Altstraßen im Bereich der TK 25 6037 Ebnath
Die Anfänge der Grundherrschaft Ebnath
Ausgangspunkt für die Entwicklung der nachmaligen hirschbergischen Grundherrschaft Ebnath-Schwarzenreuth ist ein Waldgebiet zwischen Fichtelgebirge und Steinwald am Eingang der Röslauer Senke, das ursprünglich ein Teil des mittelalterlichen Bannwaldes im nördlichen Bereich des bayerischen Nordgaues war.
Die Schenkung von 1061
Hier übereignete König Heinrich IV. im Jahre 1061 dem Ministerialen Otnant von Eschenau einen Gebietsstreifen mit dem ausdrücklichen Auftrag, ihn zu roden. Der Umfang dieses in der Grafschaft Heinrichs im Nordgau und in der Mark Nabburg gelegenen Schenkungslandes ist in der Urkunde mit folgenden Grenzen angegeben: Von der Mündung der Svvrbaha in die Crumbanaba bis zum Quellgebiet dieser beiden Bäche, von da weiter zur Quelle der Trevvina und diesen Bach entlang bis zu dem Weg, der von Eger herkommt und diesen wiederum entlang bis zum Ausgangspunkt.
Zur Lokalisierung der genannten Angaben sind verschiedene Überlegungen angestellt worden. Mit der „Krummen Naab“ ist sicher die Fichtelnaab gemeint. Und zwar unmittelbar südlich von Riglasreuth, wo der Höllenbach in die Fichtelnaab mündet.
Mit „Svvrbaha“ ist nach H. Sturm der „Schwurbach“ gemeint. Folgt man nämlich dem Höllenbach, dann stellt man fest, dass sich die Bezeichnung für diesen Bach im Oberlauf mehrfach ändert und damit eine lautliche Verbindung herzustellen ist.
Die Grenzen der Schenkung
Damit ist die ungefähre nördliche und westliche Ausdehnung der Schenkung wie folgt: Sie reicht von der Einmündung des Höllenbaches südlich von Riglasreuth bis hinauf zum Quellgebiet der Fichtelnaab und hier, am Südhang der Kösseine vorbei bis zum hier erstmals erwähnten Altweg von Eger her.
Belegt wird diese Trasse Jahrhunderte später, als im Jahre 1497 in einem Salbuch des kurpfälzischen Amtes Waldeck-Kemnath die Geleitsrechte einer von Kemnath ausgehenden Geleitsstraße festgehalten ist: „von Kembnaten aus bis gein Rebiz (Redwitz) an das pechel, genannt Trebitz, und von Rebiz aus über den Kolewald gein Eger.“[1]
Grenze gegen Südosten
Mit dem Bach Trebitz ist die Ostbegrenzung des künftigen Rodungslandes belegt, findet sich doch östlich von Waldershof noch heute ein Flurstück namens „Trepnitz“. Damit reichte das Otnantsche Schenkungsgebiet bis zu jenem Bach, der bei Marktredwitz „Kösseine“ heißt und unweit von Waldershof den alten Verkehrsweg von Eger her kreuzte. Dieser markante Straßenzug bildete dann von Waldershof bis Riglasreuth die Flankenbegrenzung gegen Südosten.
Besitz der Klöster Waldsassen und Reichenbach
Als Bischof Dipold von Passau im Jahre 1180 die Kirche in Ebnath einweihte, wird deutlich, dass sich inzwischen die Eigentumsverhältnisse geändert haben. Ebnath liegt in jenem Grundherrschaftsbezirk, den Markgraf Diepold seinen beiden nordgauischen Klöstern Reichenbach und Waldsassen geschenkt hatte.
Der Landesausbau am Oberlauf der Fichtelnaab war damit im Verlauf des 12. Jahrhunderts an die Klöster Reichenbach und Waldsassen übergegangen. Im Traditionsbuch des Klosters Reichenbach aus der Zeit um 1200 werden zahlreiche Orte um Ebnath genannt. Sie belegen, dass bereits der Siedlungsausbau den Oberlaufes der Fichtelnaab erreicht hatte. Ebnath war dabei Mittelpunkt eines Filialsprengels der Mutterpfarrei Kulmain geworden.
