirchenpingarten gewesen sein.

Die „Alte Amberger Straße“

Der Weg vom Forsthaus Oberlenkenreuth nach Creußen heißt bis heute „alter Amberger Weg“. Am „Amberger Weg“ stand jener Stein, bis an dem der Creußener Büttel mögliche Delinquenten übergab und bei Engelmannsreuth die Oberpfalz erreicht war. Die von Ammerthal heraufführende Altstraße bog eben nicht bei Heinersberg und dem Forsthaus Scharf nach Norden ab, sondern kreuzte die Altstraße Hersbruck – Thurndorf - Altcreußen als Teilstück eines Egererweges.

Nach Süden hin verlief dieser Weg weiter in südöstlicher Richtung entlang dem Kitschenrain im Raum von Altencreußen in der Talsohle. An Naslitz und Schlammersdorf lief der Weg ganz offensichtlich auf Grafenwöhr zu. Fernziel könnte Cham gewesen sein.

Die Straße, die von Altencreußen nach Nordwesten durch das Pferchholz nach Creußen führte, stellt damit einen alten Übergang vom Naab-Donau-Raum zum Rhein-Main-Gebiet dar (Wasserscheide!) und somit eine günstige Verbindung zwischen Regensburg und Würzburg herzustellen vermochte. Das Gebiet zwischen dem Kitschenrain und den Funkenbergen war Grenzsaum zwischen dem bayerischen Nordgau und dem fränkischen Radenzgau.

Straßenkreuz Altencreußen

Altencreußen liegt an zwei Altstraßen: Die eine führt von Süden her und teil sich unterhalb der Wallanlage in einen Ast mit Richtung Norden und einen Ast in Richtung Nordosten. Die genannte Südost-Nordwest-Route schneidet sie bei Altencreußen.

Der Altencreußener Wallanlage muss man daher eine besondere Bedeutung zuweisen: Diese Kontrollstelle zwischen Südwest und Nordost erklärt es auch, dass die dominierende, viel größere Siedlung auf dem Burgsandsteinfelsen, die um das Jahr 1000 vorhanden war, den Namen der kleineren Befestigung an der bairisch-fränkischen Grenze an sich zog und nun in den Mittelpunkt einer Raumzelle rückte, die als Grenzpunkt einen weiter besseren Schutz bot und als Herbergs- und Raststätte jene Funktionen übernahm, die zuvor Altencreußen ausgeübt hatte. Für die Annahme, in Altencreußen einen Königshof anzunehmen, wie es von Guttenberg tat, gibt es keine Belege.

Zuflucht der Schweinfurter nicht ohne Grund

Das hochgelegene „Castrum Crusni“, die Zufluchtsstätte der Schweinfurter Grafen lag, von vielen Straßen durchzogen, etwa in der Mitte der Festungen Ammerthal und Kronach und belegt zum einen die Bedeutung im umfangreichen Besitz Hezilos, der die Macht über ganz Bayern anstrebte.

Die Nord-Süd-Verbindung wird in das späte 10. bzw. frühe 11. Jahrhundert datiert. Die Verbindung Forchheim – Creußen – Erbendorf wird für die frühfränkische oder schon spätkarolingische Zeit anzusetzen sein. Die Trasse Ammerthal – Kronach, wahrscheinlich ein Teilstück einer Straße von Regensburg nach Erfurt, hat mit Sicherheit schon vor der ersten Jahrtausendwende bestanden.

Der gleichen Zeitstellung wird auch die Straße Pottenstein-Wallenbrunn zugerechnet, die aus dem Raum Fürth kommend Creußen passiert habt. Von da dürfte sie weiter in Richtung Hof bzw. Meißen gelaufen sein und vielleicht in einer Abzweigung in den Raum Merseburg – Magdeburg geführt haben.[8]

Binnenerschließung entlang von Altstraßen: Das Beispiel Obermain

Die Siedlungsgeschichte belegt mit der Ortsnamenforschung, dass sich der Landesausbau des 10. und 11. Jahrhunderts an den vorhandenen Altwegen orientierte. Wie Rudolf Endres für das Obermaingebiet belegt, waren es wohl slawische Siedler, die sogenannten Main- und Rednitzwenden, die hier die noch dichten Wälder rodeten. Aber auch aus dem Nordgau scheinen Neusiedler gekommen zu sein, wie die vielen Ortsnamen auf -reuth im Fichtelgebirge und im Oberpfälzer Wald belegen.

