Altstraßen im Bereich der TK 25 6036 Weidenberg
Geographie von Weidenberg
Der Markt Weidenberg, heute im Landkreis Bayreuth gelegen, liegt am Fuße des Fichtelgebirges und grenzt an die Gemeinden Goldkronach und Warmensteinach im Norden, Kirchenpingarten im Osten, Emtmannsberg und Seybothenreuth im Süden und Bayreuth im Westen.
Weidenberg wird von der Warmen Steinach durchflossen, die am Fuße des Ochsenkopfs entspringt. Im Lauf der Jahrtausende hat der Fluss mit dem Erosionsmaterial des Fichtelgebirges um Weidenberg eine Schotterebene gebildet, die landwirtschaftlich genutzt wird. Nach Sophienthal, einem Gemeindeteil von Weidenberg, verlässt die Steinach ein tief eingeschnittenes Tal und tritt in eine sich weitende Ebene um Weidenberg.
Dieses Becken ist geologisch gesehen ein bedeutsamer Teilbereich einer Bruchzone, die „Fränkische Linie“ genannt. Sie bildet südöstlich von Weidenberg mit den Abflüssen in das Flusssystem von Main und Naab die europäische Hauptwasserscheide.
Aus der Geschichte Weidenbergs
Der Name stammt nicht vom gleichnamigen Laubbaum, sondern aus dem Slawischen. Hier siedelten um das Jahr 1000 Mainslawen. Das bisher genannte Jahr 1153 der Erstnennung Weidenbergs stammt aus einer gefälschten Urkunde. Die Ortsteile Lessau und Döberschütz sind 1150 erstmals urkundlich erwähnt.
Weidenberg passiert eine von Nordwesten nach Südosten orientierte Handels- und Heer-Straße. Dieses Durchzugsgebiet wurde im Mittelalter von verschiedenen Turmhügeln geschützt. Eine davon lag oberhalb des Weidenberger Gemeindeteils Sophienthal. Sollte die West-Ost-Straße, die im Wesentlichen mit der von H. Weigel postulierten karolingischen Fernstraße übereinstimmt und die dieser bereits in die Bronzezeit verortet, dann wäre im Raum Weidenberg der Schnittpunkt zweiter vorgeschichtlicher Verbindungswege zu suchen.
Heutige Verkehrssituation um Weidenberg
Weidenberg liegt an der St. 2181, die von Bayreuth nach Warmensteinach führt, sowie die St 2177, die von Weidenberg über Immenreuth nach Kemnath verläuft. Die TK 6036 passiert zudem die Bundesstraße B 22 bei Seybothenreuth.
Die B 22 führt von Würzburg über Bamberg und Bayreuth nach Weiden und von da weiter nach Cham. Der Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim hat als Bischof von Würzburg (1755) und Bamberg (1757) die beiden Bistümer durch eine Chaussee verbunden. Später wurde die Trasse bis Bayreuth fortgesetzt. Im Jahre 1937 zog man die gut ausgebaute Landstraße zwischen Würzburg, Bamberg und Bayreuth als Reichsstraße 22 in das Netz der Reichsstraßen mit ein.
Altstraßen um Weidenberg nach Manske und Kröll
Zusammenfassend hat sich Dietrich J. Manske in seinem Beitrag für die Kemnather Chronik mit dem Nordwest-Südost-System nordwestlich Kemnaths beschäftigt. Ein eigenes Kapitel widmet er dabei der Darstellung der Trasse zwischen Dressendorf und Kemnath.[1]
Ausführlicher noch als Manske hat sich bereits zuvor Joachim Kröll mit den Altwegen um Weidenberg beschäftigt. Im Gegensatz zu Manske, der sich bei Datierungen vorsichtig zeigt, unternimmt es Kröll, bei den einzelnen Trassen eine zeitliche Einordnung vorzunehmen.[2]
Vorgeschichtliche Altwege um Weidenberg
Nach der Vermutung des Altwegeforschers Joachim Kröll hat bereits in der Steinzeit eine vorgeschichtliche Straße aus dem hessisch-thüringischen Raum ins böhmische Becken geführt, die sich nach Ungarn, einem wichtigen Kupferlieferanten, fortsetzte.
Ob dieser West-Ost-Weg den Rauhen Kulm passierte ist ungewiss. Der Historiker H. Weigel skizziert eine Fernstraße des 9. und 10. Jahrhunderts, die von Amberg über Hollfeld – Pilgerndorf/Schönfeld – Busbach - Altenstadt/Bayreuth – Weidenberg – Kirchenpingarten nach Eger führte. Das sind Vermutungen. Sicher ist nur die Benutzung der Kösseine-Eger-Senke in vorgeschichtlicher Zeit, wie jungsteinzeitliche Funde in der Nähe von Wölsau und südöstlich von Marktredwitz belegen.
Nach Kröll lässt sich mit größerer Sicherheit eine Nordwest-Südost-Straße erschließen, die aus dem thüringischen Raum nicht über die Wondreb-Senke, sondern über die Further Senke nach Böhmen führte.