Weiter genannt werden im Besitz der Diepoldinger Klosterstiftung am Regen die Orte Schurbach, Schwarzenreuth, Hermannsreuth, Hölzlashof, Haid, Brand, Fuhrmannsreuth, Bernlohe, Werenesreuth, Witzlasreuth, Nagel, Reichenbach, Riglasreuth und Tiefenbach. Der ebenfalls genannte Ort „Chrueg“ konnte im engeren Umkreis Ebnaths nicht gefunden werden.
Im Besitz der Leuchtenberger
Die Übereignung des Gebietes südlich des Fichtelgebirges an die Landgrafen von Leuchtenberg und die Gründung der Herrschaft Waldeck waren in der ersten Phase eines umfassenden regionalen Landesausbaus für diese Region von besonderer Bedeutung. Im Jahre 1283 verkaufte Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg Waldeck an Herzog Ludwig den Strengen, samt den Grafschaftsrechten, dem Gericht und dem Geleit. Im Jahre 1355 belehnte Ruprecht d. Ä., Pfalzgraf bei Rhein, die Brüder Hans und Arnold von Hirschberg mit der „veste Ebenode mit allen Zugehörungen“. Dazu gehörte offensichtlich bereits der Hammer in Ebnath.
Ein halbes Jahrtausend im Besitz der Hirschberger
Für die Hirschberger bedeutete der Erwerb der Grundherrschaft Ebnath eine bedeutende Erweiterung ihrer Besitzungen im Fichtelgebirgsraum, die entlang der Waldsteinkette massiert von Weidenberg über Berneck und Münchberg bis gegen Hof gelegen waren.
Fast ein halbes Jahrtausend blieb dieses Gebiet im Besitz einer Familie. Es entstand ein Besitz mit Hofmarksrechten, der die neuzeitlichen Gemeinden Ebnath, Brand, Mehlmeisel und Neusorg umfasste und zum kurpfälzischen bzw. ab 1628 kurbayerischen Landrichteramt Waldeck gehörte. [2]
Altwege um Ebnath
Neben Kemnath (s. TK 6137) erweist sich auch das etwas nördlich gelegene Kulmain als ausgesprochener historischer Verkehrsknoten. Wie oben ersichtlich war Kulmain aber zugleich auch ein kirchlicher Mittelpunkt und fungierte z. B. als Mutterpfarrei der Filiale Ebnath.
Hier bündeln sich Spuren eines Südwest-Nordost-Systems (Forchheim - Eger) mit einem Süd-Nord-System (Regensburg – Magdeburg) und einem Nordwest – Südost-System (Kronach/Kulmbach – Parkstein – Weiden). [3]
Manske hat auf der Basis der Erkenntnisse einzelner Vorgänger sowie eigener Begehungen den Verlauf bzw. vermuteten Verlauf einzelner Trassen im Bereich der TK 6037 Ebnath ausführlich dokumentiert.
Der Verlauf der „Eger-Straße“, die bereits in der sogenannten „Otnant-Schenkung“ von 1061 als südliche Begrenzung ausdrücklich Erwähnung findet (s. oben), hat die Altstraßenforschung in der Vergangenheit besonders interessiert.
Im Umfeld zwischen Riglasreuth und Weihermühle sind durch den Ausbau der St. 2177 und 2181 alle Spuren und Hinweise einer Altstraße zerstört. Es muss nach Manske unter der St 2177 aber eine Trasse liegen, die durch die Flur „Marteräcker“ nach Nordosten führt.