Vor allem die Schweinfurter Markgrafen unter Hezilo und seinen Nachfolgern haben sich, nach dem sie sich ihre reichspolitischen Ambitionen „abschminken“ mussten, vor allem um die Fortsetzung der Binnenkolonisation ihres umfangreichen Territoriums bemüht. Die Bedeutung von vorhandenen Altwegen für den weiteren Verlauf der Kolonisation belegt die Schenkung eines größeren Gebietes am Südrand des Fichtelgebirges an den Reichsministerialen Otnant von Eschenau, das ausdrücklich am Weg liegt, „der von Eger kommt“. Zahlreiche Argumente aus verschiedenen Forschungsdisziplinen deuten darauf hin, dass das Obermaingebiet im 10. Und 11. Jahrhundert im verstärkten Maße Binnenkolonisation und Landesausbau durchgeführt wurden Träger der reichen Rodungstätigkeit im Obermainraum waren aber nicht das neugegründete Bistum Bamberg oder etwa das bis 1007 zuständige Bistum Würzburg, sondern die Markgrafen von Schweinfurt und ihre Ministerialen Auch im Egerland erscheinen die Schweinfurter als Rodungsherren im größeren Stil. Besonders eindrucksvoll lässt sich die Rodungstätigkeit in der Herrschaft Plassenberg-Kulmbach aufzeigen und belegen.

Verstärktes Engagement im Landesausbau

Rudolf Endres zieht folgendes Fazit: „Nach seinem missglückten Aufstand, der Bestrafung und Begnadigung scheint sich der Markgraf Hezilo aus der Reichspolitik zurückgezogen und sich verstärkt dem Landesausbau in den ausgedehnten Besitzungen um die Schweinfurter „Landesburgen“ Ammerthal, Creußen und Kronach sowie der weiteren sechs Eigenburgen zugewandt zu haben.

Neben diesen Kleingauen um die Landesburgen hatten die Schweinfurter noch eine bedeutende Gütergruppe um Lichtenfels-Zapfendorf-Giech-Scheßlitz und Thurnau sowie einen Güterkomplex um Pottenstein-Tüchersfeld-Prüllsbirkig und am Nordjura die reiche Gütermasse um Kulmbach-Plassenberg-Weismain mit umfangreichen Waldungen sowie einen ähnlichen Besitzkomplex um Laineck-Bayreuth. Schließlich gehörte zum Schweinfurter Besitz noch die Burg Banz mit dem ausgedehnten Banzer Forst“.[9]

Die weitere Besiedlung des Obermains bis hinein ins Fichtelgebirge, ins Egerland und die obere Naab vollzog sich ganz offenbar entlang von Altwegen, mindestens aus karolingischer Zeit. Die Reihengräbersiedlungen von Mockersdorf und Theuern lassen jedoch noch auf ein weit höheres Alter dieser Fernstraßen schließen. Das digitale Geländemodell mit seinen zahlreichen Wegespuren, die aus dem Tal des Roten Mains auf die Höhen rund um Creußen und seine Eingemeindungen in alle Himmelsrichtungen führen, dokumentieren bis heute das spannende Altwegenetz um Creußen, die für den Landesausbau des 10. und 11. Jahrhunderts eine so wichtige Rolle spielten.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rolf Bergmann: Namen der Burgen der Schweinfurter Grafen, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller, S. 22 - 25
  2. Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen S. 117 – 131, besonders S. 124 – 131
  3. Bernd Schneidmüller: Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller. Schweinfurt 2004, S. 9 - 20
  4. Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller, Schweinfurt 2004, S. 117 - 131
  5. Angela Heller-Wolfsteiner: Adelheid – ein mittelalterliches Frauenleben im Spannungsfeld von Adel, Kirche und Königtum. Pressath 2010
  6. W. Emmerich: Das Hauptwegenetz des 11. Jahrhunderts in den oberen Mainlanden und seine Grundlagen in karolingischer Zeit, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 15 (1955), Abb. 2, S. 261
  7. H. Edelmann: Oberfränkische Altstraßen, in: Die Plassenburg 8 (1955), S. 33 - 34
  8. Joachim Kröll: Geschichte der Stadt Creußen. Creußen 1958
  9. Rudolf Endres: Die Schweinfurter Fehde und ihre Folgen, in: Vor 1000 Jahren – Die Schweinfurter Fehde und die Landschaft am Obermain 1003. Hrsg. von Erich Schneider und Bernd Schneidmüller, Schweinfurt 2004, S. 117 – 131, besonders S. 124 - 131