Altwege um Weidenberg nach Edelmann
Hans Edelmann zeichnet eine Altstraßentrasse, die auch über den Weidenberger Raum führte: Stadtsteinach – Ludwigschorgast – Hegnabrunn – Trebgast – Benk – Dressendorf – Görau – Bocksleite. Edelmann führt die Trasse weiter über Langengefäll – Kirchenpingarten – Lienlas – Ahornberg – Frankenreuth – Ebnath – Schwarzenreuth – Schurbach – Leutendorf – Meußelsdorf – Lorenzreuth – Körbelsdorf – Schirnding – Eger.
Allerdings zweifelt Kröll diese angebliche vorgeschichtliche Fernverbindung an, denn eine plötzliche scharfe Wendung, wie in diesem Fall in Richtung Osten, war bei Altwegen mehr als unüblich. Eine natürliche Richtung auf Cham zu und die Further Senke sieht Kröll als die logischere.[3]
Der Straßenabschnitt an der „Bocksleite“
Der Straßenabschnitt an der Weidenberger „Bocksleite“ als Teil einer Nordwest-Südost-Verbindung scheint im Mittelalter für Durchmärsche und Handelstransporte intensiv genutzt worden zu sein. Die Richtung der Trasse nach Süden weist nicht nur in die Further Senke, sondern auch in Richtung Donau mit vermutetem Ziel Regensburg. Der Weg nach Nordwesten in Richtung Stadtsteinach bedarf noch der Untersuchung. Kröll vermutet als Stationen Kronach und Ludwigstadt sowie als Fernziel Erfurt. Damit wäre diese Trasse als eine mittelalterliche Verbindung der Bischofsstädte Regensburg und Erfurt anzusehen.
Trasse zwischen Dressendorf und Wirbenz
Kröll verfolgt die Trasse im Raum Weidenberg intensiver zwischen Dressendorf und Wirbenz. Die Straße führt am Großen und Breiten Berg ostwärts Ützdorf, dann am Galgenberg vorbei. An der Kreuzung mit der Fahrstraße nach Lessau finden sich drei auffallende Steinmale. Etwa 1 km weiter südöstlich steht ein weiteres Steinkreuz, wo sich die die Straße nach Döberschütz – Birk – Creußen schneidet. An der „Leite“ geht es entlang bis zur Wasserscheide. Hier zweigt nun nach Nordosten, Fischbach umgehend, die „Hohe Straße“ ab, die Edelmann als Fortsetzung der Fernstraße ansieht.
Tatsächlich scheint an der Wasserscheide die Nordwest-Südost-Fernverbindung diesen außergewöhnlichen Knick zu machen und nach Langengefäll zu führen. Nach Kröll überquert die Trasse bei der Bocksleite die Wasserscheide in Richtung Fenkensees. Die Fernstraße führt am „Kragnitzholz“ vorbei zur „Blöße“. An einem Steinkreuz quert die Fernroute einen Weg von Tressau nach Zeulenreuth -Kirchenlaibach. Zur Linken bleiben die „Bärenlöcher“. Grenzsteine verweisen auf die Grenze der jetzigen Regierungsbezirke Oberfranken-Oberpfalz, die der früheren Grenze zwischen Markgrafentum und der Kurpfalz entspricht.
Bei Lettenhof erreicht die Fernstraße, die zugleich auch die alte Grenze bildet, nach einem längeren Verlauf von 15 km ohne Ortsberührung, wieder den ersten Ort seit Görau. Sie führt weiter nach Wirbenz. Von Wirbenz aus verlief die Fernstraße auf der Trasse der jetzigen Straßenverbindung und stieß bei Oberndorf auf die „Egerer Straße“.
Die West-Ost-Straße
Von weiteren Fernverbindungen, die durch Weidenberg selbst verlaufen, ist zunächst die bereits erwähnte West-Ost-Straße genannt. Sie geht von Königsfeld aus und führt zur Egerer Straße, in die sie bei Kulmain einmündet. An ihr liegen die Orte Altenstadt/Bayreuth – Weidenberg – Kirchenpingarten. Diese Straße führte über die „Hohe Leite“ zwischen Seulbitz und Lankendorf, südlich vorbei an der Schuhmühle in die „Altung“ und von dort über Rosenhammer, Waizenreuth und Kirchenpingarten, überwiegend dem heutigen Straßenverlauf folgend, nach Lienlas – Ahornberg. Von dort führte sie weiter nach Kulmain nach Dechantsees. (s. TK Ebnath).
Zur Zeitstellung der West-Ost-Verbindung nennt Kröll mindestens das 10. Jahrhundert. Sie führte nach Kröll über Ahornberg nach Kulmain bzw. in das Altsiedelgebiet um Kemnath – Oberndorf. Alle West-Ost-Verbindungen, soweit es sich um Fernstraßen handelt, stoßen auf alte Nord-Süd-Straßenzüge, die Norddeutschland mit Süddeutschland verbanden: Saalfeld, Kronach, Creußen, Velden, Altdorf und Nürnberg im Westen sowie Plauen, Hof und Eger im Osten (mit Anschluss nach Süden in Richtung Nabburg und Cham) stellen sie zwei parallel verlaufende Züge, die mit „Quersprossen“ untereinander verbunden waren.