Die Fortsetzung zur Haidelfurth über den Höllbach ist durch den Bahnbau gestört, aber im bewaldeten Anstieg aus dem Bachtal (durch acht bis neun bis zu 1,5 m tiefe Fahrrinnen) deutlich dokumentiert. Die Spuren lassen sich auch im „Hammerholz“ (sieben bis acht Spuren) weiterverfolgen. Im nördlichen Abschnitt des Hammerholzes gabelt sich die Trasse in nördliche Richtung. Sie passiert den „Heuberg“ bei der Streusiedlung „Haid“, kreuzt westlich Rodenzreuth den „Ebnather Weg“ und spaltet sich zur Überquerung des Kösseinebaches erneut in zwei Äste, die parallel in geringem Abstand zueinander durch das Waldrevier „Alte Straße“ gehen und schließlich in mehreren Fahrspuren (jeweils c. 10 Spuren) ineinander verlaufen. Beide ziehen zum topographischen Punkt P 650, wo sie in einer breiten Trasse zusammenlaufen. Manske ordnet diese Abzweigung nicht der Südwest-Nordost-Route zu, sondern hält sie für eine östliche Verbindung zur Nord-Süd-Route (s. dort).
Der andere Ast der sich beim Hammerholz östlich Haidelfurth gabelnden Trasse zog mit fünf bis sechs Fahrspuren in Richtung der ehemaligen Schule von Langentheilen. Von dort nahm er seine Fortsetzung ins „Obere Kreuzholz“ zum Weiler Kreuzweiher. Mit der Staatsstraße St 2177 quert sie das Feuchtgebiet um den Kreuzweiher Bach und führt geradewegs nach Waldershof.[4]
Etwas östlich der Kohlenweg-Abzweigung führt eine weitere Trasse, die sich in Mengersreuth in zwei Äste spaltet über Dechantsees bzw. über Pullenreuth nach Nordosten. Vom Ast über Dechantsees haben sich infolge Straßenbaus bzw. eines aufgelassenen Steinbruchs keine Spuren mehr erhalten. Allerdings kann die dortige Einsiedelei (=häufiger Wegbegleiter!) auf einen Trassenverlauf hinweisen. Auch hat sich am Einzelgehöft Schindellohe ein tiefer Hohlweg erhalten. Die Trasse führt durch Pilgramsreuth über einen heute aufgelassenen Weg nach Rotenfurth. Vorbei an der Neumühle und über den Kreuzweiher-Bach mündet diese Trasse durch einen tiefen Hohlweg bei einem Holzkreuz westlich Waldershof in die Haidelfurth-Kreuzweiher-Trasse. Dazu gab es offenbar über den langen Kreuzweiherdamm zur Vermeidung des Feuchtgebiete am Zusammenfluss des Kreuzweiher-Baches und des Steinbaches eine Ausweichmöglichtrasse.
Eine weitere Variantenutzte ab Weihermühle die südlich Terrassenkante des Höllbachtales und traf bei einer großen Steinmarter auf die Trasse, die von Trevesen über Kautzenhof nach Lochau führt (heute Feldweg). Beide Trassen erreichten Pullenreuth (Martinspatrozinium!). sie führten weiter nach Rehbühl. Im Anstieg auf die Hochfläche spaltete sich die Trasse in Richtung Schindellohe und eine in Richtung Tannenhäusl. Die Trasse übe Tannenhäusl spaltete wieder in einen Ast zum Harlachhof und einen, der über Zottenwies und Rothenfurth in die Schindellohe-Pilgramsreuther Trasse einmündete.
Alle vier Trassen querten vereint die Kössein bei der Kapelle westlich der Waldershofer Burg. Im Gegensatz zu Neubauer/Thieser, die den Verlauf der Eger-Straße nicht über Waldershof, sondern eher nördlich über Rodenzreuth-Leutendorf führen wollen, lässt Zwack (1973) die Trasse durch Waldershof zum südlichen Rand von Marktredwitz verlaufen und bei Dörflas in Richtung „Kohlwald“ abbiegen. Nach Manske zog die Trasse aber am Ortsrand von Waldershof vorbei und traf bei der Zufahrt zur Rößler-Mühle wieder auf die heutige Straße, mit der sie Marktredwitz von Südwesten her erreichte.[5]
Zusätzlich zu den oben beschriebenen Varianten finden sich zwischen Pullenreuth, Hohenhard, Hard, Poppenreuth und Schafbruck zahlreiche Spurenreste, die auf alte Wege in östliche Richtung zum Anstiegsbereich des Steinwaldes führen. Zur Interpretation dieser Trasse s. TK 6038 Waldershof
Der mögliche Verlauf der Eger-Straße über Ebnath und Rodenzreuth
Wie Neubauer/Thieser vermuten, könnte die Eger-Straße auch über Ebnath und Rodenzreuth verlaufen sein. Die durch zahlreiche Fahrspuren belegte Trasse, die bis Leutendorf als Höhenweg weiterzog, führte schließlich an Waldershof vorbei nach Marktredwitz (S. 125 f) s. evtl. auch zu TK 6038 Nr, 104 Waldershof. Danach zog sich die Eger-Straße von Ebnath mit der heutigen Kreisstraße TIR 23 den Hang hinauf in Richtung Schwarzenreuth und führt als Waldweg in Richtung Schurbach. Östlich Schurbach verläuft die Eger-Straße als TIR 17 bzw. als „Ebnather Weg“ nach Rodenzreuth. Sie ging nördlich am Ort vorbei und querte dabei die Kösseine. Der weitere Verlauf über Grünitzmühle, Leutendorf und Ziegelhütte nach Marktredwitz ist durch Straßenbau und Flurbereinigung stark gestört.
Zweifel am Streckenverlauf
Manske hegt allerdings gegen die These von Neugebauer/Thieser Bedenken: Er sieht einen gewaltigen Umweg von Kemnath über Kulmain und Ebnath nach Marktredwitz gegenüber den direkten Trassen über die Schwelle bei Oberwappenöst in die Röslau-Kösseine-Senke. Ein solcher Umweg wäre für einen alten Fernweg höchst ungewöhnlich, zumal die Trassen durch die Röslau-Kösseine-Senke keine gravierenden Schwierigkeiten bieten. Ein weiteres Argument Manskes gegen die These Neubauers/Thiesers ist die Beschreibung des Grenzverlaufes der Otnant-Schenkung. Danach verläuft die Straße im Bereich der „Trewina“- Mündung (=Trebnitzbach) zum großen Bogen des Schurbaches (heute Höllbach) und folgt dieser bis zu dessen Einmündung in die „crumbanaba“ (Fichtelnaab). Welchen Zweck hatte die „Otnant-Straße“? Für die von Neubauer/Thieser angegebenen Verlaufsmöglichkeiten der „Otnant-Straße“ von Riglasreuth nach Rodenzreuth/Leutzendorf bzw. Kleinwendern – Bad Alexandersbad gibt es zwar etliche Fahrspuren im Gelände, die aber nach Manske nicht zu der von ihm postulierten Südwest-Nordost-Route in Richtung Eger gehören. Doch welchen Zweck hatten dann die von Neubauer/Thieser offensichtlich intensiv genutzten Trassen der „Otnant-Straße“? Nach Manske sind sie Hinweise auf den intensiven Erzabbau und die Eisengewinnung im Amt Waldeck und um Waldershof und die genannten Wege führten wohl als „Eisenstraßen“ zu den verschiedenen Hammerwerken, wozu sicher auch der 1362 erstmals genannte Hammer in Ebnath gehörte.[6] (Zur Fortsetzung des Südwest-Nordost-Systems von Marktredwitz nach Eger = Manske 3.1.4 S. 129 – 135 = s.TK Waldershof)
Die Nord-Süd-Route von Kulmain nach Norden