Straßenverbindungen von Bamberg bzw. Forchheim nach Prag sieht Kröll bereits für das 10. Jahrhundert als zwingend an, im 11. Jahrhundert sind sie urkundlich belegt.
„Zubringer“-Straßen nach Kröll
Weitere Straßenzüge, die direkt nach Weidenberg hineinführen, rechnet Kröll dem Zeitraum zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zu. Es handelt sich dabei um Straßen, die regionale Bedeutung hatten und den Fernstraßen als „Zubringer“ dienten. Sie sind bis heute in der Landschaft gut zu erkennen und werden bis zur Gegenwart genutzt: Als Ausgangspunkt für eine Altstraße diente Creußen. Der schon genannte Weg nach Kirchenpingarten heißt „Weidenberger Weg“. Er führte bis Birk, wo sich die Trasse gabelt. Eine lief über Fenkensees nach Kirchenpingarten. Die andere erreichte Draisenfeld und Döberschütz, dann den Kreuzstein auf der Bocksleite und führte auf die heutige Fahrstraße nach Weidenberg. Im weiteren Verlauf führte die Straßen den „Reitweg“ abwärts, stieg über Heßlach nach Gossenreuth hinauf und erreichte Nemmersdorf. Mehrere Turmhügel begleiten den Weg (zum weiteren Verlauf s. TK Kemnath, bzw. TK Creußen).
Ziel Warmensteinach?
Als letzte Route nennt Kröll eine auf die Gebirgshöhe bei Warmensteinach ansteigende Trasse, die über Warmensteinach hinaus auf eine Passstraße des Fichtelgebirges zuläuft, möglicherweise auch in den Raum Kirchenlamitz – Marktleuthen führend, um in ein altbesiedeltes Gebiet am Osthang des Gebirges zu münden. Warmensteinach war kirchlich eine Filiale von Weidenberg. Der Weg verlief nicht im Tal der Steinach, sondern auf den Höhen. Auch diese Trasse ist durch Turmhügel gesichert. Diese Straße führte an Rosenhammer vorbei, passierte bei Mengersreuth und Sophiental und zog dabei auf die Höhe. Von hier aus erreiche sie über Neuhaus und die Befestigung Wurzstein schließlich Warmensteinach.
Eine Besonderheit stellt ferner die Wegkreuzung an der Schuhmühle dar. Am Rande der „Altung“ laufen fünf Wege auseinander. Eine davon ist die bereits beschriebene West-Ost-Altstraße, eine zweite leitet auf die Höhe in das Oberdorf („Hohe Leite“, „Bayreuther Gasse“), ein anderer Abweg heißt „Heugerer Gasse“ und führt auf die heutige Seybothenreuther Straße. An dieser Stelle mündete auch schon die genannte Route, die Weidenberg mit Creußen verbindet. Nach Kröll ein sehr alter Weg.
Krölls Fazit
Zusammenfassend lässt sich nach Kröll über die Altstraßen im Weidenberger Raum folgendes Fazit ziehen. Die älteste Straße, die seit vorgeschichtlicher Zeit in Benutzung, ist die über die „Bocksleite“ führende Fernverbindung aus Nordwesten nach Südosten zur Further Senke und nach Regensburg bzw. umgekehrt. Sie ist offenbar bereits im 9. oder 10. Jahrhundert benutzt worden.
Nicht viel jüngeren Datums, wohl ebenfalls dem 10. Jahrhundert zuzuordnen, ist die West-Ost-Verbindung, die von Königsfeld her zur „Egerer Straße“ leitet. Aus der gleichen Zeit stammt die Straße Creußen – Altung bzw. Creußen – Weidenberg. Die übrigen skizzierten Altstraßen datiert Kröll ins 11. Jahrhundert. Daraus zieht Kröll das Fazit, dass der Raum Altung – Weidenberg eine Art „Straßenspinne“ darstellt, von der wichtige Fernverbindungen in verschiedene Richtungen führen.
Eindrücklich Darstellung im digitalen Geländemodell
Das digitale Geländemodell weist bereits im südlichen Teil der TK auf die Vielzahl der genannten Trassen im Raum Weidenberg hin. Aber vor allem der Anstieg aus dem Tal der Steinach in Richtung Warmensteinach/Fichtelgebirge ist von einer Unmenge von Hohlwegtrassen durchzogen. Sie belegen die intensive verkehrstechnische Nutzung dieses Durchgangsraumes im Osten des heutigen Oberfranken während des Mittelalters und der frühen Neuzeit.
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6036: Weidenberg
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6036: Weidenberg
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6036: Weidenberg
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6036: Weidenberg
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6036: Weidenberg
Einzelnachweise
- ↑ Der Raum Kemnath, ein mittelalterliche Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre … und mehr. Hrsg. von Michael Neubauer… Pressath 2008, S. 146 – 148
- ↑ J. Kröll: Weidenberg: Geschichte des Marktes Weidenberg. Weidenberg 1967, S. 10-24
- ↑ H. Edelmann: Oberfränkische Altstraßen, in: Die Plassenburg 8 (1955), S. 5 ff.