Kulmain hat bis heute mit den Staatsstraßen St 2665 und St 2177 eine Verteilerfunktion im Straßenverkehr. Manske hat von Kulmain aus mindestens drei Trassen gefunden, die er der Nord-Süd-Route zuordnet, wobei er verschiedene Abzweigungen dokumentiert. Eine könnte bereits in Oberbruck nach Immenreuth und in Richtung Plößberg abgebogen sein. Unmittelbar am älteren Ortsrand von Kulmain zweigt bei einem Flurkreuz ein Flurweg nach Norden, der zum Ortsteil Aign führte. Eine weitere Trasse zog mit der St 2665 an der Kirche vorbei und verzweigte sich oberhalb derselben, wobei ein Ast über den Erlbach führte, der andere über den Haselrangen und die beiden sich dort wieder vereinigten. Beide zogen zusammen entlang der Kreisstraße TIR 21 in Richtung Spitalholz (14 – 15 Spuren!) zur Abzweigung der Forststraße nach Witzlasreuth. Hier zweigte von der Nord-Süd-Trasse die nördlichste Variante der Südwest-Nordost-Trasse ab in Richtung Wernersreuth-Riglasreuth ab. (s.o.) Mit ebenfalls sieben bis acht Fahrspuren führte die Nord-Süd-Trasse zum „Schwarzweiher“ und lief über den Weiherdamm, den Weiherrangen hinauf und mündet bei den ersten Häusern von Witzlasreuth in die dortige GVS ein. Vier Fahrspuren lassen ab dem „Schwarzweiher“ eine Alternativtrasse (vier Fahrspuren) vermuten, die den oberen Dorfteil von Witzlasreuth erreichten. Von Witzlasreuth zogen zwei Trassen parallel nach Ebnath: Die westliche führte am Dorfteich vorbei den „Witzelrangen“ hinauf und östlich an Hermannsreuth vorbei und mündete an der kurvenreichen Abfahrt nach Ebnath an der TIR 11. Die östliche setzt am nordöstlichen Ortsrand an und zog zum Goldbach hinab und endete an einem aufgelassenen mit Flurkreuzen besetzten Flurweg, der Ebnath von Süden her bei den Sportplätzen erreichte. Im Ort Ebnath selber finden sich kaum Hinweise auf den Trassenverlauf. Offensichtlich ist die weitere Fortsetzung in einem Flurweg zu suchen, der in nordöstlicher Richtung den Hang am Ortsende von Ebnath hinaufzieht. Südlich des „Birkenschlags“ belegen vier bis fünf Fahrspuren die Existenz dieses Weges. Am Anstieg zum „Birkenschlag“ spaltet sich die Trasse in mehrere Äste und Parallelwege, von denen einer nach Mühlbühl, die übrigen nördlich des Waldes nach Reichenbach ziehen. Der vermutliche Hauptast ist am Waldrand durch vier bis fünf Fahrspuren plus Weg zu sehen. In oder um Reichenbach verzweigt sich die Trasse erneut. Der östliche Ast zog von Reichenbach östlich Hohenbrand („Geleitstraße“) nach Fahrenbach, hier mit etlichen Fahrspuren nachweisbar. Flurwegreste deuten eine Fortsetzung der Trasse über Furthammer nach Schönbrunn an. Der westliche Ast schwenkt vom Reichenbach an den Osthang der „Hohen Matze“ und führt von der St 2665 überdeckt über den Wurmlohpaß westlich des „Geißbühls“ hinab nach Grötschenreuth. Zehn bis elf Spurrinnen an der Waldwegeabzweigung zum „Steinknock“ belegen den Verlauf dieses Astes. Von Grötschenreuth führt er nach Furthammer, wo sich die beiden Äste wieder vereinigen. Von Schönbrunn zog die Trasse nordwärts, passierte östlich des „Hildenbühls“ mit sechs bis sieben Fahrrinnen den bewaldeten Hang und erreichte die Kreisstraße WUN 6. Sie zieht vermutlich entlang der alten St 2177 über den östlichen Sattel des „Rehberges“ nach Valetsberg. Allerdings ist der Verlauf durch Flurbereinigungsmaßnahmen erheblich gestört. Östlich Valetsberg mündet sie in die Ortsverbindungsstraße Wunsiedel – Bibersbach, die von Wunsiedel in gerader Linie nach Norden zieht und in einen jüngeren Ast der Trasse von Schönbrunn nach Wunsiedel und jene „Alte Straße“ von Langentheilen über Kleinwendern, Bad Alexandersbad nach Wunsiedel aufgenommen hat. Mit 18 tiefen Fahrrinnen zog sie nach Bibersbach hinab. Nach Edelmann verlief die Nord-Süd-Trasse von Bibersbach über Rauschensteig und Habnith nach Marktleuthen. [7] Für eine weitere Variante findet Manske Belege auf einem typischen Höhenweg von Bibersbach über den „Bibersberg“ am „Rotholz“ vorbei nach Röslau (= zwei bis drei Hohlwegvarianten plus Weg). Nach zweimaliger Querung der Eger erreicht die Trasse den Ortskern von Marktleuthen über den „Pfaffenwald“ und den „Galgenberg“ (=zwei typische Wegbegleiter). Von da dürfte die Trasse südlich des Rohrbachs nach Raumetengrün und durch einen Hohlweg zur Flur „Auf der Warte!“ bzw. östlich davon nach Nordwesten gezogen sein. Parallel zur Straße erreichte sie, flankiert von zwei Friedhöfen (nach Manske häufige Wegbegleiter), Kirchenlamitz. Vorbei am „Galgenberg“ zog sie weiter nach Norden in Richtung Hof. Allerdings ist Trassenverlauf bislang nicht erforscht.
Ältere Variante von Kirchenlamitz nach Naila
Nach Edelmannführte eine ältere Variante als Höhenweg von Kirchenlamitz nach Naila, die über Förmitz, Albertsreuth, Bärlas entweder über Oppentreu oder Seubitz/Ahronberg/ Armbranz nach Naila geführt haben. Von Kirchenlamitz aus konnten in nordwestlicher Richtung in der nördlichen „Pechlohe“ fünf bis sechs Trassen kartiert werden, die durch den Sattel zwischen dem „Kreuzstein“ und dem „Wechselbühl“ mit bis zu sechs Spuren durch den „Hallersteiner Wald“ nach Förmitz zogen. Vor dem Ort liegt die Trasse in einem tiefen und breiten Hohlweg. Die direkte Fortsetzung nach Albertsreuth ist heute durch den Förmitzstausee unterbrochen. Allerdings finden sich im „Steinbühl“ südwestlich Förmitz noch fünf bis sechs Fahrrinnen, die durch einen Hohlweg nach Albertsreuth weisen.
Alternativtrasse der Nord-Süd-Verbindung nach Naila
Edelmann hat zwischen Weißenstadt und Sparneck über die Ostflanke des „Großen Weissensteins“ eine Alternativtrasse nach Naila beschrieben, die eine lange und intensive Nutzung nahelegt. Demnach verlief sie von Weißenstadt über die Ostflanke des „Predigt-Berges“ (16 Spuren!) zum „Weidenbrunnen“ durch den Waldabschnitt „Göringreuth“ nach Sparneck. [8] Für die südliche Weiterführung nach Südosten zum Hauptast der Nord-Süd-Route über Leupoldsdorf bis Tröstau konnten nur wenige Hinweise für die von Edelmann vorgeschlagene Alternativtrasse gefunden werden. Acht bin neune Fahrrinnen an der Abzweigung von Weissenstadt nach Tröstau in Richtung Birk könnten auf die ehemalige Trasse verweisen. Allerdings zeigen sich in der Fortsetzung Richtung Vierst im Anstieg durch das „Schottenholz“ kaum Spuren. Die Mögliche Fortsetzung über Kühlgrün ist durch Flurbereinigung gestört. Erst südöstlich zur WUN 6 könnte ein Flurkreuz nördlich des „Manzelberges“ einen Hinweis geben. Erahnen lässt sich, ebenfalls wegen der Flurbereinigung, die Fortsetzung über Hildenbach nach Tröstau, ein ausgesprochener Höhenweg, der durch die „Hohe Gasse“ Tröstau bei einer Gaststätte als weiterem Indiz für eine Straße erreicht. Nach Manske gebe die Abkürzung von Tröstau über Weissenstadt und Sparneck nach Naila gegenüber der Trasse von Kirchenlamitz über den „Hallersteiner Wald“, Förmitz und Albertsreuth durchaus einen Sinn.[9]
Zwei Varianten der Nord-Süd-Route von Kulmain nach Norden
Manske hat zwei weitere Straßenvarianten gefunden, die vom Verkehrsknoten Kulmain ausgehen. Da ist zum einen eine Trasse, die heute in Kulmain von der St 2665 als TIR 27 nach Immenreuth abzweigt. Von dieser führt eine GVS in Richtung Lenau nordöstlich des Ortes setzen nach List im Bereich der St 2665 17 (!) Fahrrinnen an, die im Bogen wohl über Witzlasreuth und Neusorg in Richtung Harlachhammer bzw. Waldershof ziehen. Allerdings finden sich am Nordosthang des „Schwarzberges“ keine derartigen Spuren. Erst unterhalb des „Schwarzberges“ lassen sich vier Trassen erkennen, die aber mehr vom „Schwarzweiher“ aus oder südlich davon herführen.
Die Geländeuntersuchung ergab über 20 (!) tief eingeschnittene Hohlwegrinnen, die hangabwärts nach Lenau hineinlaufen, von denen aber wiederum sechs bis sieben unter der Staatsstraße in das dortige Eisen-Kupfer-Bergwerk hineinführen und dort enden. Die übrigen Spuren laufen unter der Abraumhalde des Bergwerkes nach Nordwesten zur Waldgaststätte Hofstetten. Über deren Parkplatz zogen sie zur Waldabteilung „Hofstatt“ und von dort auf Frankenreuth zu.
Am Abstieg zum „Goldbach“ (durch sechs bis sieben Fahrrinnen belegt) liefen sie vermutlich auf der Trasse der St 2665 an der Westflanke des „Ahornberges“ nach Norden und erreichten über den „Grünberg“ von Süden her Brand. Über Oberölbühl führten sie, vermutlich wieder auf der Trasse der St 2665, nach Nagel und erreichten über Mühlbühl die bei Reichenbach in zwei Äste gespaltene Hauptroute der Nord-Süd-Trasse und den Wurmlohpass.
Bei Ölbühl querten sie einen Höhenweg, der von Ebnath über Fuhrmannsreuth (mit mehreren Fahrspuren belegt) nach Nordwesten zog, vermutlich als Vorläufertrasse der heutigen WUN 10.
Allerdings zweigt nördlich von Lenau, jenseits der Bahnlinie, bei einem Flurkreuz ein weiterer Altweg in nördliche Richtung ab, der sich kurz vor dem Wald nochmals gabelt. Beide Trassen ziehen bergwärts und spalten sich in sechs bis sieben Hohlwegrinnen auf, die westlich Hofstetten in Richtung Babilon-Ölbrunn ziehen. Im Bereich zwischen Babilon und Ölbrunn lassen der mit Flurkreuzen besetzte, parallel zum Ortsverbindungsweg verlaufende Flurweg, die frühere Altstraße vermuten. Von Ölbrunn zog sie durch den Wald, südlich an Neugrünberg vorbei (und immer wieder durch Fahrspuren belegt) nach Grünberg. Kurz vor Grünberg traf sie mit der über Frankenreuth verlaufenden Trasse zusammen.
Am Nordrand von Ölbrunn zweigt ein Flurweg ab zum topografischen Punkt P 706. Von dort zieht die Trasse zum „Scheibenberg“, beim „Ziehbrunnen“ mit vier Spuren belegt. Und weiter im „Lenauer Forst“ mit zwei bis drei Spuren entlang des Forstweges erkennbar. Nördlich des Punktes P 767 verlässt die Altwegetrasse den Verlauf der Forststraße und zieht, sich mehrfach auffächernd, über eine steile Abfuhr zum Rieselbach hinunter (sieben bis acht Spuren). Den Gegenhang überwindet sie in mehreren Spuren und mündet bei einem Wegkreuz wieder in eine Forststraße ein, mit der sie Mehlmeisel bzw. Fichtelberg erreicht.
Diese Altstraße mit ihren deutlichen Spuren gehört nach Manske nicht zum Wegenetz der Nord-Süd-Trasse, sondern steht im Zusammenhang mit der Bergbautätigkeit bzw. der Eisenverarbeitung im Bereich Mehlmeisel-Fichtelberg.
Zusammenfassung der Ergebnisse zum Verlauf der Nord-Süd-Route im Raum Kemnath:
Wie zahlreiche Spuren belegen, zieht der Westast des sehr alten Nord-Süd-Altstraßensystems, das Dollacker und Edelmann als „Magdeburger Straße“ bezeichnen, durch den östlichen Abschnitt der Flednitz, in den Raum um Kemnath. Er ist dabei, wie bei alten Fernwegen charakteristisch, auf mehrere Trassenvarianten verzweigt. Nach Manske formuliert für den östlichen Zweig zwischen Kemnath und Haidelfurth ein Stück des gemeinsamen Verlaufs mit der Südwest-Nordost-Route über Haid/Höll, die „Alte Straße“ über Kleinwendern, Bad Alexandersbad nach Wunsiedel.
Der westliche Zweig weicht zwischen Grafenwöhr und Pressath dem großen Moosgebiet aus und orientiert sich nordwestlich Pressat am Rauhen Kulm nach Norden. Als Höhenweg zieht er in weitem Bogen übe Pichelberg, Burkharsreuth, Filchendorf, Oberndorf, Kulmain, Ölbrunn und Brand zum Wurmlohpass. Die Haupttrasse jedoch führt ab Kulmain über den „Hasel-Rangen“ am Aigen vorbei zum „Spitalholz“ und dann über Witzlasreuth, Ebnath und Reichenbach ebenfalls zum Wurmlohpass nach Norden. Manske vermutet eine Gabelung nördlich des Passes zwischen Tröstau und Kirchenlamitz in zwei Varianten: Eine führt über Hof nach Norden, die andere über Naila. Dabei könnte die Sächsische Saale als Transportweg durchaus eine Rolle gespielt haben.
Beim Alter verweist Manske auf einen Zweig von Pressath über die östliche Flanke der Haidenaab nach Kemnath, die auffällig mit vielen Orten mit slawischem Namensgut begleitet wird und vermutet, dass beide Trassen gleich alt sein könnten.
Weiter sieht es Manske als bewiesen, das mit dem West-Ast des Nord-Süd-Systems das Gebiet der Flednitz mit einem „mindestens gleichalten“ Fernweg verbunden ist wie dem Weg zwischen Forchheim bzw. Nürnberg nach Böhmen. Schließlich erwähnt Ptolemäus im zweiten nachchristlichen Jahrhundert eine wohl parallel zur Nabb verlaufenden Fernweg, die in zwei Ästen durch die Oberpfalz ebenfalls nach Norden geführt hat.[10]
Der Raum Ebnath im Digitalen Geländemodell
Das Nebeneinander verschiedener Trassensysteme im Bereich der TK Ebnath dokumentiert sich ausdrücklich auch im digitalen Geländemodell, das in verschiedenen Bereichen ganze Altwegebündel aufzuweisen hat. So etwa im Bereich von Ölbrunn in Richtung Brand, nördlich von Ahornberg in Richtung Mehlmeisel und von Ebnath aus in Richtung Wurmloh und bestätigen eindrücklich das von Manske postulierte Nebeneinander sowohl einer Nord-Süd-Trasse als auch eines Südwest-Nordost-Straßensystems.
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6037: Ebnath
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6037: Ebnath
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6037: Ebnath
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6037: Ebnath
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6037: Ebnath
Einzelnachweise
- ↑ Reinhard Seitz: Zur Entwicklung der Stadt Kemnath. In: Oberpfälzer Heimat, Band 15. 1971, S. 101
- ↑ Heribert Sturm: Die Anfänge der Grundherrschaft Ebnath. In: Oberpfälzer Heimat, Band 18. 1974, S. 125-136
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 112 – 160, hier besonders Karte S. 121 -
- ↑ Hannelore Zwack: Die Egerer Straße. Das Altstraßenstück Eger – Kemnath. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit. Bayreuth 1973
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 119 – 129, hier besonders Karte S. 121 -
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 125 – 129
- ↑ H. Edelmann: Oberfränkische Altstraßen, in: Die Plassenburg 8 (1955), S. 5 ff.
- ↑ H. Edelmann: Oberfränkische Altstraßen, in: Die Plassenburg 8 (1955), S. 5 ff.
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 142 – 146
- ↑ Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 145 – 146